Druckmaschinenbau 09.11.2012, 19:55 Uhr

Markt für Zeitungsmaschinen erreicht 2012 Talsohle

Die Anbieter von Zeitungsdruckrotationen sind hart gebeutelt. Ihr Markt, 2006 weltweit noch über 1 Mrd. € schwer, ist wohl unwiederbringlich geschrumpft. 2011 waren es nur noch 260 Mio. €. Die Hersteller reagieren – neben Restrukturierungen – mit größerem Serviceangebot, modularen Maschinen und eigenem Automatisierungs-Know-how, das wurde letzte Woche auf der Zeitungsmesse World Publishing Expo in Frankfurt/Main deutlich.

Gulf-News

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Foto: Werkfoto

Wenn ein Markt binnen sieben Jahren auf gut ein Viertel zusammenbricht, hat das Folgen. Restrukturierung und Aufspaltung wie bei der ehemaligen MAN-Tochter manroland oder die Einbindung in eine Holding wie bei der Schweizer Wifag Maschinenfabrik. Auch der Branchenprimus, Koenig & Bauer (KBA) aus Würzburg, hat Stellen gestrichen – früher als andere.

KBA-Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann konstatierte zu Beginn der World Publishing Expo in Frankfurt auch mit Blick auf den Zeitungsdruckmaschinenmarkt: „Wir müssen lernen in einem stagnierenden Markt zu leben, wir können nicht immer nur nach Wachstum schauen.“

Die eigenen Erwartungen in eine Markterholung bei Zeitungsmaschinen hätten sich für 2012 nicht erfüllt, bekannte der KBA-Vorstandsvorsitzende, man läge nach neun Monaten deutlich unter Vorjahr. Mit gerade einmal 220 Mio. € Marktvolumen weltweit rechnet Bolza-Schünemann noch für 2012, 2006 setzte die Branche global 1,05 Mrd. € um.

Wachstum gibt es dennoch, nur nicht mehr in den althergebrachten Märkten, den Industriestaaten. „Wir haben im Markt für Zeitungsdruckmaschinen einen lokal stark geteilten Markt“, schließt Manfred Werfel, stellvertretender Geschäftsführer des Weltzeitungsverbandes WAN Ifra und Verbandsexperte für die Zeitungsherstellung, aus seinen Marktbeobachtungen.

Das sehe man, so Werfel, zum Beispiel in Nordamerika mit Blick auf die USA und Kanada. „In den USA wird fast nichts mehr investiert, dort ist das Produkt entwertet worden. In Kanada wird ganz im Gegensatz dazu bewusst in die Qualitätserhöhung des Produkts Zeitung investiert, weil die Verleger die Magazinkunden in die Zeitungen bekommen wollen und dies ist zum Teil auch gelungen“, sagt der Zeitungsexperte.

In Deutschland gibt es – im Gegenteil zu den USA – immer noch Neuinvestitionen in Zeitungsdruckmaschinen. „Hier haben die Zeitungshäuser nie aufgehört zu produzieren, auch um durch Automation die Kosten zu senken“, erklärt Werfel die Hintergründe. In Deutschland und Europa würde auch in Zusatzmaschinen investiert, um sich neue Geschäftsfelder erschließen zu können

Die Maschinenbauer passen sich an, beobachtet Werfel: „Wir sehen seit einem Jahr, dass die Hersteller nicht unbedingt auf die technisch noch besser ausgelegten Maschinen Wert legen, sondern sich Gedanken machen, was sie tun können, um dem geringeren Investitionslevel gerecht zu werden.“ Dazu gehöre ein modularer Maschinenaufbau. Der Kunde könne dabei von einem Niveau aus starten und sich später entscheiden, in welche Richtung er die Maschine entwickeln und ausbauen wolle.

Die Schweizer Wifag Maschinenbau AG aus Fribourg will mit ihrer neuen Baureihe S-Line einen anderen Weg gehen. Die Presse ist modular aufgebaut. Kompromisse solle der Kunde aber dabei keine eingehen müssen, denn die Maschinen seien vollautomatisiert. Wifag verspricht „niedrige Investitions- und Betriebskosten und hohe Funktionalität“. Und dies bei Preisen, wie CEO Jörgen Karlsson auf Nachfrage sagt, die sich 20 % bis 30 % unterhalb marktüblicher Preise bewegten, bisher habe man eher 15 % bis 20 % darüber gelegen.

Karlsson zufolge sei die Mechanik „re-designed“, um die Kostensenkung zu erreichen die Investition in eine S-Line würde sich in sieben bis zehn Jahren amortisieren – statt in 25 Jahren, wie bei den hauseigenen Maschinen der T-Line.

Mit eigenem Automatisierungs-Know-how übernehmen die Schweizer auch Upgrades von Maschinen anderer Hersteller. So will man in Zukunft auch Automatisierungsspezialisten wie ABB Marktanteile abringen. swe

 

Von Stephan W. Eder

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