Europäische Cloud 15.09.2014, 10:05 Uhr

HP und Microsoft planen Datenserver ohne Zugriff für die NSA

HP und Microsoft wollen Datenserver in Deutschland und Europa aufbauen, um Clouddienste ohne jeden Zugriff durch den US-Geheimdienst NSA anbieten zu können. Offenbar fürchten die US-Konzerne, dass sie im Cloudgeschäft sonst kaum Chancen haben gegen europäische Konkurrenten.

„Cloud 28+“ heißt das Projekt des US-Computerherstellers Hewlett-Packard. Für alle 28 EU-Staaten und mögliche weitere Mitglieder soll ein rechtlicher und technischer Rahmen entstehen, der für die Online-Datenverwaltung keine Server mehr in Übersee nutzt. Ein „gemeinsamer Datenraum“ wie der europäische Wirtschaftsraum soll das sein, sagte HP-Deutschlandchef Heiko Meyer der Nachrichtenagentur dpa. Die Internetdienste sollen in lokalen Rechenzentren nach den jeweiligen Sicherheitsanforderungen des Landes verwaltet werden, erklärte Meyer.

HP hat für diesen Plan einen Förderantrag bei der EU über das milliardenschwere Innovationsprogramm „Horizon 2020“ gestellt. Das Ziel sei, die europäische Wirtschaft zu stärken. Der Gedanke ist naheliegend: Nach einer Prognose der International Data Corporation wird das Cloud-Geschäft in den nächsten Jahren etwa fünf Mal so stark wachsen wie die IT-Branche insgesamt, im Jahr 2017 werde der weltweite Umsatz schon bei mehr als 100 Milliarden Dollar liegen.

US-Unternehmen müssen Daten herausgeben

Angesichts dieses großen Kuchens dürften die EU-Staaten einige Sympathie für die HP-Pläne aufbringen – zumal sie noch einen anderen Reiz haben: Die Daten in den Clouds würden dann nicht mehr über Server in den USA laufen, wie es heute meistens geschieht. Schon seit Beginn der NSA-Affäre hatten IT-Unternehmen wie die Telekom gefordert, dass die verwalteten Daten innerhalb Europas bleiben müssten. Denn sobald ein US-Unternehmen sie verwaltet, ist es gesetzlich verpflichtet, die Daten auch an die nationalen Geheimdienste herauszugeben.

Zwar wehrt sich die Branche gegen diesen Zwang, bislang aber ohne Erfolg. So ist Microsoft erst im Juni in New York mit einer Klage dagegen gescheitert. Das Gericht bestätigte, dass die Daten von einer US-Firma abgegeben werden müssen, selbst wenn sie auf europäischen Servern liegen. Microsoft will diesen Streit bis in die höchsten Instanzen durchfechten, aber der Ausgang ist ungewiss. Deshalb prüft der Software-Gigant nun offenbar andere Wege.

Mittelstand zweifelt an Datensicherheit

Microsoft-Deutschlandchef Christian Illek sagte jetzt dem Berliner Tagesspiegel, man spreche derzeit mit verschiedenen Anbietern über die Möglichkeit, eine Cloud allein in Deutschland zu verwalten. Ein rein deutscher Host hätte den Vorteil, dass er nicht dem amerikanischen Recht unterliege. Dies komme vor allem dem Mittelstand entgegen, der bei der Nutzung von Online-Servern noch zögerlich sei.

Nach einer Umfrage des Fachinformationsdienstes TechChannel aus dem Frühjahr will etwa die Hälfte der kleineren Unternehmen ihre Cloud-Nutzung weniger stark ausbauen als zunächst geplant. Grund dafür ist vor allem der Zweifel an der Datensicherheit. Und das nicht zu Unrecht: Die europäischen Rechenzentren beispielsweise von Microsoft liegen in Irland und den Niederlanden. Als US-Unternehmen muss Microsoft die dort verwalteten Daten eben an die NSA herausgeben.

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