Drupa 2012 04.05.2012, 11:57 Uhr

Ohne Digitaldruck geht nichts mehr bei Druck und Papier

Technikinnovationen waren schon jeher das Faustpfand der Drupa. Doch noch nie war so deutlich ablesbar, wie fulminant die Digitaltechnologie den Strukturwandel der Branche vorantreibt. Es gibt so gut wie keinen Messestand mehr, dessen Darbietung nicht auf Digitaltechnik abhebt oder reagiert. Der Druckmarktanalyst und Berater Andreas Weber skizziert in seinem folgenden Artikel, dass die Branche vor einem neuen Technologieschritt steht.

Marktforscher Jim Hamilton von Infotrends hat ermittelt, dass es bei den Top-30-Ausstellern und insbesondere bei den Top 10 gravierende Änderungen im Vergleich zur letzten Drupa 2008 gibt: HP, Canon und Xerox bilden als reinrassige Anbieter von Digitaldrucktechnologie das Führungstrio, Ricoh und Konica Minolta schließen an und haben ihr Drupa-Engagement ausgeweitet.

Erstaussteller Landa Corporation schafft es mit seiner Weltneuheit, der Nanographic Print, auf Platz 16 der größten Drupa-Aussteller. Branchenprimus Heidelberg, wenn auch flächenmäßig deutlich verkleinert, behauptet seinen Platz 1 unter allen Messeausstellern. Agfa, KBA und Kodak zeigen sich mit ihren Mischangeboten aus traditioneller und digitaler Technik.

Seit dem Jahr 2000 sind weltweit mehr als 20 Mrd. € aufgewendet worden, um die Printtechniken durch Digitaldruck rundum zu erneuern. Hinzu kommen hohe Aufwendungen aus dem Bereich der Papierherstellung und Weiterverarbeitung. Denn Bedruckstoffe wie auch Finishing-Equipment müssen auf den Digitaldruck und seine Besonderheiten abgestimmt werden.

Der Fokus der vergangenen Dekade lag auf Tonerdruck und Spezialverfahren wie Digital Ink von HP Indigo. 2012 wird er auf Inkjet-Druck liegen. Nahezu alle relevanten Hersteller haben entweder im Alleingang Highspeed-Inkjet-Systeme entwickelt, wie Heidelberg, Fuji, HP, Kodak, Océ und Xerox. Oder sie arbeiten in Kollaboration wie Konica Minolta und Komori. Hinzu kommen Anbieter wie Kyocera, die sich rein auf die Entwicklung von Inkjet-Druckköpfen kaprizieren, die von Dritten wie KBA in Rollendruck-Fertigungsanlagen integriert werden.

Weiterverarbeitungsspezialist Müller Martini integrierte ebenfalls Inkjet-Druck in sein Portfolio, hat sich komplett umpositioniert und setzt vor allem auf die Kombination von Print und Online.

Laut VDMA hat sich im Rollen- und Bogenmaschinengeschäft das Volumen seit 2009 mehr als halbiert und ist von 9,2 Mrd. € unter die 4-Mrd.-€-Grenze gerutscht. In der Folge ging die Manroland AG zum Jahresende 2011 in die Insolvenz und wurde zerschlagen. Dies bildet eine wichtige Zäsur, weil in der Außenwahrnehmung Digitaldruckanwendungen noch immer als „marginal“ angesehen werden.

Weniger als 20 % der weltweiten Drucksachen im Bereich „Commercial Printing“ werden heute digital gedruckt, wissen die Druckmarktspezialisten des US-Beraterhauses Smithers Pira. Das mag (noch) stimmen, doch hält der Digitaldruck insgesamt die Führung, wenn man die riesigen Märkte des Office Printing inklusive der Managed Print Services sowie das Consumer Printing einbezieht, die viel größere Umsatzvolumina als Commercial Printing bieten.

Digitaldruck macht rund 60 % der gesamten Wertschöpfung mit der Herstellung von Drucksachen in Höhe von weltweit rund 1000 Mrd. €/Jahr aus. Dieses Umsatzvolumen sorgt dafür, dass das Medium Print das attraktivste und wichtigste Innovationspotenzial für digitale Technologieentwickler bietet.

Insofern liegen weltweit die Investitionen in Digitaldruckausrüstung bei derzeit über 15 Mrd. €. Zu den Innovatoren im Drucktechnikbereich gehören im Übrigen auch Apple und Google, also zwei Ikonen des „Digital Lifeystyles“.

