FORSCHUNGSPLATTFORM MELDET ERFOLG 19.02.2015, 12:05 Uhr

Bald Serienproduktion von E-Auto-Batterien in Deutschland?

Am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg werden erstmals in Deutschland seriennah Akkus für Plug-in-Hybride hergestellt. Nach Ansicht des Instituts ist das ein großer Schritt zur konkurrenzfähigen Batterieproduktion – und damit ein Durchbruch hin zur Elektromobilität für den Massenmarkt.

Ein Mitarbeiter der Forschungseinrichtung ZSW steht vor einem so genannten Präzisions-Kalander, der zur Verdichtung der Elektroden dient. 

Ein Mitarbeiter der Forschungseinrichtung ZSW steht vor einem so genannten Präzisions-Kalander, der zur Verdichtung der Elektroden dient. 

Foto: M. Duckek/ZSW

In naher Zukunft soll es möglich sein, Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos auch in Deutschland in Serie zu produzieren. Ganze zwei Monate nach Eröffnung seiner von Bund und Land finanzierten Forschungsplattform meldet das Institut für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) einen großen Erfolg.

Auf der im Dezember fertiggestellten Produktionslinie in Ulm, die allen Unternehmen der Branche offensteht, wurden demnach erstmals in Deutschland seriennah Akkus für Plug-in-Hybride hergestellt, also solche Autos, die neben dem Elektromotor auch noch über einen konventionellen Antrieb verfügen.

Leistung soll noch deutlich steigen

Die Kapazität der Zellen liege bei 23 Amperestunden (Ah) und damit auf gleichem Niveau wie kommerzielle Zellen aus Asien, wie sie heute vorzugsweise in E-Autos eingebaut werden, heißt es beim ZSW. Die Batterien haben eine Lade-Endspannung von 4,1 Volt, ein Gewicht von 650 Gramm und entsprechen dem internationalen Standard für Plug-in-Hybride.

Damit sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. „Durch verbesserte Prozesse können wir die Kapazität, Qualität und Ausbeute in den nächsten Monaten deutlich erhöhen“, verspricht Prof. Werner Tillmetz, ZSW-Vorstand und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien.

BASF, BMW, Daimler und Siemens an Prozessoptimierung beteiligt

Die Plattform in Ulm bietet Forschung und Industrie gute Möglichkeiten in der Entwicklungsarbeit. Die Anlage umfasst den kompletten Herstellprozess von den stromleitenden Elektrodenpasten bis zur Formierung der Zellen. Derzeit laufe schon ein neues Projekt zur Optimierung der Prozesse, an dem große Industrieunternehmen wie BASF, BMW, Daimler und Siemens beteiligt seien.

Batterie nach Hybrid-Standard: Ein ZSW-Mitarbeiter mit dem fertigen Produkt. 

Batterie nach Hybrid-Standard: Ein ZSW-Mitarbeiter mit dem fertigen Produkt. 

Quelle: Photodesign Buhl/ZSW

In den Anlagen können täglich mehrere hundert Zellen produziert werden. Eben damit kommt das ZSW dem industriellen Maßstab schon sehr nahe. „Das ist ein großer Erfolg, sowohl für die Forschung und Wirtschaft als auch für die Politik, die Deutschland zum Leitanbieter für die Elektromobilität entwickeln will“, sagt Tillmetz.

Weg hin zu konkurrenzfähiger Produktion von Batterien für reine E-Autos weiter 

Der Forscher verweist darauf, dass die Batterien dabei eine besonders wichtige Rolle spielen. Sie seien ein besonders lukrativer Teil der Technologie, weil sie bis zu 40 Prozent der Wertschöpfung eines E-Autos ausmachten. Diese Zahl stammt aus dem Fortschrittsbericht, den die „Nationale Plattform Elektromobilität“, ein Verbund aus Industrie und Wissenschaft, vor einigen Monaten der Bundesregierung vorlegte. 

Darin steht allerdings auch, dass dieser Anteil bei Hybrid-Fahrzeugen, in denen die Reichweite des Elektromotors meist weniger als 50 Kilometer betrage, „deutlich geringer“ sei. Die am ZSW bisher entwickelten Batterien sind eben für genau solche Hybride konzipiert. Bis zur konkurrenzfähigen Produktion von Batterien für reine E-Autos ist der Weg wohl doch noch weiter.

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