Sustainable Value 18.12.2009, 19:44 Uhr

Nachhaltiger Ressourceneinsatz zahlt sich für Chemiekonzerne wirtschaftlich aus  

Eine internationale Forschergruppe hat analysiert, wie nachhaltig führende Konzerne aus der Chemiebranche wirtschaften. Die Vergleichsstudie zeigt, dass natürliche und soziale Ressourcen nicht überall effizient eingesetzt werden. Doch wer, wie Air Liquide, BASF oder Bayer seinen Ressourceneinsatz unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten optimiert, generiert nicht nur ökologisch einen höheren Chemie-Mehrwert. VDI nachrichten, Berlin, 18. 12. 09, Si

„Wir hätten gerne mehr Konzerne aus der Chemiebranche untersucht“, kommentierte Andrea Liesen vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) die Ergebnisse der neuen Studie „Sustainable Value Creation by Chemical Companies“. Doch trotz aufwendiger Suche hatte die IZT-Forscherin mit ihren Kollegen aus Irland und Frankreich nur in neun Konzernen eine ausreichende Datenbasis für ihren Nachhaltigkeits-Check gefunden.

Gesucht haben die Wissenschaftler nach quantitativen Daten in Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten der Jahre 2004 bis 2007. Ihre Analysen ergaben, dass so mancher Chemiekonzern über umweltbelastende Geschäftsfelder einfach nicht berichtet. Doch die neun untersuchten Konzerne Air Liquide, Akzo Nobel, BASF, Bayer, Dow Chemical, DuPont, Koninklijke DSM, Reliance und Shell Chemicals machten es besser. Und unterm Strich kann sich auch ihre Umweltperformance sehen lassen.

Als Beispiel nannte Liesen den CO2-Ausstoß. Der stieg laut der Studie in den untersuchten Jahren zwar um 3 %. Doch im selben Zeitraum legte der Cashflow der neun Konzerne um 123 % zu. Diese Entwicklung, so die IZT-Forscherin, sei ermutigend.

In ihrer Studie stießen die Forscher allerdings auf große Unterschiede zwischen den neun Kandidaten. Während die Air Liquide, Bayer und BASF finanzielle, soziale und natürliche Ressourcen überdurchschnittlich effizient nutzten, musste der US-Konzern Dow Chemical für jeden Euro Gewinn doppelt so viele Ressourcen einsetzen wie der Durchschnitt der Wettbewerber. Auch DSM und Akzo blieben weit hinter dem Durchschnitt zurück.

Doch nach welchen Kriterien verglichen die Forscher bei ihrem Nachhaltigkeits-Check die Produktion der Chemiekonzerne? Liesen ist mit ihren Kollegen dem Sustainable-Value-Ansatz gefolgt, den Frank Figge von der Uni Belfast und Tobias Hahn von der Euromed Management School Marseille Anfang des Jahrzehnts entwickelt hatten. Um den sogenannten „Sustainable Value“ zu ermitteln, erweiterten sie den im Finanzmarkt etablierten Opportunitätskostenansatz um eine ökologische und soziale Ebene. Grundgedanke: Immer, wenn ein Unternehmen Ressourcen effizienter einsetzt als der Wettbewerb, schafft es Wert. Emittiert es beispielsweise 1 t CO2 für 100 € Gewinn, wo die Konkurrenz im Schnitt nur 60 €/t erwirtschaftet, liegt der Sustainable Value bei 40 € Wert.

Um jeweils den „Sustainable Value“ der Chemiekonzerne zu ermitteln, haben die Forscher 13 Indikatoren analysiert. Sie stellten in ihrer Studie den jeweiligen Kapitaleinsatz mit dem Wasser- und Energieverbrauch, den Emissionen von Klimagasen, Schwefel- und Stickoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen, mit dem Abfall- und Sondermüllaufkommen sowie mit dem Sauerstoffeinsatz zur Abwasseraufbereitung gegenüber. Neben den Öko-Indikatoren flossen vier soziale Werte mit ein – die Zahl der Beschäftigten, Personalausgaben, Forschungsinvestitionen und die Zahl der Arbeitsunfälle.

Liesen räumte bei der Vorstellung der Studie ein, dass die sozialen Ressourcen damit nur schwach repräsentiert sind. Sie bedauert, dass in den Nachhaltigkeitsberichten der Chemieunternehmen nur wenige messbare soziale Indikatoren zu finden seien. Im Sinne der Konsistenz habe sich die Untersuchung deshalb allein auf die Finanz- und Umweltberichte der analysierten Konzerne stützen können.

Ungeachtet der methodischen Probleme, die ihren Ursprung in mangelnder Standardisierung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten haben, liefert die Studie dennoch eine Menge interessanter Vergleichsdaten. So führte beispielsweise der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF das Ranking in drei der vier untersuchten Jahre an und erzeugte dabei pro Jahr bis zu 1,6 Mrd. € an Sustainable Value. Die kleinere Air Liquide erreichte einen Spitzenwert von 888 Mio. €, setzte ihre Ressourcen dabei aber noch effizienter ein als BASF.

Dow Chemical hinkte dagegen im gesamten Untersuchungszeitraum dem Wettbewerb hinterher. Allein 2006 ließen die Amerikaner laut den Studienergebnissen 2,3 Mrd. € liegen. Denn so viel Wert hätten sie schaffen können, wenn sie Ressourcen so gewinnbringend eingesetzt hätten wie der Durchschnitt der Wettbewerber. Wäre Dow so effizient wie Spitzenreiter Air Liquide gewesen, hätte der Konzern beim Sustainable Value sogar 4 Mrd. € erreicht.

Die Studie zeigt auch, in welchen Konzernen das Management erfolgreich war beim Ringen um eine nachhaltigere Produktion. Während beispielsweise Bayer in der Vergleichsstudie im Untersuchungszeitraum vom vorletzten auf den dritten Platz kletterte und der Konzern es inzwischen von einer unter- auf eine weit überdurchschnittliche Ressourceneffizienz geschafft hat, ließen Akzo, DSM und Shell Chemicals im Marktvergleich der IZT-Wissenschaftler deutlich nach.

Allerdings macht die IZT-Forscherin keinen Hehl daraus, dass ihr Auftraggeber für die Studie BASF heißt. Liesen stellte jedoch klar: „Wir haben auf Basis des Sustainable-Value-Ansatzes diverse Benchmark-Studien für die EU und die Bundesregierung erarbeitet und sind dieses Mal exakt gleich vorgegangen.“ Der Ludwigshafener Chemiekonzern habe zu keinem Zeitpunkt Einfluss genommen.

Das wäre nach Ansicht der IZT-Forscher auch widersinnig. Denn nach Nachhaltigkeits-Checks, die bereits in der Autobranche durchgeführt worden waren, hätte das Institut den Autobauern seine Erkenntnisse im Detail darlegen müssen. Liesen: „Wir haben den Eindruck, dass sie unsere Ergebnisse sehr ernst nehmen und Lösungen suchen.“ Die Methode mache eben sichtbar, was Ressourcenverschwendung tatsächlich koste. PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
Von Peter Trechow

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