Chemie 01.04.2005, 18:37 Uhr

„Produktionsverbund bringt Vorteile“  

VDI nachrichten, München, 1. 4. 05 – Wacker Chemie will sich künftig auf fünf Geschäftsbereiche konzentrieren. Besonderes Augenmerk gilt dem chinesischen Markt. Fragen an Rudolf Staudigl, der in der Geschäftsführung u. a. für Forschung und Entwicklung zuständig ist.

Staudigl: Wir können aus Deutschland heraus nur in den Bereichen auf dem Weltmarkt bestehen, in denen wir die Kostenführerschaft besitzen. Aus diesem Grunde arbeiten wir kontinuierlich an Kostensenkungen und an der Verbesserung der Produktivität.

VDI nachrichten: Wo setzen Sie dabei Prioritäten?

Staudigl: Schlüsselfaktoren für unseren Unternehmenserfolg sind Forschung und Innovation. Dabei ist Kundennähe ganz entscheidend, um sicher zu sein, dass wir an den richtigen Themen arbeiten. Wir investieren immerhin 6 % unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung – deutlich mehr als die meisten anderen Chemie-Konzerne.

VDI nachrichten: Gleichzeitig haben Sie in den vergangenen Jahren ein sehr aktives Portfolio-Management betrieben, sprich die Aktivitäten neu ausgerichtet …

Staudigl: Wir beobachten sehr genau, welche Entwicklung unsere Innovationen nehmen. Aktivitäten, die wir nicht weiterführen wollen, verkaufen wir. So haben wir bereits 2003 unser Keramikgeschäft in die Tochtergesellschaft ESK Ceramics GmbH & Co. KG ausgegliedert und die ganze Sparte schließlich im vergangenen Jahr an den amerikanischen Keramikspezialisten Ceradyne Inc. veräußert. 2004 haben wir außerdem das Geschäft mit Lackadditiven an die Degussa AG, das Geschäftsfeld mikroporöse Wärmedämmstoffe an die Porextherm Dämmstoffe GmbH Kempten und die Silicondicht- und -klebstoffe für den Einsatz im Fassadenbereich an die Schweizer Sika AG verkauft. Und Anfang Februar haben wir eine von uns entwickelte Technologie zur Herstellung von Diesel-Abgaskatalysatoren an die Süd-Chemie AG abgegeben.

VDI nachrichten: Aber mit Verkäufen bringt man ein Unternehmen nicht voran. Was kommt Neues hinzu?

Staudigl: Zum Beispiel haben wir gerade erst ein Biotechnologie-Unternehmen erworben – die ProThera GmbH in Jena, die zukünftig als Wacker Biotech GmbH firmiert. Dort produzieren wir so genannte Biologics, Proteine für pharmazeutische Anwendungen. Das ist nach unserer Überzeugung ein hoch interessantes Wachstumssegment.

Zugleich arbeiten wir daran, Wacker in regionalen Wachstumsmärkten verstärkt zu etablieren – ganz besonders wichtig sind derzeit Osteuropa, der Nahe und Mittlere Osten und Asien. Dabei dürfen wir natürlich unsere Basis in Europa und den großvolumigen Wachstumsmarkt Amerika nicht vergessen.

VDI nachrichten: Was unternimmt Wacker, um die Marktentwicklung voranzutreiben?

Staudigl: In den für uns wichtigen Wachstumsmärkten, wie beispielsweise in China, bauen wir zunächst technische Zentren auf. Damit stellen wir unseren Kunden in diesen Regionen technologisches Wissen zur Verfügung. Aufgrund der innovationsgetriebenen, erklärungsbedürftigen Produkte ist für uns die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden unabdingbar. Nur auf diesem Wege kann es gelingen, eine Umsatzbasis zu schaffen, die es gestattet, letzten Endes auch mit Produktionskapazitäten in diese Märkte zu gehen.

VDI nachrichten: In China setzen Sie dabei auch auf Akquisitionen.

Staudigl: Ja, wir haben kürzlich das Polymergeschäft der Wuxi Xinda Fine Chemical Co. Ltd. übernommen. Dabei handelt es sich um einen führenden chinesischen Anbieter von Festharzen aus Polyvinylacetat. Diese Substanzen werden unter anderem als Grundmasse für die Herstellung von Kaugummi eingesetzt. Im vergangenen Jahr haben wir in Shanghai eine neue Produktionsanlage zur Herstellung von Siliconemulsionen in Betrieb genommen. Derzeit befindet sich weiter ein Sprühtrockner zur Erzeugung von Redispersionspulvern für Bauanwendungen im Aufbau.

