Chemie 13.04.2007, 19:27 Uhr

Weniger Sand im Getriebe als befürchtet  

VDI nachrichten, München, 13. 4. 07, swe – Ohne Schmierstoffe läuft keine Anlage. Sie sind überall zwischen Rad und Ritzel, Kugel und Lagerschale, Kolben und Zylinder. Schmierstoffe sind als chemische Mischungen aber von der künftigen EU-Chemikalienverordnung Reach betroffen. Ein Schmierstoffhersteller hat sich intensiv darauf vorbereitet – und ist sich sicher, trotz Reach sein Produktportfolio halten zu können.

„Obwohl wir überwiegend Rohstoffe verarbeiten, haben wir selber einige neue Chemikalien hergestellt“, erklärte Kuppe. Darunter befinden sich Verdicker. Das sind spezielle Substanzen, mit denen die Firma Schmierfette für besondere Anwendungen entwickeln konnte.

Die „Chemiefirma“ Klüber hat die Verdicker unter dem jetzt noch gültigen, alten Chemikalienrecht als „Neustoff“ angemeldet. Das habe zwei Vorteile, meinte Kuppe: Diese Stoffe werden zum einen direkt und ohne weitere Prüfungen in Reach übernommen. Zum anderen seien diese Anmeldungen zwar aufwendig gewesen, „wir haben dabei aber ein Know-how erworben, das uns jetzt zugutekommt“.

Dies Wissen im Anmelden und Testen von Chemikalien konzentriert sich in der Abteilung Material Compliance Management (MCM), wo seit Jahren chemikalienrechtliche Rohstoff- und Produktchecks durchgeführt werden. „Unser Alltagsgeschäft ist es, zu prüfen, ob die eingekauften Rohstoffe und die eigenen Rezepturen weltweit die Gesetze und Standards einhalten“, erläuterte Abteilungsleiterin Luciana Husfeld. Ihre Abteilung hat seit Reach noch zwei neue Aufgaben. So prüfen die MCM-Fachleute zurzeit alle Rezepturen darauf, ob sie Chemikalien enthalten, die unter die neuen Zulassungsregel fallen könnten. Dazu zählen Stoffe, die sich in der Natur anreichern, die Krebs auslösen, das Erbgut schädigen oder die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

„Auf solche Stoffe wollen wir möglichst komplett verzichten“, so Kuppe. Bereits heute verkauft das Unternehmen nur sehr wenige Schmierstoffe mit Substanzen, die solche Eigenschaften haben.

Außerdem arbeiten die MCM-Experten in einem Konsortium, zu dem sich rund 40 europäische Hersteller von Verdickern zusammengetan haben. Es geht hier jedoch nicht um neu entwickelte Chemikalien, sondern um Verdicker, die schon seit mehr als 26 Jahren auf dem Markt sind.

Die Rede ist von den so genannten Altstoffen, die jetzt unter Reach auf Herz und Nieren geprüft werden. In diesem Konsortium, das der Europäische Verband der Schmierstoffhersteller (ELGI) koordiniert, beraten die Firmen über eine Teststrategie. Das Ziel: Sie wollen diese Substanzen gemeinsam bei der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki anmelden und dabei Kosten sparen, indem sie eventuell notwendige Tests nicht unnötigerweise mehrfach ausführen.

Das wichtigste ist für Klüber die Versorgungssicherheit. Schmierstoffe bestehen nämlich aus vielen Chemikalien, von denen jede einzelne eine Bedeutung hat. Und die Befürchtung ist, dass unter Reach einige dieser Stoffe nicht mehr erhältlich sein könnten.

Der Grund für die Bedenken bei Klüber: Chemikalien zu registrieren und zu testen, kostet Geld. Es kann daher sein, dass sich Chemikalienhersteller entscheiden, diesen oder jenen Stoff nicht mehr herzustellen. Um sich zu vergewissern, dass die Rohstoffe für die Schmierstoffe weiterhin lieferbar sein werden, führt die Firma Klüber weltweit Gespräche mit ihren Lieferanten.

„Wir glauben, dass fast keine der bei uns eingesetzten Rohstoffe aufgrund von Reach wegfallen werden“, erklärte Kuppe zuversichtlich. Und sollte doch vielleicht eine Substanz wegfallen, gebe es bereits Alternativen in den Schubladen, ergänzte der Geschäftsführer.

Klübers Schmierstoffportfolio werde sich durch Reach nicht verändern. „Die wichtigsten Treiber für Neuentwicklungen sind weiterhin der technische Fortschritt und veränderte Kundenwünsche“, so Kuppe.

Die Fülle an Spezialschmierstoffen scheint durch Reach nicht in Gefahr zu sein. Es kann sogar das Gegenteil eintreten. Denn die neue EU-Chemikalienverordnung hilft auch neue Entwicklungen voranzubringen.

Nach geltendem Chemikalienrecht muss eine Firma, die von einem neuen Stoff mehr als 10 kg jährlich herstellt, diese Substanz anmelden. Mit Reach gilt diese Pflicht erst ab 1 t, also der 100fachen Menge.

„Das erleichtert es, neue Chemikalien zu testen und die richtige Substanzen auszuwählen“, erklärte Husfeld. Und Werner Kuppe ergänzte, dass die Firma diese Chance auf Innovation sicher nutzen werde. Räder und Läger werden also weiterhin wie geschmiert laufen. RALPH AHRENS

  • Ralph H. Ahrens

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