Drupa 2012 11.05.2012, 11:57 Uhr

Die repetitive Musik der Druckmaschinen

Es brummt, zischt, dröhnt und wummert, wenn die Maschinen Farbe auf Papier, Stoff, Metall oder Folie bringen. Drucken ist komplex und immer ein faszinierendes Stück Ingenieurkunst. Zu sehen noch bis zum Mittwoch nächster Woche (16. Mai) in Düsseldorf auf der Messe Drupa. Zum weltgrößten Druck-, Papier- und Medientreffen kommen alle vier Jahre mehrere Hunderttausend Besucher aus aller Welt. Die Maschinenhersteller ruhen nicht und setzen trotz Branchenkrise auf Innovationen, wie ein Rundgang über die Messe zeigt.

Immer schneller wickelt die violette Maschine zwei Papierrollen an ihren gegenüberliegenden Enden ab. Auf der einen Seite schneidet ein Messer die Bahn in Briefbögen, auf der anderen stanzt ein Stempel unter rhythmischem Rattern Umschläge aus. In ihrem Herzen ordnet die Maschine je einen Bogen und einen Umschlag übereinander an. Leicht gebogene Metallstreben führen die Faltkanten des Umschlags präzise über den Bogen. Am Ende entsteht ein fertiger Brief: gefaltet, kuvertiert und persönlich adressiert. In dicken Stapeln schiebt die Maschine die Sendungen nun langsam in die Düsseldorfer Messehalle hinaus.

Einer, der die Timos – so heißt die Maschine – in- und auswendig kennt, steht mitten im Besucherpulk. Marc Fleckenstein, Managing Director bei Winkler + Dünnebier, war zwei Jahre lang Projektleiter bei der Entwicklung der Timos. Nun kann er sie zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

„Ästhetisch, mit klarer Linienführung und klarer Optik“, so beschreibt der Maschinenbauingenieur „seine“ Maschine. „Wir können den Produktfluss immer sehen, da wir oben Fenster eingesetzt haben.“ Dementsprechend voll sei der Stand dann auch gewesen, „als wir die Maschine enthüllt haben“.

Drupa 2012: In 17 Hallen dreht sich alles um Drucktechnik

Die Besucher ziehen weiter: Es gibt auf der Drupa noch viel zu sehen. In 17 Hallen dreht sich hier bis zum 16. Mai alles um Drucktechnik, Buchbinderei und Papierverarbeitung. Über allem liegt der Geruch von Papier und Tinte, klingt – mal sonor brummend, mal hektisch ratternd – die repetitive Musik der Druckmaschinen. Papier in allen Größen und Farben – wohin das Auge blickt.

Clemens Hauser sieht schon gar nicht mehr hin. Er steht seit Jahren mittendrin im Messetrubel. Und ist doch von Berufs wegen außen vor. Tritt er während des Events auf den Plan, liegt oft etwas im Argen: Der Elektroingenieur ist für die Technik der Messe Düsseldorf zuständig.

Abseits des Gedränges in den Hallen kümmert er sich um die Versorgung der Gebäude und Messestände mit Strom, Wasser, Druckluft sowie deren Klimatisierung – keine kleine Aufgabe. „Wir schalten zu Messezeiten das energetische Äquivalent zu Neuss um 12 Uhr mittags zu“, zieht Hauser Parallelen mit dem wenige Kilometer rheinaufwärts gelegenen Nachbarn.

Wie ein Schiff thront in Halle 1 des Düsseldorfer Messegeländes vor knallrotem Hintergrund eine riesig wirkende Druckmaschine, rund 26 m lang. Links ein Anleger, der die noch unbedruckten Papierbögen hortet und in die Maschine einspeist. Am rechten Ende stapeln sich in der Ausgabe die bedruckten Bögen. Wenn sie läuft, rauschen pro Sekunde fünf der 75 cm x 100 cm großen Papiere durch die Druckpresse.

