Informationstechnologie 15.02.2013, 12:06 Uhr

Cloud steht auf der Agenda kleinerer Firmen ganz oben

Während Großunternehmen vor allem die vier weltweit größten Cloud-Anbieter – Amazon, Google, Microsoft und Salesforce – wählen, ist die Situation beim Mittelstand völlig anders. Hier werden kleine und mittlere Anbieter bevorzugt, die durch gezielte Branchenlösungen oder entsprechend ausgerichtete Marktplätze dem Mittelstand Vorteile bieten können.

Moderne Technologien eröffnen auch kleineren Unternehmen ohne ausgedehnte IT-Infrastruktur die Vorteile der Cloud.

Moderne Technologien eröffnen auch kleineren Unternehmen ohne ausgedehnte IT-Infrastruktur die Vorteile der Cloud.

Foto: dpa/Epson Deutschland GmbH

Der Markt für Cloud-Computing mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wächst rasant. Laut einer von dem Softwarehaus Parallels durchgeführten Untersuchung wird der Weltmarkt bis zum Jahr 2015 auf knapp 100 Mrd. $ anwachsen. „Der Cloud-Markt für KMU wächst rund doppelt so schnell wie der restliche IT-Markt“, sagte Parallels-Chef Birger Steen.

Doch bei der Wahl des Providers vertrauen sich die kleineren Unternehmen oft anderen Anbietern an, als es bei den Großunternehmen der Fall ist. Während die vier weltweit führenden Cloud-Anbieter Amazon, Google, Microsoft und Salesforce vor allem in den großen Konzernen anzutreffen sind, kooperieren KMU lieber mit etwas kleineren Serviceanbietern wie 1&1 oder der Telekom.

„Kleine und mittlere Unternehmen haben zumeist eine branchenspezifische Software im Einsatz, die einst für eine Nutzung im eigenen Haus entwickelt wurde. Doch immer mehr der Softwareanbieter bieten diese Software jetzt als Cloud-Lösung an – verständlich, dass dieser Provider für die jeweiligen KMU erste Wahl ist“, sagt Forrester-Analyst Tim Harmon.

Weltweit beziehen bereits 27 % aller KMU ihre Branchenlösung aus der Cloud, weitere 30 % planen eine solche Nutzung innerhalb der nächsten zwölf Monate. Im vorigen Jahr umfasste der Cloud-Markt weltweit 45 Mrd. $ – das waren 11 Mrd. $ mehr als im Jahr zuvor. Europa hatte an den 45 Mrd. $ einen Anteil von 12,6 Mrd. $ (9,6 Mrd. €) und in Deutschland wurden im vorigen Jahr mit Cloud-Diensten im KMU-Segment 2,1 Mrd. $ (1,6 Mrd. €) umgesetzt.

Das steigende Cloud-Interesse bei den kleinere Unternehmen führt der Virtualisierungsanbieter Parallels darauf zurück, dass diese Form der IT-Nutzung inzwischen vom übertriebenen Hype auf ein realistisches Maß zurückgegangen ist und dass vor allem die KMU eine gute Einschätzung von dem haben, was für sie sinnvoll ist – und was nicht.

„Die Chefs kleinerer Unternehmen gehen ganz pragmatisch vor sie machen keine großen internen Machbarkeitsstudien. Sobald ihre IT-Infrastruktur neue Investitionen verlangt, kommt das Thema Cloud-Service auf den Tisch – und die Antwort ist immer häufiger zugunsten eines neuen Service aus der Wolke“, sagt Steen.

Den Trend zum Cloud-Computing bei den KMU bestätigen die auf diesen Markt spezialisierten Marktforscher von ITVoir. „KMU adaptieren ganz aggressiv die Cloud-Angebote. Hierbei geht es vor allem um die Einsparung von kapitalintensiven Investitionen, die sie viel lieber für umsatzgenerierende Projekte verwenden“, heißt es in der aktuellen Jahrestrendübersicht von ITVoir, für die weltweit 45 000 KMU befragt wurden.

Doch die Cloud-Nutzung ist nicht ohne Probleme. „Unkontrolliertes Cloud-Computing macht diese Dienste teurer und unsicherer als jede In-Haus-Lösung“, warnt Tom Powledge, zuständig für den KMU-Markt bei Symantec. Hiermit meint er vor allem das Problem der Cloud-Nutzung durch die Fachbereiche, ohne dass eine ausreichende Kontrolle durch die IT-Abteilung erfolgt. „Viele KMU sind im Bereich IT-Personal total unterbesetzt. Folglich aktivieren viele Fachbereichsleiter einen Cloud-
Account mit ihrer Kreditkarte. Das ist zwar schnell und einfach, kann aber zu erheblichen Sicherheitsrisiken beim Umgang mit sensitiven Daten führen“, warnt Powledge.

„Jede Abteilung kommt dann etwa zu einem anderen Quartalsergebnis, und es kann dauern, bis man sich auf einheitliche Werte verständigt hat“, verweist Powledge auf den Cloud-Wildwuchs, für den vor allem die KMU anfällig sind, da dort keine mächtige IT-Abteilung für Ordnung sorgt. Die mangelnde Datenstruktur bedeutet auch Probleme bei der Datensicherung. „Erfahrungsgemäß werden bei solchem Wildwuchs viele Daten mehrfach gesichert und andere gar nicht oder zu selten“, so Powledges Erfahrungen.

Interessant ist die Frage, was die KMU bereits in der Cloud nutzen und was sie demnächst einsetzen wollen. Laut Pa-
rallels hat durchschnittlich jedes kleine oder mittlere Unternehmen im Jahr 2009 nur 1,1 Cloud-Dienste genutzt – also praktisch nur E-Mail-Dienste bzw. das Webhosting. Doch im vorigen Jahr wurden durchschnittlich bereits vier Dienste pro Unternehmen genutzt und von da an sollen es bis 2015 sieben Serviceleistungen werden.

Bei den anwendungsbezogenen Umsätzen ist in Deutschland und Europa „Infrastruktur als Service“ (IaaS) auf Platz eins – was vor allem auf eine intensive Nutzung von Cloud-Speicherdiensten zurückzuführen ist. Knapp dahinter liegen Business-Anwendungen. „Kundenbeziehungsmanagement (CRM) wird bei den KMU immer häufiger aus der Cloud genutzt, und es stellt die Ausgangsbasis für die Nutzung weiterer Cloud-Dienste dar“, so ITVoir.

Die naheliegende Erweiterung zu CRM sind die modernen Kommunikationsmittel: Videokonferenzen, Dokumenten-Sharing und Social Media. Hier erwarten die Marktforscher die größten Zuwachsraten. In Europa soll dieser Umsatz von 0,9 Mrd. € im vorigen Jahr auf 3,5 Mrd. € im Jahr 2015 anwachsen – fast eine Vervierfachung. HARALD WEISS

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