Cloud-Computing 12.07.2013, 13:45 Uhr

Google ist als Business-Partner nur bedingt vertrauenswürdig

Alle US Internetprovider haben in den letzten Wochen durch die Enthüllungen über die Abhöraktivitäten der NSA an Vertrauen verloren. Doch auch das „normale“ Cloud-Computing basiert im hohen Maße auf Vertrauen und langfristige Verlässlichkeit. Und in diesem Punkt fällt Google immer weiter gegenüber der Konkurrenz zurück.

„Frühjahrsputz“ nannte Google-Chef Larry Page seine radikalen Abschaltaktivitäten, als er vor zwei Jahren den Chefsessel von Eric Schmidt übernahm. Seitdem hat er bei 39 Google-Diensten den Schalter auf Aus umgelegt – das ist weitaus mehr als jeder andere Cloud-Provider jemals an Serviceleistungen eingestellt hat. Viele der abgeschalteten Google-Dienste waren nur kurz auf dem Markt, wie Fast Flip oder One Pass; manche waren kaum ins Bewusstsein der User gedrungen, wie Jaiku und Pack. Doch viele Anwendungen genossen eine hohe Popularität, wie der Webseitengenerator iGoogle oder der Ende Juni eingestellte Google-Reader, der Meldungen gewünschter Onlinemedien unter einer Oberfläche zusammenfasste.

Bei jeder dieser Aufkündigungen haben die Anwender in vielen Blogs und Kommentaren ihrem Unmut über diese Maßnahmen freien Lauf gegeben. „Ich weiß nicht, ob ich noch jemals einer der ersten Anwender einer Google-Lösung sein werde, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass ich mich in zwei Jahren nach einer Alternative umschauen muss“, schimpfte Kolumnist Ezra Klein in der Washington Post über das Ende des Google Readers.

Googles Geschäftsmodell ist das Sammeln und Verkaufen von Nutzerdaten

Wesentlich schwerer als die Enttäuschung eines Endanwenders wiegt jedoch der Vertrauensverlust in der Welt der IT-Chefs und der Google-Business-Partner. „Vertrauen ist das wichtigste Element jeder Cloud-Lösung – und das betrifft im hohen Maße auch die Verlässlichkeit über die Kontinuität der angebotenen Dienste“, sagt Gartner-Analyst Louis Columbus. So richtete sich mindestens die Hälfte der eingestellten Google-Dienste an die Business-IT-Welt, bei denen jedes Mal viele IT-Chefs in Erklärungsnöte gekommen sind, warum sie sich ursprünglich für Google entschieden haben und wie sie sich eine Ersatzlösung vorstellen.

Google selbst stört das wenig, denn deren Geschäftsmodell ist das Sammeln und Verkaufen von Nutzerdaten – und nicht ein bestmöglicher Service für seine Anwender. Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass die Google-Angebote fast alle kostenlos sind und schon von daher keine Lieferverpflichtung besteht.

Sobald ein neuer Service nicht die erhofften Datenberge produziert, steht der Dienst auf der Kippe. Dabei ist es Google völlig gleichgültig, welche Implikationen das auf der Anwenderseite bewirkt. „Wir befinden uns in einer Phase, in der wir eine Reihe an Produkten einstellen werden, die nicht das erhoffte Anwendungsinteresse gefunden haben“, gab Googles Vice President Urs Hölzle im vorigen Jahr in einem Firmenblog unumwunden zu.

Microsoft unterwandert Googles Cloud-Angebote

Einige Marktexperten glauben jedoch, dass Larry Page mit seinen radikalen Aufräumaktionen keinem Businessmodell, sondern einer Empfehlung des verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs nachgeht. Dieser soll ihm geraten haben, sich auf maximal fünf gute Produkte zu konzentrieren. „Andernfalls verkommt deine Firma zu einem Gemischtwarenladen – so wie der von Microsoft“, soll Jobs ihm mal gesagt haben.

Doch gerade Microsoft gewinnt in der Business-Cloud kontinuierlich hinzu. Mit seinem Office 365 ist es der größte Konkurrent zu den „Google Apps for Business“. Zwar ist Microsofts Angebot teurer als die Google-Apps, doch der Preisunterschied ist irrelevant, wenn sich ein IT-Chef nicht auf die zukünftige Unterstützung der angebotenen Lösung verlassen kann. Und hier kann Microsoft punkten.

Alle Produkte wurden stets für viele Jahre gepflegt und es gab immer einen sicheren Weg, um zu einer neueren Version zu migrieren. Hinzu kommt, dass Microsoft Googles Cloud-Angebote förmlich unterwandert.

Während sich Google bei seinen Angeboten auf „Software as a Service“ beschränkt, startete Microsofts Azure-Cloud direkt als „Platform as a Service“, und mit den neuen „Windows Azure Infrastructure Services“ ist Microsoft inzwischen eine vollwertige Infrastrukturkonkurrenz zu Amazons AWS-Plattform geworden – der weltweit unangefochtenen Nummer eins beim Cloud-Computing.

Wem Office 365 zu teuer und die Google-Apps zu unsicher sind, der hat demnächst noch eine Open-Source-Alternative. So hat Open-Xchange vor wenigen Wochen „OX Documents“ vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Browser-basierte Office-Suite, die vorerst nur On-Premise verfügbar ist. Doch schon zum Jahresende wollen verschiedene Telekom-Provider die ersten Module davon als Cloud-Angebot zur Verfügung stellen. 

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