Chemie 19.11.2004, 18:34 Uhr

Sorge um grüne Biotechnologie in Deutschland

VDI nachrichten – 20 % Umsatzwachstum im dritten Quartal, satte schwarze Zahlen – die 9-Monatsbilanz des Chemiekonzerns BASF kann sich sehen lassen. Die Gründe dafür sieht Finanzvorstand Kurt Bock darin, dass die Maßnahmen zur Kostensenkung jetzt greifen. Mit Sorge indes sieht Bock, wie sich die Rahmenbedingungen für die grüne Biotechologie in Deutschland verschlechtern. „Das könnte die Verlagerung von Forschung ins Ausland zur Folge haben“, sagt der BASF-Vorstand im folgenden Interview.

VDI nachrichten: Herr Bock, die BASF wächst stärker als der Markt. Was macht Ihr Unternehmen anders als andere Chemieunternehmen?
Kurt Bock: BASF ist dieses Jahr insgesamt recht erfolgreich gewesen, wir haben den Umsatz im dritten Quartal um 20 % steigern können, wir haben das Ergebnis mehr als verdoppelt – das sind ausgesprochen erfreuliche Zahlen. Das liegt auch daran, dass wir uns sehr stark mit dem Thema „Wie können wir unsere Kunden noch erfolgreicher machen?“ auseinander gesetzt haben, also eine sehr aktive Marketing- und Vertriebsstrategie umsetzen.

VDI nachrichten: Welchen Einfluss hat der stark gestiegene Ölpreis auf Ihr Unternehmen?
Bock: Wir haben den strategischen Vorteil, dass wir mit unserer Gruppengesellschaft Wintershall im Öl- und Gasgeschäft sehr erfolgreich tätig sind. Dabei hat uns natürlich der Ölpreis in den letzten neun Monaten geholfen, wobei wir gleichzeitig auch die Produktion in diesem Geschäft ausgeweitet haben.

Die Kehrseite der Medaille ist der Anstieg der Rohstoffkosten. In diesem Jahr mussten wir bereits über 1 Mrd. € höhere Rohstoffkosten verkraften. Jedoch konnten wir diese zum ersten Mal in einem gewissen Umfang durch Preiserhöhungen weitergeben.

Rund die Hälfte dessen, was wir an Rohstoffbezügen haben, wird durch Erträge aus unserer eigenen Öl- und Gasproduktion abgedeckt. Insgesamt bietet uns dieser strategische Hedge Vorteile im Vergleich zu anderen Chemieunternehmen.

VDI nachrichten: Wie beeinflusst der schwache Dollar Ihr Geschäft?
Bock: Wir haben den Vorteil, dass wir an wichtigen regionalen Weltmärkten einen hohen lokalen Produktionsanteil haben. Generell haben wir den Dollar-Verfall in den letzten zwei bis drei Jahren gut überstanden, wahrscheinlich auch besser überstanden, als viele Beobachter anfangs erwartet hatten. Beim Ausblick für den Dollar sind wir weiterhin verhalten skeptisch, das heißt, wir rechnen nicht damit, dass der Dollar stärker wird. Wir gehen eher davon aus, dass es eine weitere leichte Abschwächung geben könnte.

VDI nachrichten: BASF hat in den vergangenen Jahren restrukturiert. Trotz der Erfolge wollen Sie diese Bemühungen fortsetzen. Wie lange noch?
Bock: Wir dürfen uns hier nicht ausruhen. Wir brauchen jedes Jahr eine weitere Verbesserung der Produktivität und das heißt, es gibt eine ganze Reihe von Programmen, sowohl hier in Ludwigshafen als auch an anderen Standorten, die darauf zielen, die Effizienz deutlich zu erhöhen.

VDI nachrichten: Was dürfen Ihre Aktionäre von der Dividende erwarten?
Bock: Wir haben für letztes Jahr die Dividende bei 1,40 € je Aktie belassen. Wir haben dieses Jahr eine deutliche Ergebnisverbesserung. Es ist sicher zu früh zu spekulieren, wie die Dividende für 2004 aussehen wird, aber man kann wohl davon ausgehen, dass wir unsere Aktionäre angemessen an der erfolgreichen Entwicklung der BASF teilhaben lassen.

VDI nachrichten: Regional hat China seit Jahren eine große Bedeutung für BASF. Nun schwächt sich das Wachstum dort ab. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Bock: Wir gehen davon aus, dass China auch in den folgenden Jahren ein deutlich über dem Weltdurchschnitt liegendes Wachstum erzielen wird. Das werden vielleicht nicht mehr 8 % bis 10 % sein, das können auch 6 % bis 8 % sein. Wir erachten aber ein „soft landing“-Szenario für realistisch. Unter diesen Bedingungen gehen wir davon aus, dass wir mit unseren neuen Produktionsanlagen in Nanjing, aber auch in Shanghai auf einen Markt treffen werden, der aufnahmefähig ist. Wir sehen heute bereits gute Aussichten, diese neuen Anlagen, die im Jahr 2005 in Betrieb gehen werden, von Beginn an gut auszulasten.