Auf dem Giganten stehen entlang einer Reling Besucher. Sie nutzen die Zeit, in der die Maschine stillsteht, sich von Experten jede Einzelheit erklären lassen. Zwischen den Druckwerken laufen die Drucker wie Matrosen an Deck eines Frachtschiffs hin und her, kontrollieren die Maschine, prüfen die Druckqualität.

„Die Druckmaschinenbranche ist für mich eine der spannendsten Branchen überhaupt“, antwortet Stephan Plenz auf die Frage, warum ein Besuch der Drupa für jeden Menschen interessant ist. Der Maschinenbauer verantwortet bei Heidelberger Druckmaschinen im Vorstand das gesamte Equipment – also auch das Riesenschiff.

Druckmaschinen drucken jährlich 400 Mrd. €

Weltweit würde jedes Jahr gedrucktes Material im Wert von über 400 Mrd. € auf solchen Maschinen hergestellt, weiß Plenz. Darunter Drucksachen, Zeitungen, Werbebriefe oder eben, wie auf dieser Maschine, Verpackungen.

„Das Tolle ist: Es kommt auch noch etwas Schönes dabei heraus. Gedrucktes ist Emotion. Da macht es Spaß, als Ingenieur in solch einer Branche zu arbeiten“, ist Plenz begeistert, seine Stimme schon leicht angeschlagen.

Kein Wunder. Denn in Halle 1 ist es laut. Es wimmelt von Besuchern. Selbst von dem etwas erhöhten Standpunkt aus, an der Reling der großen Druckmaschine, fällt die Orientierung schwer. Überall Menschenansammlungen um die ausgestellten Maschinen herum. Gleichzeitig brummt, zischt, dröhnt und wummert es in Halle 1, irgendeine der Maschinen läuft nämlich immer.

Nur wenige Meter entfernt und doch scheinbar in einer anderen Welt herrscht tiefe Stille. Ein Netz an Gängen – rechtwinklig angeordnet und aufgeräumt – durchzieht die Katakomben unter dem Labyrinth der Messehallen. Das ist Hausers Terrain. Er findet jeden Lichtschalter blind und hält – scheinbar beiläufig – die Türen mit seinen polierten Lederschuhen auf.

Hier unten verlaufen die Schienen, die die Messestände mit Strom versorgen. Für jeden Messestand ein eigener Anschluss, mit Stromzähler. Den größten Anteil am Energieverbrauch der Messe haben allerdings nicht die Maschinen der Aussteller. „Die Messekunden verbrauchen maximal 20 % der Energie. Der größte Faktor ist die Kühlung. Ist es draußen kühler, verbrauchen wir weniger Energie“, erklärt Hauser und knipst beim Verlassen des Kellers das Licht aus.

Ist die Halle 1 die rote Halle, so ist Halle 9 die schwarze. Auf dem recht düsteren Stand der israelischen Firma Landa fallen sie aber dadurch umso mehr auf – die riesigen Displays der Touchscreen-Druckmaschinen. Etwa 1 m x 2 m messen die Anzeigen, die aussehen wie überdimensionale Tablet-PCs.

In Halle 9 findet man eine der Sensationen der Drupa 2012

Auch Halle 9 ist proppenvoll; die Neugier ist groß, denn hier steht ein Park futuristisch anmutender Geräte: eine der Sensationen der Drupa 2012. Drucker stehen hinter Absperrbändern vor den Maschinen, Besucher aus aller Welt löchern sie mit Fragen. Neben einem chinesischen Geschäftsmann ein Seniorchef vom indischen Subkontinent, traditionell gekleidet, französische Sprachfetzen schwirren vorbei.

„Und was passiert, wenn ein Teil kaputt ist“, kommt die Frage auf Englisch. Auf dem Display wird gerade angezeigt, ein Teil müsse ausgetauscht werden.

Die Antwort des Druckers ist in der vollen Halle kaum zu hören – aber das ist auch nicht nötig. Ein Tipp auf den Bildschirm, und er hat eine Grundskizze der Maschine in Großansicht vor sich. Mit drei Berührungen zoomt er dann in die Maschine hinein und hat das defekte Teil in riesiger 3-D-Ansicht auf dem Display.