Außerdem werden wir zusammen mit unserem Wettbewerber Dow Corning im Großraum Shanghai eine Siloxan-Anlage und eine Anlage zur Herstellung pyrogener Kieselsäure auf World-Scale-Niveau errichten. Beide Unternehmen werden diese Zwischenprodukte anschließend selbstständig weiterverarbeiten und vermarkten. Sobald alle behördlichen Genehmigungen vorliegen, werden dort die Bauaktivitäten beginnen.

VDI nachrichten: Wie sicher sind die Werke in Europa noch, wenn Sie so stark auf China setzen?

Staudigl: Wir sehen Veränderungen in erster Linie als Chancen, die wir nutzen wollen, um unser Unternehmen zu stärken. China wird in nur wenigen Jahren einer der größten Chemiemärkte der Welt sein. Um in solchen Wachstumsmärkten erfolgreich tätig zu sein, sind eigene Produktionskapazitäten vor Ort unverzichtbar, allein schon aus logistischen Gründen.

Natürlich sehen wir eine gewisse Gefahr, dass Fertigprodukte aus China auf europäische und amerikanische Märkte gelangen. Aber das können wir ohnehin nicht verhindern. Und daher ist es besser, solche Prozesse aktiv mitzugestalten. Hier den Wettbewerbern das Feld zu überlassen, ist sicher keine Alternative – gerade auch mit Blick auf unsere Arbeitsplätze in Deutschland.

VDI nachrichten: Seit kurzem hat Wacker eine neue Unternehmensstruktur mit fünf Geschäftsbereichen. Was versprechen Sie sich davon?

Staudigl: Die neue Struktur unterstützt unsere konsequente Ausrichtung auf den Kernbereich Chemie. Nach der Trennung vom Bereich Ceramics haben wir unsere Struktur überprüft und uns entschieden, fünf Geschäftsbereiche einzurichten. Der Bereich Wacker Silicones befasst sich mit Silanen, Siliconen und hoch dispersen Kieselsäuren. Im Bereich Wacker Polymers haben wir sämtliche auf Polyvinylacetat basierenden Produkte zusammengefasst. Der Bereich Wacker Fine Chemicals beschäftigt sich nicht nur mit Feinchemie und Kundensynthesen, sondern auch mit Biotechnologie. Der vierte Geschäftsbereich, Wacker Polysilicon, liefert polykristallines Reinst-Silizium für Halbleiteranwendungen und Solartechnik. Und der fünfte Bereich, Siltronic, ist einer der führenden Hersteller von Siliziumwafern für die Halbleiterindustrie.

VDI nachrichten: Siltronic ist der einzige Bereich, der nicht zur Chemie gehört. Das Geschäft mit Wafern ist ausgesprochen zyklisch und zugleich sehr forschungsintensiv. Warum engagieren Sie sich in diesem Markt?

Staudigl: Wir sind einer der größten Hersteller von polykristallinem Silizium. Mit dem Bereich Siltronic haben wir einen bedeutenden Kunden im Konzern. Das gibt uns die Möglichkeit, mit den Chipherstellern an vorderster Front unsere Technologie weiterzuentwickeln. Diese enge Zusammenarbeit sichert uns eine gute Marktposition.

Auf dem Sektor Siliziumchemie verfügen wir über Know-how in enormer Breite, das wir weiter ausbauen. Dabei bringt uns unser Produktionsverbund viele Vorteile. So verwenden wir bei der Herstellung von Polysilizium sozusagen jedes Chlor-Atom mehrfach, da wir Chlor aus allen Nebenprodukten immer wieder zurückgewinnen. Dies ist ein gutes Beispiel für ein nachhaltiges Verfahren, bei dem nur ein Minimum an Abfallprodukten entsteht. Die Verfahrenstechnik dazu ist allerdings sehr anspruchsvoll, insbesondere auch aufgrund der hohen Anforderungen an die Reinheit. ANKE MÜLLER

Von Anke Müller

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