Apple machte im Herbst 2010 mit Apple Air-Print Inhalte von iPhone und iPad über Wifi druckbar. Google zog Anfang 2011 mit Google Cloud Print nach. Diese Techniken kommen ohne klassische Druckertreiber aus. HP, Xerox, Canon und andere haben gleichgezogen und bieten ebenfalls E-Print-Lösungen für alle WLAN-fähigen Digitaldrucksysteme an, sei es für zu Hause, fürs Büro oder die Druckerei.

Dies ist notwendig, weil immer mehr Inhalte digital vorliegen und zugleich wird durch Cloud Printing die Datenmenge, die transferiert werden muss, deutlich kleiner. Sprich: Wer PDF-Druckdateien übers Internet versendet, distribuiert um bis zu 10-fach größere Datenmengen als jemand, der E-Print-Technologien per Smart-Device oder Internet-PC nutzt.

Cloud Printing bietet die Möglichkeit, ganz neue, bisher nie dagewesene Web-to-Business-Lösungen zu schaffen. Diese nutzen das Cloud-Prinzip, um etwa im Bereich der Fotodrucksachen ganz neue Geschäftslösungen zu nutzen und zu bieten.

Die internationale Druckerei-Gruppe Elanders gehört hier zu den Vorreitern und entwickelt Web-to-Business-Lösungen für eigene Zwecke, um Fotokonsumenten direkt zu bedienen, oder im B-to-B Innovationslösungen für Marken wie Postbank, Ritter Sport und für Hersteller aus der Automobilbranche zu konzipieren und umzusetzen. Gedruckt wird bei diesen neuen Anwendungen durchgängig im Digitaldruck.

Noch nicht alles an Neuheiten wurde im Vorfeld der Drupa kommuniziert. Wichtige Aussteller wie HP haben ihre Messeangebote an Neuheiten jedoch schon im Vorfeld offengelegt. Bei HP liegt der Schwerpunkt auf zehn neuen Drucksystemen, die auf Basis des Vorhandenen enorme Optimierungsmöglichkeiten bieten. Vor allem hat man die Indigo-Baureihe um das Druckformat B2 erweitert, was im Offsetdruck dem sogenannten Halbformat 50 cm x 70 cm entspricht. Fast alle anderen Hersteller zeigen ebenfalls eine deutliche Produktivitätssteigerung und größere Variantenvielfalt bei ihren Drucksystemen. Sprich: Man setzt auf Optimierung des Bestehenden.

Den Überraschungscoup hat aber Digitaldruckpionier und Indigo-Erfinder Benny Landa parat: Nach dem Verkauf der Firma Indigo an HP im Jahr 2002 hat er mit Landa Corporation wiederum in Israel ein gänzlich neues Druckverfahren entwickelt, das Nanotechnologien nutzt. Rund 5 Mio. $ pro Jahr wurden seitdem investiert.

Auf der Drupa 2012 wird es den Startschuss geben: Landa Nanographic Printing mit Landa NanoInk als Herzstück soll den Druckprozess erneut revolutionieren, wobei Verfahrensdetails noch bis Messebeginn nicht bekannt waren.

Landa hütet dies Geheimnis äußerst geschickt. Angekündigt ist lediglich, dass die extrem feinen Pigmente der Landa NanoInk einen ultrascharfen, identischen Druckpunkt, maximale Deckkraft und das breiteste CMYK-Gammut-Farbspektrum bei Auflösungen von 600 dpi bis 1200 dpi liefern sollen.

Landa will eine Baureihe von sechs Nanographic-Druckmaschinen im Bogen- und Rollenformat vorstellen. Die Bogendruckmaschinen sind für den Akzidenz- sowie Verpackungsdruck ausgelegt und bieten die Formate B3, B2 und B1 mit einer Druckgeschwindigkeit von bis zu 11 000 Bögen/h. Die Rollendruckmaschinen decken ein Format von 53 cm bis 104 cm ab und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 200 m/min.

Landas Druckmaschinen sollen so ermöglichen, alle möglichen Anwendungen im Bereich Commercial Print, Buch- und Magazindruck, Direct Mail, Etiketten, Faltschachtel- und flexible Verpackung für Food, Pharmazeutik, Kosmetik und mehr abzudecken.

Wie wirtschaftlich und profitstark die Drupa-Neuheiten für Druckbetriebe sein können, wird sich aber noch zeigen müssen. Preiswerter wird nichts werden, die Investitionsvolumina nehmen eher zu. Viele Druckereimanager werden daher stöhnen, weil sie darauf angewiesen sind, neue, hochvolumige Druckaufträge zu ergattern, um immer leistungsstärkere Produktionsanlagen auch vernünftig auszulasten.

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