„Und dann?“ Ein paar Klicks weiter, und die Maschine zeigt in einer Art Film in dreidimensionaler CAD-Ansicht, welches der mitgelieferten Werkzeuge man braucht, um das defekte Teil auszutauschen. Und der Werkzeugkasten, den die Maschine dabei anzeigt, sieht wirklich genauso aus wie der, der links hinter der Druckpresse etwas versteckt in der Ecke steht.

Die Maschine erzählt dem Bediener quasi via Bildschirm jederzeit, was zu tun ist. Und auch was sie macht. Wenn die Drucker die Geräte anwerfen, übertragen Videocams live, was im Inneren der Maschine vor sich geht.

Der Vater dieser Technologie, Firmenchef Benny Landa, gilt als einer der großen Visionäre der Branche. Seine drei Digitaldruckmaschinen, die er in Düsseldorf ausstellt, arbeiten anders als alles, was bisher auf dem Markt ist. Mit einer auf Nanotechnik basierten Tinte.

Und sie sehen anders aus, als die Druckmaschinen, die in den übrigen 17 Hallen der Drupa stehen. Nur kaufen kann man diese iPad-Druckpressen noch nicht, das macht der Mann mit dem silbergrauen Vollbart klar. „Wir brauchen noch etwa anderthalb Jahre.“ Denn der Chef ist anspruchsvoll. Noch, so Landa, sei er mit der Qualität der Ausdrucke nicht ganz zufrieden.

In der Schaltzentrale der Technik im Messecenter Düsseldorf stapeln sich Ausdrucke der Stromeinspeisungen an allen Messetagen seit der ersten Drupa im Jahr 2000. Hauser greift einen heraus und fährt mit dem Finger eine grüne Kurve nach – die Gesamteinspeisung am vierten Messetag bewegt sich um 20 MW. „Wir kühlen gerade überhaupt nicht“, erklärt er dazu. 2008 habe die Messe am gleichen Tag knapp über 50 MW verbraucht.

Fast ganz ohne Strom kommt aus, was Martin Schmitt-Lewen auf der Drupa zeigt. Gedruckte Elektronik beschäftigt den Entwicklungsingenieur, der in Halle 1 in einem etwas versteckt liegenden Bereich vor ein paar Vitrinen steht. „Innovation Gallery“ nennt das sein Arbeitgeber Heidelberger Druckmaschinen.

Drupa 2012: Ideen für das Verkaufsregal der Zukunft

„Wie kann denn das Verkaufsregal der Zukunft aussehen?“, fragt Schmitt-Lewen provokant. Er nimmt eine etwa DIN A4 große, transparente Folie, darauf gedruckt einige Linien, die vier große rechteckige Flächen verbinden. Flugs greift er einen Verpackungskarton, dessen Längsseite so groß ist wie eine der Flächen.

„Auf die Verpackung ist auf einer Seite auch eine elektronische Schicht gedruckt“, erklärt er, und setzt das Päckchen auf die Folie. Und jetzt? „Das Regal meldet sich, wenn eine Schachtel herausgenommen wird, das ist die Idee dahinter.“ Zeigen kann er das nicht, da muss ein Filmchen helfen. Jede der vier Flächen ist mit einer LED gekoppelt. Wird die Ware aus dem Regal genommen, leuchtet die dazugehörige LED gelb auf. Schmitt-Lewen, der bei Heidelberger die Abteilung „Technologies for Future Business“ in der Forschung leitet, ist sicher, dass Regale in Zukunft nach solchen Prinzipien arbeiten. „Es wird in Zukunft um Automatismen gehen.“.

Nur, was hat das mit der riesigen Druckmaschine zu tun, die draußen in der Halle steht? Drucken, so Schmitt-Lewens Botschaft, ist nicht auf Papier beschränkt. Drucken ist Kommunikation. Für ihn steht fest, dass zwei Welten, die man bisher als getrennt betrachtet hat, zusammenkommen: die elektronische und die Papierwelt. 

Von Iestyn Hartbrich/Stephan Eder

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