Tests in Städten 01.08.2014, 12:13 Uhr

Ab 2015 düsen fahrerlose Autos über Englands Straßen

Die Entwicklung der fahrerlosen Autos in Europa nimmt den nächsten Schritt: Schon im nächsten Jahr sollen sie auf den öffentlichen Straßen Englands rollen – so der Plan der britischen Regierung. Städte können sich für die Testfahrten bewerben und einen Zuschlag von 12,5 Millionen Euro ergattern. 

London wird sich vermutlich nicht als Testraum für selbstfahrende Autos bewerben – zu dicht ist der Verkehr, zu viel Chaos stiftet die Großbaustelle der unterirdischen Schnellbahn Crossrail.

London wird sich vermutlich nicht als Testraum für selbstfahrende Autos bewerben – zu dicht ist der Verkehr, zu viel Chaos stiftet die Großbaustelle der unterirdischen Schnellbahn Crossrail.

Foto: dpa

Die britische Regierung hat diese Woche die Städte des Landes aufgefordert, sich als Testzentren für fahrerlose Autos zu bewerben. Die Bewerbungsfrist läuft bis Oktober, im Januar nächsten Jahres sollen die Tests anrollen. Mit dem Pilotprojekt stelle sich Großbritannien „an die Spitze dieses technologischen Wandels“, sagte Wirtschaftsminister Vince Cable bei der Vorstellung des Programms. 

Drei Städte unterschiedlicher Größenordnung will die Regierung aussuchen. Sie erhalten zur Durchführung des Versuchs jeweils 12,5 Millionen Euro. Für die Erprobung fahrerloser Autos in der Praxis ist das britische Vorhaben ein wichtiger Schritt: Denn bislang dürfen die autonomen Fahrzeuge nur auf privaten Straßen fahren.

Vorgesehen ist eine Testperiode von 18 bis 36 Monaten. Ziel der Regierung ist es, dem Land eine gute Position im Geschäft mit fahrerlosen Autos zu sichern.

London bleibt vorerst beim normalen Autofahren

Die weltweit tätige Consulting-Gesellschaft Deloitte sieht in der britischen Ausschreibung eine Chance für Großbritannien, Vorreiter in Europa zu werden. Wichtig sei, dass die Regierung die rechtlichen Hindernisse für den Betrieb fahrerloser Autos so schnell wie möglich aus der Welt schafft. Wenn die britischen Tests dann auch noch Erfolge zeigten, sei mit einem schnellen Preisrückgang der technischen Ausrüstung für fahrerlose Autos zu rechnen.

Das Google Auto fährt selbstständig mit einem Laser-Radar-System, Kameras und Navigationssystem GPS.

Das Google Auto fährt selbstständig mit einem Laser-Radar-System, Kameras und Navigationssystem GPS.

Foto: Google

Mit Sicherheit wird sich London nicht bewerben. Zum einen ist dort der Verkehr extrem dicht. Zum anderen leidet die Stadt noch drei Jahre unter Europas größtem Bauvorhaben, der unterirdischen Schnellbahn Crossrail, die derzeit viele Straßen unbefahrbar macht. Für die Tests sollen Städte unterschiedlicher Größen ausgewählt werden. Die Regierung hofft, dass sich Städte mit 100.000 bis zu einer Million Einwohnern melden.

Übergang zum fahrerlosen Auto trifft auch die Versicherer

Das Versicherungsunternehmen Lloyds Market Association erwartet mittelfristig einen weitgehenden Verfall der Prämien in der Kraftfahrtversicherung, da mit dem Aufkommen der fahrerlosen Autos die Schäden im Autobetrieb zurückgehen werden. Das werde zu einem weitreichenden Ausleseprozess in der Versicherungswirtschaft führen.

Großbritannien verfügt über eine große, erfolgreiche und florierende Autoindustrie, die seit geraumer Zeit überwiegend im Drei-Schichten-Betrieb arbeitet. Das geht teils auf die Förderung durch die Regierung in London und zum anderen auf das starke Engagement ausländischer Unternehmen zurück – unter ihnen BMW und VW aus Deutschland, Nissan aus Japan und Tata aus Indien. Nissan produziert in Nordengland beispielsweise das Elektroauto Lear. Alles in allem produziert Großbritannien in diesem Jahr voraussichtlich 1,6 Millionen Pkws.

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