21.11.2003, 18:27 Uhr

„Wir werdenunser Portfolio gezielt stärken“

VDI nachrichten – Für die Chemiebranche scheint die konjunkturelle Talsohle durchschritten. Dennoch bleibt der Ausblick von BASF-Chef Jürgen Hambrecht verhalten. Noch arbeitet der Chemieriese aus Ludwigshafen vor allem daran, die Kosten zu senken.

VDI nachrichten: Herr Dr.Hambrecht, das Ergebnis im dritten Quartal war recht enttäuschend, auch Ihr Ausblick ist nicht sehr optimistisch.Woran krankt das Geschäft der BASF derzeit?

Jürgen Hambrecht: Es ist falsch, immer nur auf ein Quartal zu schauen.Denn zum einen ist das Geschäft der BASF in den ersten neun Monaten gewachsen, zum anderen sind unsere Ergebnisse etwa auf dem gleichen Niveau wie letztes Jahr.Vor allem aber haben wir unseren Cashflow, unsere finanzielle Stärke, deutlich erhöht und damit die Flexibilität für unser Geschäft signifikant verstärkt.

VDI nachrichten: Dennoch sind Sie ja nicht ganz zufrieden mit der Entwicklung.Was ist denn nötig, um im kommenden Jahr das Ergebnis verbessern zu können?

Hambrecht: Wir sehen uns schon seit einiger Zeit unsere Kostenstrukturen genau an und verbessern unsere Prozesse und unsere Strukturen.Zum Beispiel haben wir in Ludwigshafen ein Programm aufgesetzt, das die Wettbewerbsfähigkeit dieses Standortes verbessern soll.In Summe werden wir 450 Mio. @ einsparen.Ein ähnliches Programm haben wir für Nafta, für Nordamerika, Kanada und Mexiko also, aufgelegt.Speziell in den USA sind wir nicht zufrieden mit dem Ergebnis.Wir haben ein zweistufiges Programm aufgesetzt, das uns in diesem Fall 250 Mio. $ Einsparungen bringen soll.

VDI nachrichten: Was ist denn bei der Restrukturierung in Europa und Nordamerika noch zu erwarten an Aufwendungen, die Sie tatsächlich leisten müssen?

Hambrecht: Alle Programme, die zu Kosteneinsparungen führen, haben auch einen bestimmten Aufwand.Beim Standortprojekt Ludwigshafen erreicht das etwa eine Größenordnung von 200 Mio. @.In Nordamerika fahren wir ein zweistufiges Programm, dort werden wir in der ersten Stufe Einsparungen von etwa 100 Mio. $ haben.Dem stehen Kosten in der Größenordnung von etwa 55 Mio. $ gegenüber.Hier geht es darum, Servicefunktionen zu optimieren das betrifft also beispielsweise die Ingenieurtechnik, Logistik, IT, Personal, Finanzen, Recht und Steuern.Die zweite Phase führt dann zu einer Veränderung der Produktionsstrukturen und des Produktportfolios.Für 150 Mio. $ Einsparungen an fixen Kosten müssen wir ungefähr den gleichen Betrag an Einmal-Kosten aufwenden.

VDI nachrichten: Ein Problem für Sie ist im Moment auch der hohe Euro-Kurs, bei Öl und Gas etwa, weil Sie ja in diesem Geschäft in Dollar fakturieren.Wie versuchen Sie diese Wechselkurs-auswirkungen einzudämmen?

Hambrecht: Hier kann man eigentlich nur eines sinnvoll tun, und das gilt auch langfristig, nämlich in den jeweiligen Regionen zu produzieren, um damit von den unterschiedlichen Währungen relativ unabhängig zu werden.Auch dann haben wir immer noch Translationseffekte, weil die BASF in Euro abrechnet.Darüber hinaus kann man Währungen bis zu einem gewissen Grad hedgen.

Das Primäre aber ist der Aufbau von Produktions- und Vermarktungsstrukturen in den unterschiedlichen Regionen.So bauen wir in Asien große Verbundstandorte für die BASF auf.Mit der Produktion vor Ort machen wir uns unabhängiger von Wechselkursrisiken.

VDI nachrichten: Das bedeutet wahrscheinlich, dass Sie in Asien Personal benötigen.Wie aber sieht es in Europa aus, worauf müssen sich die Mitarbeiter hier einstellen?

