Chemie 24.09.2004, 18:33 Uhr

Viele gefährliche Stoffe passieren Kläranlagen ungehindert

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 9. 04 -Industriechemikalien und Flammschutzmittel, Pestizide und Arzneimittelrückstände und Hormone – auch in nordrhein-westfälischen Kläranlagen findet sich ein wahrer Chemiecocktail. Viele dieser Stoffe können aber nicht aus dem Wasser gefiltert werden, obwohl die Kläranlagen in dem Bundesland zu den modernsten in Europa gehören.

Die NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn erklärt es so: „Dank modernster Analysemethoden konnten wir auch kleinste Mengen der Stoffe im Wasser nachweisen. Da diese zum Teil giftigen Substanzen aufgrund ihrer Molekülstruktur mit den bestehenden technischen Möglichkeiten nicht aus dem Wasser gefiltert werden können, passieren sie die Kläranlage ungehindert und gelangen so in die Gewässer und damit unter Umständen sogar in unser Trinkwasser.“
Dies sei das Ergebnis einer Studie unter dem Titel „Untersuchung zum Eintrag und zur Elimination von gefährlichen Stoffen in kommunale Kläranlagen“, sagt Ministerin Höhn, für die im Auftrag des Umweltministeriums von der Universität Dortmund erstmals mehr als 70 Einzelstoffe auf ihr Abbauverhalten untersucht worden seien.
„Mit der Studie haben wir nun zum ersten Mal einen sehr ausführlichen Überblick darüber, bei welchen problematischen Stoffen wir von welcher Konzentration ausgehen müssen. Viele Stoffe haben wir durch verbesserte analytische Methoden nun zum ersten Mal überhaupt nachweisen können“, so Höhn. Diese ökologisch-toxikologische Untersuchung sei bisher einzigartig in Europa. Sie biete die Basis für weitere Studien, die nach Möglichkeiten suchen werden, wie diese Stoffe in Zukunft minimiert oder eliminiert werden können. Die Ministerin will dabei auch auf die Membrantechnologie setzen.
Nordrhein-Westfalen ist nach Einschätzung des Landesumweltministeriums in diesem Technologiefeld weltweit führend. So sei die größte kommunale Membrankläranlage der Welt in diesem Sommer in Kaarst bei Düsseldorf in Betrieb gegangen, und in Bergkamen bei Dortmund werde das Abwasser des Chemieunternehmens Schering seit dem Sommer durch die bisher größte industrielle Membrankläranlage gereinigt. Rein technisch ermögliche es die Membrantechnologie, durch feinporige Filter einen großen Teil der problematischen Giftstoffe aufzufangen. Die praktische und großflächige Umsetzung dieser Möglichkeit wurde bisher aber noch nicht getestet. Die Membrantechnik sei heute bereits für viele Bereiche eine erprobte Alternative zu klassischen Verfahren in der kommunalen und industriellen Abwasserreinigung und könne zur Reduzierung der Kosten und Minderung von Umweltbelastungen beitragen.
„Als Konsequenz aus unserer Studie werden wir nun im Anschluss zwei weitere Untersuchungsvorgaben starten. So soll zum einen nach Möglichkeiten gesucht werden, wie die giftigen Stoffe in den Kläranlagen herausgefiltert werden können, und mit welchem finanziellen Aufwand dabei zu rechnen ist. Eine Möglichkeit ist die Membrantechnologie, wir untersuchen aber auch weitere Verfahren“, erklärt NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn. In einer weiteren Studie solle geprüft werden, in welchen Konzentrationen die gefundenen Stoffe in der Umwelt vorkommen und welche Auswirkungen sie auf Mensch und Umwelt haben. Auf Initiative von Nordrhein-Westfalen werde sich noch in diesem Jahr eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit dieser Thematik auseinander setzen.
Viele der gefundenen toxischen Stoffe wie Industriechemikalien und Schwermetalle werden von Industrie- und Gewerbebetrieben in die Kanalisation eingeleitet. Kommunale Kläranlagen sind aber für die Behandlung von häuslichem Abwasser ausgerichtet. Auf biologischem Wege entfernen sie Eiweiß, Fett und Kohlehydrate sowie die wichtigen Pflanzennährstoffe Kohlenstoff, Phosphor und Stickstoff aus dem Wasser. Doch auch die Haushalte selber belasten die Gewässer durch Haushaltschemikalien und Medikamente, immer öfter aber auch durch große Mengen von Rückständen so genannter Personal Care-Produkte wie Shampoos und Cremes.
Eine Verbesserung dieser Gewässersituation ist nötig, weil die EU-Wasserrahmenrichtlinie erstmals europaweit verbindliche Qualitätskriterien definiert und bis zum Jahr 2015 einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer erreichen will. Das vielleicht ehrgeizigste Ziel auf diesem Weg stellt das „phasing out“ von gefährlichen Stoffen dar. Dabei geht es darum, jegliche Einleitung von gefährlichen Stoffen, die aufgrund ihrer Anreicherungsfähigkeit häufig auch noch das Meer schädigen, zu unterbinden.mu/wip

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