Messen 28.05.2004, 18:30 Uhr

Mehr Geschäfte für die Kunden

VDI nachrichten, Düsseldorf/Offenbach, 28. 5. 04 -Die Drupa, Welt-Leitmesse für den Druckmaschinenbau, ist letzte Woche erfreulicher zu Ende gegangen, als viele dachten. Doch die Probleme der Branche bleiben, mahnt Gerd Finkbeiner, Chef des zweitgrößten Druckmaschinenherstellers MAN Roland, im Gespräch mit den VDI nachrichten. Neue Lösungen sind gefragt.

VDI nachrichten: Herr Finkbeiner, wie beurteilen Sie den Verlauf der Branchen-Leitmesse Drupa?
Finkbeiner: Positiv.
VDI nachrichten: Über den Erwartungen?
Finkbeiner: Ja.
VDI nachrichten: Sie haben vor der Drupa auf die Euphoriebremse getreten.
Finkbeiner: Der Umstand, dass die Geschäfte besser laufen, als die Erwartungen waren, ist noch keine Antwort auf die strukturellen Probleme der Branche. Die Überkapazitäten und die laufende Konsolidierung sind mit und ohne Drupa vorhanden.
VDI nachrichten: Wie sieht zurzeit die geschäftliche Entwicklung in den einzelnen Bereichen aus?
Finkbeiner: Es gibt eine ganz massive Zurückhaltung im Zeitungsbereich. 2003 war das Geschäft über neun Monate auf null. Dieses hat sich wieder bewegt. Die Dinge liegen projekt- wie auch auftragsmäßig in einer vernünftigen Größenordnung. Nachdem das bei uns in aller Regel 60 % in der Rolle ausmacht, liegen wir auch im Rollenbereich einiges über Vorjahr. Im Illustrationsbereich ist es in etwa das Vorjahresniveau. Die Investitionen sind in diesem Bereich in etwa seit Mai letzten Jahres – auch in Deutschland und in Europa – ganz gut gewesen. Im Bogenbereich sind wir etwas über Vorjahr.
VDI nachrichten: Wie entwickelt sich der Bereich Dienstleistungen?
Finkbeiner: Das ist ein Schlüsselsegment für uns. Wir wollen den Umsatz in diesem Segment in den nächsten drei Jahren verdoppeln. Wir verstehen darunter mehr als nur ein reines Ersatzteilgeschäft oder technische Dienste. Wir bieten unseren Kunden Dienstleistungen an wie Prozessoptimierung oder Lebenszyklus-Kostenmanagement, die messbar den Erfolg der Anwender steigern.
VDI nachrichten: Wie genau wollen Sie den Kunden auf die Sprünge helfen?
Finkbeiner: Ganz wichtig: Wir wollen niemandem auf die Sprünge helfen! Dienstleistung muss im Schulterschluss zwischen Druckern bzw. Verlegern und Hersteller passieren. Es reicht nicht, eine Einzeloptimierung einer Druckmaschine zu betreiben, sondern man muss den Gesamtprozess betrachten. Das fängt ganz banal bei der Logistik des Papierlagers an: Wie wird dort mit Papier umgegangen, wie kommt es an die Maschine und was hat dieses an Einfluss auf die Performance der Druckproduktion.
VDI nachrichten: Wie wollen Sie die Geschäfte wieder in Schwung bringen?
Finkbeiner: Wir hängen in unserer Branche an der Werbekonjunktur. Das, was uns unvorbereitet getroffen hat, ist, dass drei Jahre in Folge in allen Industrieländern die Werbung zurückging. Das können Sie zunächst mal nicht beeinflussen. Beispiel Deutschland: Die Zahlen, die wir kennen, sprechen von einem Rückgang von 2000 auf 2003 in den Werbeausgaben für Printmedien von 18 Mrd. € auf 15 Mrd. €.
VDI nachrichten: Wie können Sie denn als Druckmaschinenhersteller eine Agentur bzw. deren Kunden dazu verführen, mehr Anzeigen zu schalten?
Finkbeiner: Bei uns in Europa werden Zeitungen heute von den Agenturen, von den Kunden bezahlt nach verkaufter, auditierter Auflage. Entsprechend sind die Anzeigen auch recht teuer. Das hat ja bislang funktioniert.
Wenn ich jetzt mit meinem Produkt in die Tageszeitung möchte und ich weiß genau, meine Zielgruppe wird nur von einer überschaubaren Anzahl der Exemplare, die verkauft und auditiert werden, erreicht, dann möchte ich halt nur für diese Zielgruppe bezahlen. Darauf müssen sich die Verleger einstellen und weitaus mehr differenzieren in ihrer Preisbildung. Ich glaube, die Zeitungen werden sich umorientieren und nicht, wie bisher, Farbzuschläge verlangen, sondern, wenn es nicht vierfarbig ist, einen Zuschlag verlangen.