Hambrecht: Wir verbessern unsere Prozesse und steigern dadurch die Produktivität.Die Folge ist, dass es zumindest in Europa und der Nafta-Region weniger Arbeitsplätze geben wird.In Asien bauen wir zusätzliche Kapazitäten auf und schaffen damit auch neue Arbeitsplätze.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt der in Deutschland beklagte Mangel an Fachkräften für die BASF?

Hambrecht: Ich glaube, wir sollten beim Fachkräftemangel nicht auf heute schauen, sondern auf morgen und übermorgen.Da zeigt sich eine Besorgnis erregende Entwicklung.Immer weniger junge Menschen haben Interesse an den Naturwissenschaften.Wir müssen deshalb die Attraktivität dieser Studienfächer deutlich erhöhen.

Andererseits ist die BASF ein globales Unternehmen, und wir rekrutieren global.Aus diesem Grunde ist Fachkräftemangel für uns ein im Wesentlichen auf Europa begrenztes Problem.

VDI nachrichten: Auf welche Sparten Ihres Geschäfts setzen Sie in der Zukunft vor allem?

Hambrecht: Wir werden auf alle Geschäftsaktivitäten ähnlich stark setzen.Wir werden unser Öl- und Gasgeschäft ausbauen, durch Akquisitionen, wie wir sie zum Beispiel in der Nordsee getätigt haben, aber auch durch die Kooperation mit der Gazprom in Russland.Wir werden unsere Chemieaktivitäten in den asiatischen Wachstumsmärkten ausbauen.Gleichzeitig optimieren wir unsere Produktionsstrukturen in Europa.Wir werden neue und bessere Verfahren und Technologien anwenden.Wo es notwendig ist, werden wir auch Kapazitäten erhöhen.

Und auch das Segment Pflanzenschutz und Ernährung wird erweitert.Dieses Jahr haben wir zum Beispiel von der Firma Bayer das Insektizidgeschäft akquiriert, das gut zu uns passt und Synergien ermöglicht hat.

VDI nachrichten: Stichwort Bayer: Können Sie sich angesichts der Restrukturierung bei Ihrem Wettbewerber vorstellen, dass Sie den ein oder anderen Bereich von Bayer übernehmen könnten?

Hambrecht: Die BASF hat eine klare Strategie: Wir werden unser Portfolio gezielt und fokussiert stärken, Mega-Akquisitionen werden wir nicht tätigen.

VDI nachrichten: Hat die Yukos-Affäre Sie eigentlich beunruhigt, was Ihr eigenes Öl- und Gasgeschäft betrifft?Denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Russland sind doch relativ unsicher geworden.

Hambrecht: Russland hat ein starkes Wachstum und ich sehe dieses Wachstum auch in den nächsten Jahren.Es gibt keinen Grund, in dieser Hinsicht beunruhigt zu sein.Das ganze Thema Yukos ist ein politisches Thema, das für uns im Westen nicht ganz transparent ist.Für die BASF und ihre Kooperation mit Gazprom hat es keine Auswirkungen.BRIGITTE SCHOLTES.

BASF-Konzern kauft eigene Aktien zurück
Die Ludwigshafener BASF nennt sich selbst das »führende Chemieunternehmen der Welt«.Im vergangenen Jahr setzte der Konzern mit mehr als 89 000 Beschäftigten (Ende September waren es 88 045) weltweit etwa 32 Mrd. ! um und erzielte einen operativen Gewinn vor Sondereinflüssen von 2,9 Mrd. !.Gut die Hälfte des Umsatzes erreicht BASF mit Kunststoffen und Veredlungsprodukten, danach folgen Chemikalien, Pflanzenschutz und Ernährung und schließlich Öl und Gas.Das kleinste Geschäftsfeld erzielt jedoch derzeit den höchsten Ergebnisbeitrag, in den ersten neun Monaten waren das etwa 45 %.Zwar hat BASF in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres mit knapp 1,8 Mrd. ! gut 15 % weniger operativen Gewinn (vor Sondereinflüssen) erzielt, doch der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit ist um 75 % auf 3,6 Mrd. ! gestiegen.Auch wenn sich der Aktienkurs in diesem Jahr besser entwickelt hat als der Euro Stoxx 50, will BASF zur Kurspflege weiter Aktien zurückkaufen.Dabei hat es bisher schon Anteile im Wert von 400 Mio. ! zurückgekauft, bis Jahresende sollen es insgesamt 500 Mio. ! werden.Und im kommenden Jahr soll das Programm fortgesetzt werden, sagte BASF-Chef Jürgen Hambrecht bei der Vorstellung der Herbstbilanz in London.

Von Brigitte Scholtes

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