Video-Technologie 30.03.2012, 11:59 Uhr

Video-Nutzung aus der Cloud: Jederzeit und überall

Die Filmbranche steht unter Druck. Der DVD-Verkauf ist rückläufig, denn neue Onlinevermieter und Anbieter von Streaming-Services bedrohen die Umsätze und Margen. Doch noch größer ist die Gefahr von illegalen Tauschbörsen im Internet. Nur mit einfachen, preislich attraktiven und sicheren Lösungen kann dem begegnet werden. Folglich arbeiten die Hollywood-Studios fieberhaft an entsprechenden Technologien. Und nach Jahren interner Streitereien scheint man jetzt auf dem richtigen Weg.

„Wir müssen viel schneller auf den Bedarf der Konsumenten eingehen. Wir stehen heute am Scheideweg, ob wir die weitere Filmenutzung noch selbst steuern wollen oder ob sich alles über unsere Köpfe hinweg entwickelt“, sagte Jeff Bewkes jüngst auf einer Konferenz der Deutschen Bank in Palm Beach, Florida. Bewkes ist Chef des mächtigen Media-Konglomerats Time Warner, zu dem auch das Filmstudio Warner Bros. gehört. Er gilt in der Branche als besonders progressiv, was die Nutzung neuer elektronischer Medien angeht. Seine Ankündigung vor vier Jahren, keine Filme auf HD-DVD herauszubringen, bedeutete damals das Aus für dieses Format und ebnete letztlich den Weg für den einheitlichen Blu-ray-Standard.

Heute sieht sich Bewkes erneut als Streiter für eine verbesserte Mediennutzung. Diesmal geht es aber nicht um eine neue Scheibe, sondern um die Mediennutzung aus der Cloud. Time Warner ist Vorreiter des Cloud-Service „UltraViolet“, der nichts mit dem Lichtspektrum gemeinsam hat.

Time Warner ist Vorreiter des Cloud-Video-Service „UltraViolet“ („UV“)

UV, wie der Service kurz genannt wird, bedeutet, dass der Käufer eines Videos dieses in sein Cloud-Konto aufnehmen kann. Von dort aus kann er den Film dann zu jeder Zeit auf jedem Gerät abspielen – ohne dass er die DVD oder Blu-ray mit sich führen muss. Allein das Log-in reicht aus, um den zu Hause gekauften Film am Urlaubsort auf dem iPad abspielen zu können. Bis zu fünf Personen können sich ein Konto – und damit auch den Content – teilen. Das ist derzeit alles kostenlos, doch später sollen Gebühren für erweiterte Nutzungsprivilegien hinzukommen.

Für das Hinzufügen eines Films in die eigene User-Bibliothek spielt es keine Rolle, ob der Film online oder traditionell auf Disk erworben wurde. Die Disk enthält einen elektronischen Schlüssel, über den der Titel in die Bibliothek eingefügt wird, ohne dass sie hochgeladen werden muss. Beim Onlinekauf geschieht die Bibliothekserweiterung direkt im Anschluss an den Bezahlvorgang.

Telekom, Amazon und Sony als Händler am Cloud-Video-Service „UV“ beteiligt

Man kann seine Filme bei jedem beliebigen Händler erwerben, Voraussetzung ist allerdings, dass der Händler am UV-Programm beteiligt ist. Doch die großen Anbieter wie die Telekom, Amazon und Sony sind alle bereits mit an Bord. Auch die namhaften Studios machen mit. Neben Warner Bros. gehören dazu Lions-
gate, Paramount, Sony Pictures, Fox und Universal. UV wurde erst im Oktober gestartet und steckt noch in der Anfangsphase. Doch laut IHS iSuppli soll es bereits knapp 1 Mio. Nutzer-Konten geben.

Auch an bereits erworbene, ältere DVDs ist gedacht. Samsung wird in Verbindung mit Flixster und Rovi noch in diesem Jahr einen DVD-Player auf den Markt bringen, über den man die bereits erworbenen Filme hochladen kann.

Die gesamte UV-Infrastruktur wird von der Firma Neustar betrieben. Hier sind die Angebote aller beteiligten Studios in einer riesigen Bibliothek abgelegt. Das dieser Bibliothek vorgeschaltete Rechtemanagement regelt dann den Zugriff des Kunden auf „seine“ Filme. Zu diesen Zugriffsregelungen gehören auch ein eigenes proprietäres Fileformat und ein ebenfalls proprietärer Player auf dem Abspielgerät. Das bedeutet zum einen eine sehr effiziente Datenkomprimierung und zum anderen ein sehr wirksamer Schutz gegen illegales Kopieren.

Einziger technischer Nachteil: Der User muss über einen relativ schnellen Internetzugang verbunden sein – beispielsweise reichen die Mobilfunkverbindungen nicht aus. Wegen dieser Übertragungsprobleme gibt es auch kaum HD-Filme bei UV.

Hier setzt die nächste Initiative der Speicherhersteller an, die sich verständlicherweise nicht über das Ablegen in der Cloud freuen. Unter dem Namen Phenix haben sie ebenfalls unter Einbeziehung der Hollywood-Studios eine Ergänzung zu UltraViolet gestartet. Kern dieser Technologie ist ein von der Secure Content Storage Association (SCSA) ausgearbeitetes Kopier- und Speicherverfahren. Damit lassen sich aus der UltraViolet-Cloud heruntergeladene Filme und TV-Shows auf lokalen Datenträgern, wie SD-Cards oder Festplatten abspeichern und dann beliebig abspielen. „Das SCSA-Verfahren macht das Abspielen von Filmen so einfach und bequem, wie man es von der DVD oder Blu-ray-Disc gewohnt ist“, sagt Bert Hesselink, Cheftechnologe beim Plattenhersteller Western Digital.

Filmbranche befürchtet „Napsterisierung“ durch Cloud-Video-Services und ähnliche Technologien

Diese neuen Verfahren und Technologien sind dringend nötig. Andernfalls droht der Filmbranche doch noch die befürchtete „Napsterisierung“. Napster machte vor zehn Jahren Schlagzeilen, indem es einen kostenlosen Downloadservice für Musikdateien einrichtete. Mit diversen Prozessen versuchten die Musikverbände den Dienst zu stoppen. Doch erst mit Apples iTunes-Dienst ging die Popularität von Napster drastisch zurück. Zwar ist der Download bei bei iTunes kostenpflichtig, aber er ist legal und sehr anwendungsfreundlich.

Die Filmbosse kennen diese Geschichte natürlich und könnten sich ganz einfach mit Apple zusammensetzen. Das aber scheitert hautsächlich daran, dass die Musikverlage mit Apple im Streit sind. Ihrer Ansicht nach diktiert Apple ihnen zu niedrige Preise und stellt ein unzulässiges Vertriebskartell dar.  

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