Cebit 2016 11.03.2016, 08:15 Uhr

Clausthaler Ingenieure steuern Maschinen mit Cyberhandschuh

Wie lassen sich Maschinen im Industrie-4.0-Zeitalter steuern? Beispielsweise mit dem Cyberglove aus Clausthal. Er besitzt Nerven aus Glas, mit denen sich Bewegungsabläufe digitalisieren lassen. Zu sehen ist er auf der CeBit 2016 in Hannover. Dort zeigen Informatiker auch eine neue App, die Datenspione enttarnt. 

Cyberglove mit einem Nerv aus Glas: Erstmals ist die 3D-Formerkennung mit einer einzelnen optischen Faser möglich. 

Cyberglove mit einem Nerv aus Glas: Erstmals ist die 3D-Formerkennung mit einer einzelnen optischen Faser möglich. 

Foto: IEPT

Der Mensch bewegt seine Hand in der Luft, eine Roboterhand führt den gleichen Bewegungsablauf in Echtzeit durch. An dieser Vision tüfteln Ingenieure vom Institut für Energieforschung und Physikalische Technologien der TU Clausthal. Auf der weltgrößten Computermesse CeBit 2016, die vom 14. bis 18. März in Hannover stattfindet, zeigen sie Resultate: Nerven aus Glas.

Cyberglove: Nerven aus Glas sind nur 0,125 mm dick

Beim Nerv aus Glas handelt es sich um eine optische Faser mit einem Durchmesser von lediglich 0,125 mm. Sie ist in einen Handschuh, den sogenannten Cyberglove, integriert, erfasst dreidimensionale Bewegungsabläufe und schickt sie als Steuerungsdaten an Roboter oder Antriebselemente. Bislang war diese 3D-Formerkennung mit einer Einzelfaser nicht möglich, sondern nur mit drei einzelnen oder komplexen Multikern-Glasfasern. Die Nerven aus Glas haben eine geringere Masse und sind flexibler, sodass die Forscher eine Vielzahl „völlig neuartiger Anwendungen“ in Aussicht stellen – ohne dabei konkreter zu werden.

Smartphone-App entlarvt Datenspione auf Android-Geräten

Auch Informatiker der Universität des Saarlandes sind auf der CeBit. Mit im Gepäck haben sie TaintArtist, eine App für Android-Smartphones. Mit ihrer Hilfe können Anwender prüfen, ob verdächtige Apps tatsächlich bösartig sind. „Wenn eine App sagt, welche Daten sie gerne haben würde, dann weiß ich immer noch nicht, was sie damit tut“, sagt Forscher Oliver Schranz.

Oliver Schranz bei der Arbeit: Der Informatiker hat eine App entwickelt, die Datenspione enttarnt. 

Oliver Schranz bei der Arbeit: Der Informatiker hat eine App entwickelt, die Datenspione enttarnt. 

Foto: Oliver Dietze/Universität des Saarlandes

Und tatsächlich spionieren mehr als 88 % der für den Einsatz in Unternehmen geschriebenen Android-Apps in irgendeiner Form Daten aus, glaubt man einer aktuellen Untersuchung der US-amerikanischen Sicherheitsfirma Appthority.

App könnte Datenspionage in Unternehmen unterbinden

TaintArtist basiert auf der Methode des sogenannten Taint Tracking. Greift eine App auf für die Privatsphäre wichtige Informationen zu, kommt es zu einer Markierung – ähnlich wie bei einer Farbpulver-Explosion zwischen Geldscheinbündeln nach einem Bankraub. „So können wir auf präzise Weise nachverfolgen, wie die Informationsflüsse in einer verdächtigen App verlaufen“, erklärt Schranz. Im Fall eines Missbrauchs schlägt die App dann Alarm.

Schranz ist überzeugt, dass sich die App besonders gut für Unternehmen eigne. „Wenn Angestellte dort ihre eigenen Geräte verwenden, kann das Unternehmen mit unserer App sicherstellen, dass bestimmte Daten das Gerät nicht verlassen.“ Unklar ist bislang aber, ob die App tatsächlich zu einem kommerziellen Produkt wird. 

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