VDI nachrichten: Sorgenkind war in den vergangenen Jahren Nordamerika…
Bock: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren in Nordamerika ein Restrukturierungsprogramm realisiert, das zum einen zu einer deutlichen Kostensenkung geführt hat. Zum anderen hat es auch die Geschäftsstruktur unseres Portfolios verbessert. Wir sehen dieses Jahr bereits die Erfolge. Wir liegen jetzt mit mehreren hundert Millionen Euro Ertrag deutlich über dem Vorjahreswert in Nordamerika. Das ist aber immer noch nicht ausreichend. Wir werden unsere Bemühungen zur Produktivitätsverbesserung fortsetzen. Ich bin aber sehr zuversichtlich, vor allem, wenn in Nordamerika der konjunkturelle Rückenwind, den wir dieses Jahr hatten, im Jahr 2005 anhält.

VDI nachrichten: Sie verfügen im Moment über einen sehr hohen Cashflow. Wie werden Sie den Mittelzufluss einsetzen? Welche Akquisitionspläne haben Sie?
Bock: Der Cashflow steht natürlich in erster Linie für Investitionen zur Verfügung, um das profitable Wachstum der BASF-Gruppe weiter zu ermöglichen. Akquisitionen sind ein Teil dieser Strategie. Wir haben im letzten Jahr rund 1,3 Mrd. € für Akquisitionen ausgegeben. In diesem Jahr liegt der Wert darunter. Wir haben auch einige kleinere Geschäfte devestiert. Wir schauen über die gesamte Breite unseres Geschäftes in allen fünf Segmenten – Chemikalien, Kunststoffe, Veredelungsprodukte, Öl und Gas, Pflanzenschutz und Ernährung – nach Wachstumsmöglichkeiten, aber wir machen das in einer sehr systematischen Art. Wir haben kein Interesse, über Wert zu bezahlen und sind sehr konservativ in der Bewertung der möglichen Akquisitionsziele. Manchmal ist es gut, etwas nicht zu tun.

VDI nachrichten: Innovationen sind für den Standort Deutschland besonders wichtig. Verfügen wir dazu in Deutschland über genügend Fachkräfte, Ingenieure, Chemiker?
Bock: Das gelingt natürlich nur, wenn wir erstens über die entsprechenden qualifizierten Wissenschaftler und zweitens über engagierte Mitarbeiter verfügen, um die Hochtechnologieprodukte der Chemie produzieren und vertreiben zu können.
Die Innovationsrate der BASF ist ausgesprochen hoch. Wir sind Führer bei den Patenten, wir bringen immer wieder innovative Produkte auf den Markt, die neues Wachstum generieren.
Es gibt allerdings ein Gebiet in Deutschland, auf dem wir wirklich Sorgen haben. Das ist die grüne Biotechnologie, die für uns eine Zukunftsbranche ist, in der wir sehr stark tätig sind. Wir haben fast 1000 Mitarbeiter weltweit auf diesem sehr forschungsintensiven Gebiet eingesetzt. Und hier zeichnet sich derzeit in Deutschland eine Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen ab, die uns das Leben deutlich erschweren würde. Sie könnte dazu führen, dass mehr Forschungsaktivitäten außerhalb Deutschlands, beispielsweise in Nordamerika, durchgeführt würden und nicht mehr in Deutschland verbleiben.

VDI nachrichten: Wie sieht das dann mit Asien aus? Die asiatischen Fachkräfte sind ja auch eine große Konkurrenz für die deutschen.
Bock: Wir haben in Asien eine ganze Reihe von hoch qualifizierten Mitarbeitern, wir rekrutieren dort auch Ingenieure und Chemiker für unsere neuen Aktivitäten. Wir haben keinerlei Anlass, die Qualifikation dieser BASF-Mitarbeiter geringer zu schätzen als beispielsweise in Europa und den USA.

BASF – breit aufgestellt
Die BASF unterhält nach eigenen Angaben Geschäftsbeziehungen zu Kunden in über 170 Ländern und liefert rund 8000 Verkaufsprodukte weltweit.Fünf Geschäftsfelder definiert der Konzern: Chemikalien, Kunststoffe, Veredelungsprodukte, Pflanzenschutz und Ernährung sowie Öl und Gas. In dieser Diversifizierung sieht der Konzern seine Stärke – so sei man nicht von einzelnen Branchen abhängig.

Von Brigitte Scholtes / mav

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