Cloud-Computing 23.05.2013, 09:15 Uhr

Die Cloud erschüttert ganze Wertschöpfungsketten

Was früher en vogue war, ist heute Schnee von gestern. Cloud-Computing verändert mittlerweile ganze Branchen. Doch der Cloud-Markt selbst entwickelt neue, flexiblere Geschäftsmodelle, meint die Experton Group. Eine Schlüsselrolle wird in Zukunft die Sicherheit der Daten spielen.

Der scheidende Telekom-Chef René Obermann bei der Vorstellung der Cloud-Computing-Lösungen der Telekom.

Der scheidende Telekom-Chef René Obermann bei der Vorstellung der Cloud-Computing-Lösungen der Telekom.

Foto: Deutsche Telekom

Nach den Daten des aktuellen Digitalindex der Initiative D21 nutzen 76,5 % der Bundesbürger regelmäßig das Internet. Bei den Berufstätigen sind es sogar 89,1 %. Die Experton Group beziffert das Transaktionsvolumen im deutschen E-Commerce auf 35 Mrd. €. Einen wachsenden Anteil daran dürfte zukünftig auch Cloud-Business haben.

Cloud erschüttert ganze Wertschöpfungsketten. „Viele externe Anwendungen verschmelzen jetzt mit den Kern-Softwarelösungen zur Unternehmenssteuerung. Funktionen, die früher etwa in Agenturen ausgelagert wurden, wandern zurück in die Unternehmen, beispielsweise Teile von Werbung und Marketing, etwa Online- oder Social-Marketing“, erklärt Carlo Velten, Senior Advisor der Experton Group. Agenturen müssen sich deshalb neu erfinden. Velten: „Sie können beispielsweise für eine Mobile-Marketing-Kampagne Infrastruktur gezielt anmieten und ihren Kunden exakt die Kosten in Rechnung stellen, die das verursacht.“

Video-Stream statt DVD-Versand

In den USA, wo sich Onlinegeschäfte schon stärker etabliert haben als hierzulande, ermöglicht die Nutzung von Cloud-Services inzwischen neue, sehr erfolgreiche Geschäftsmodelle. Von einem Beispiel berichtete Velten: „Die Onlinevideothek Netflix verdankt ihren Erfolg der Nutzung von Amazons Cloud-Infrastruktur. Der Anbieter kennt außerdem durch seine im E-Commerce gewonnenen Kundendaten den Publikumsgeschmack so genau, dass er statt Filmrechte zu kaufen kostengünstig eigene, sehr erfolgreiche digitale Serien wie ‚House of Cards‘ produziert und zum Kunden streamt, statt teuer CDs zu verschicken“, erkläuterte Velten, wie neue Geschäftsmodelle sich durchsetzen.

In den nächsten Jahren investieren vor allem Unternehmen in Cloud-Infrastruktur, die Provider sind meist schon ganz gut aufgestellt, meint Velten. Allerdings könne sich nun die Netzwerkinfrastruktur als Engpass entpuppen, wenn hier nicht kräftig investiert werde.

Bei typischen IT-Diensten wie Onlinedatenspeicher herrscht mittlerweile ein gnadenlosen Preiskampf. Die Cloud-Provider versuchen deshalb, mehr Umsatz pro Kunde zu realisieren, vor allem durch Managed Private Cloud Services. „Ein Provider verdient mit einfachen Public-Cloud-Services pro Unternehmensanwender vielleicht 2000 € bis 4000 € im Jahr, bei Managed Private Cloud können es 30 000 € bis 40 000 € sein“, berichtet Velten. 2013 flossen laut Experton 2,1 Mrd. € in Aufbau und Betrieb von Private-Cloud-Umgebungen, 2017 sollen es 7,3 Mrd. € sein.

Im Übrigen zeichne sich, so Velten, ein Zusammenwachsen der Segmente IaaS (Infrastructure as a Service) und PaaS (Platform as a Service) ab. Bei IaaS ist der Provider nur für die Hardware verantwortlich. Bei PaaS stellt er Hardware, Betriebssystem und gegebenenfalls Midldleware/Services wie virtuelle Maschinen (VM) zur Verfügung, auf die der Kunde dann seine Anwendungen legt. Anwender wollen vor allem Standards, offene Schnittstellen und Wahlfreiheit beim Betriebssystem oder beim Typ der VM, sagt Steve Janata, Senior Advisor bei Experton. Deshalb biete selbst Microsoft inzwischen Linux-VMs an.

Sicherheit ist entscheidend für den Erfolg der Cloud

Die größten Erfolgschancen haben, so Experton, Architekturmodelle, die entweder aus Kundensicht sehr einfach sind wie die VCEblocks von EMC/Cisco/VMware oder die den Kunden eine gewisse Wahlfreiheit bei gleichzeitig hohem Standardisierungsgrad bieten wie Netapp FlexPod oder EMC VSpex. „Der Aufbau monolithischer Infrastrukturen, wie sie HP, Oracle und andere anbieten, scheitert oft an den unterschiedlichen Lebenszyklen und Zuständigkeiten für die einzelnen Umgebungen“, so Janata.

Sicherheit sei letztlich entscheidend für den Erfolg des Cloud-Paradigmas. „Hier gibt es Herausforderungen bei Virtualisierung, Schlüsselmanagement und Intrusion Detection“, betont Velten. Die Schnittstellen zwischen Sicherheitsprodukten machten oft Probleme, Automatisierung der Sicherheitsprozesse sei nötig. Ganz vorn sieht Experton bei Cloud-Security Trend Micro, gefolgt von Generalisten wie IBM, Microsoft und HP. „Die meisten Sicherheitsspezialisten haben das Thema Cloud verschlafen“, sagt Velten kritisch, „und müssen jetzt aufholen.“

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