Chemie 10.04.2009, 19:40 Uhr

Prozessindustrie hat nachhaltig Power  

„Krisen sind wie Krankheiten: Sie sind ansteckend, aber es gibt auch Immunsysteme“, so Alfred Oberholz auf der Wirtschaftspressekonferenz zur Messe Achema vom 11. bis 15. Mai in Frankfurt. Der Dechema-Vorsitzende ist optimistisch, dass die Innovationen der Prozessindustrie zur ressourceneffizienteren Produktion nötige Impulse für eine gesunde Weiterentwicklung der Chemieausrüster geben. VDI nachrichten, Frankfurt/Main, 9. 4. 09, Si

Den weltweiten Auswirkungen der Wirtschaftskrise können sich auch Chemie und Anlagenbau nicht entziehen. Dennoch zeigte sich Gottlieb Hupfer im Vorfeld der Messe Achema (11. bis 15. Mai in Frankfurt) für seine Branche zuversichtlich. „2008 war unser Glanzjahr“, stellte der Vorsitzende des VDMA-Fachverbands Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate auf der Wirtschaftspressekonferenz im Dechema-Haus, Frankfurt am Main, fest. Die Aufträge reichten über sechs Monate hinaus und man sollte in Deutschland darauf achten, von welchem Niveau aus nun zu jammern begonnen werde.

Nach einem sehr guten Jahr 2007 haben die deutschen Hersteller von verfahrenstechnischen Maschinen und Apparaten laut Hupfer auch noch in 2008 unter „voller Power“ gearbeitet. Ihre Exporte seien im Vergleich zum Vorjahr um 10 % auf fast 4,6 Mrd. € gestiegen. Im letzten Quartal hätten die Exporte mit einem Plus von annähernd 20 % sogar eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahresvergleichswert verzeichnet.

Da sich die Abnehmerbranchen nach fünf Wachstumsjahren in Folge jetzt mit neuen Aufträgen stark zurückhielten, würden dies auch die deutschen Hersteller von Prozesstechnik deutlich zu spüren bekommen. Beispielsweise sei beim Großanlagenbau, einem wichtigen Kunden für die Branche, in 2009 mit einem durchschnittlichen Rückgang des Auftragseingangs zwischen 30 % und 50 % zu rechnen. Trotzdem sieht Hupfer die deutschen Hersteller von verfahrenstechnischen Maschinen und Apparaten für die nächste Zukunft gut gerüstet, denn sie seien sehr breit aufgestellt, was sowohl die Abnehmerbranchen als auch die belieferten Länder angeht. Größter Abnehmer deutscher Verfahrenstechnik sei die USA mit wertmäßigen Exporten in Höhe von 383 Mio. €, gefolgt von China, mit dem 2008 ein Exportwert von 350 Mio. € erreicht wurde. Die Ausfuhren an Frankreich lagen bei 287 Mio. €.

Hupfer: „Unsere Spitzenprodukte in der Verfahrenstechnik sind Wärmetauscher. Sie haben mit einem Plus von 24 % auf 1,35 Mrd. € in 2008 am deutlichsten zugelegt.“ Ihr Anteil am Gesamtexport mache alleine 30 % aus. Größter Verlierer, was die Veränderungsrate angehe, war laut Hupfer die Warengruppe Generatorgas- und Wassergaserzeuger mit einem Minus von 81 %. Allerdings erreichte der Anteil dieser Warengruppe an den Gesamtexporten noch nicht einmal 1 %.

„Die Branche verhält sich spätzyklisch“, konstatierte Michael Ziesemer, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation und Vorsitzender des Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung, die konjunkturelle Entwicklung der Branche. Mit 19 % Anteil ist die Chemie laut den ZVEI-Angaben die Abnehmergruppe Nr. 1 auf dem Weltmarkt für Prozessautomatisierung, noch vor der Energiewirtschaft sowie der Erdöl- und Erdgasgewinnung mit jeweils 15 %. Mit den Innovationen der Prozessautomatisierer lässt sich laut Ziesemer in besonders energieintensiven Anwenderbranchen, wie der Chemieindustrie viel erreichen hinsichtlich Einsparung an primären und elektrischen Energieträgern. Zur Zeit arbeite eine Arbeitsgruppe aus dem ZVEI-Fachbereich Messtechnik und Prozessautomatisierung an einer Broschüre zur Energieeffzienz. Die Ergebnisse sollen auf der Achema präsentiert werden.

„In Anbetracht der Ergebnisse, die bei der chemisch-technischen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in den letzten Jahren erzielt werden konnten, wirkt die Sonderschau ,Chemie und Biotechnologie regenerativer Rohstoffe und Energieträger“, wie in Halle 4.2 realisiert, nur folgerichtig“, wies Torsten Gabriel auf die steigende Bedeutung der Bioenergie hin. Laut dem Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Gülzow, liefert sie in Deutschland „heute 70 % dessen, was bei erneuerbaren Energieträgern geleistet wird“. Nicht Windkraft oder Solartechnik stünden an erster Stelle, sondern pflanzliche Rohstoffe.

Als Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist die FNR für die Vergabe von Fördermitteln für Forschung, Entwicklung und Markteinführung im Bereich nachwachsende Rohstoffe zuständig. Ein Beispiel dafür ist das in einem Projekt mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, entwickelte BioConceptCar. Der Langstreckenrennwagen, dessen nicht tragenden Karosserieteile aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, wird vom 11. bis 15. Mai auf der Achema zu sehen sein. JÜRGEN SIEBENLIST

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

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