VDI nachrichten: Stichwort Osteuropa, was erwarten Sie davon?
Finkbeiner: Nimmt man die zehn neuen EU-Miglieder, ist das als Markt noch überschaubar. Immerhin haben sich ein Reihe von US-Konzernen in Osteuropa mit Produktionsstandorten für Druckprodukte etabliert.
VDI nachrichten: Inwiefern ist Osteuropa für Sie als Produktionsstandort interessant?
Finkbeiner: Unser Thema ist: Das Geschäft läuft in den Druckereien und bei den Herstellern zu Preisen, die nicht auskömmlich sind. Das heißt, wir müssen an den Kosten etwas tun. Deswegen ist es bei uns in Deutschland nötig, sich den Kopf zu zerbrechen, die Leute wieder zu ein paar Stunden mehr Arbeit pro Woche zu bewegen.
VDI nachrichten: Ohne Lohnaufschlag?
Finkbeiner: Ja, logisch, aber es geht nicht um die Diskussion: „Arbeit ohne Lohn“. Wir wollen nichts umsonst. Wenn drei, vier, fünf Stunden mehr Arbeit geleistet werden, dann bieten wir einen Ausgleich über entsprechende Sonderzahlungen, die aber abhängig vom Geschäftsergebnis sind. Diese Diskussion müssen wir jetzt führen. Gleichzeitig müssen wir auch im Kostenmix sehen, wo wir ganz bestimmte Teile der Wertschöpfung an anderen Stellen günstiger machen.
VDI nachrichten: Was ließe sich intelligent verlagern?
Finkbeiner: Wir tragen solche Diskussion nicht über die Presse aus, sondern intern mit unseren Leuten.
VDI nachrichten: Ließe sich Entwicklung intelligent verlagern, etwa nach Indien.
Finkbeiner: Ja, klar, in diesem Fall keine Frage. Neben der Kostenfrage sind in gewissen Märkten, da gehören Indien und China dazu, die Produktanforderungen andere. Für diese Märkte müssen wir uns dann für diese angepassten Produktanforderungen durchaus lokale Wertschöpfung oder einen Teil davon überlegen. Das ist eine Mischung aus Kostengesichtspunkten und der Erschließung neuer Märkte.
VDI nachrichten: Wie sieht der Bedarf bei den Ingenieuren aus?
Finkbeiner: Der Bedarf ist im Konstruktionsbereich groß, mehr und mehr auch im Dienstleistungsbereich. Wir engagieren uns deswegen als Führungskräfte an Schulen und Universitäten und schauen, dass wir aktive junge Leute für MAN oder MAN Roland interessieren. Nicht nur immer meckern und sagen: „Wenn die von der Hochschule kommen, dann können die ja noch gar nichts“, sondern auch mitwirken daran, was man schon während des Studiums aus dem Unternehmen vermitteln kann.
VDI nachrichten: Sie suchen Ingenieure und finden keine?
Finkbeiner: Nein, wir bekommen die Leute, die wir brauchen. Der Bedarf liegt vor allem in den Bereichen Elektronik und Mechatronik.
VDI nachrichten: Was sind die Forschung- und Entwicklung-Schwerpunkte bei MAN Roland?
Finkbeiner: Sie haben eine Daueraufgabe, Stichwort Rüstzeiten: Wie bekommen sie die Maschinen von Auftrag zu Auftrag schneller umgerüstet, mit weniger Aufwand und Makulatur, eine einfachere Bedienung.
Als nächstes ist es für unsere Kunden ganz wesentlich, was man zusätzlich an Druckprodukten auf einer Maschine machen kann. Wir meinen, es ist ganz wichtig, aus der extremen Cost-per-copy-Betrachtung herauszukommen. Man muss rein in Richtung Value-per-copy. Darum kümmern wir uns in den Bereichen Forschung & Entwicklung: Wie bekomme ich inline, also in einer Druckstraße, für den Anwender mehr Geschäftsmöglichkeiten, mehr Flexibilität untergebracht.
VDI nachrichten: Wird das goutiert?
Finkbeiner: Die Resonanz auf der Drupa war fantastisch. Die Kunden suchen nach Auswegen aus der Kostenmühle!
VDI nachrichten: Wann bestellt Sie der Aufsichtsrats zum neuen Vorstandsvorsitzenden von MAN?
Finkbeiner: Da müssen Sie den Aufsichtsrat fragen. Ich bin ausgelastet.
MARTIN VOLMER/ STEPHAN W. EDER

 

  • Martin Volmer

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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