Chemie 11.02.2005, 18:36 Uhr

Mit roten Zahlen in die Selbstständigkeit

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 2. 05 -Mit der Abspaltung von Bayer geht die Lanxess AG jetzt an der Börse eigene Wege. Bayer will sich auf die Bereiche Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien konzentrieren. Die verlustreiche Ex-Tochter Lanxess tritt auf die Kostenbremse.

Die Bayer AG hat sich von einigen traditionellen Produktlinien verabschiedet: Wesentliche Teile der bisherigen Chemiesparte sowie rund ein Drittel des Polymergeschäftes wurden an eine separate Gesellschaft übertragen, die Lanxess AG. Dieses Kunstwort entstand aus dem französischen „lancer“, in Gang bringen, und dem englischen „success“, Erfolg. Unter diesem Dach wurden alle Aktivitäten zusammengefasst, die Bayer nicht selbst weiterführen wollte.
Ziel dieser Strukturveränderung, erklärte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning, sei die „Verbesserung der Performance“. Deshalb wollten sich die Leverkusener auf wenige Bereiche konzentrieren, die mit ihren innovativen Produkten schon in Kürze eine hohe Profitabilität erreichen sollen. Was diesem Kriterium nicht genügte, das kam zu Lanxess, vor allem „eine Vielzahl von zyklischen Geschäften“, so Wenning.
Das Portfolio der Lanxess AG umfasst etwa 5000 Produkte. Sie wurden den vier Kompetenzfeldern Performance Chemicals, Chemical Intermediates, Engineering Plastics und Performance Rubber zugeordnet (siehe auch Grafik). Diese sind noch einmal untergliedert in 17 Business Units.
Im Segment Performance Chemicals finden sich Erzeugnisse der Spezialchemie, breit aufgestellt vom Ionenaustauscher über Hilfsstoffe für die Leder-, Papier- und Textilindustrie bis hin zu Kunststoffadditiven. Auch die RheinChemie kam zu Lanxess. Die H.C. Starck GmbH, die Wolff Walsrode AG sowie die Produktgruppen Lacke, Klebstoffe und Dichtungsmaterialien hat Bayer behalten.
Zum Segment Chemical Intermediates gehören die „klassischen“ Industriechemikalien, vor allem Aromate, außerdem Feinchemikalien, wie Vor- und Zwischenprodukte für Pharma und Pflanzenschutz, sowie anorganische Pigmente. Bei Bayer verblieben ist die Chloralkalielektrolyse.
Das Segment Engineering Plastics umfasst wesentliche Teile des bisherigen Kunststoffgeschäftes der Bayer AG, mit Ausnahme der Polycarbonate und Polyurethane sowie der Blends. Dem Segment Performance Rubber wurde die gesamte Kautschukproduktion für die Gummi- und Reifenindustrie zugewiesen. Die Lanxess AG ist zudem zu 40 % Anteilseigner der Standortgesellschaft Bayer Industry Services.
Die Lanxess AG ist weltweit vertreten. Sie beschäftigt an insgesamt etwa 50 Standorten mehr als 19 000 Mitarbeiter, davon 800 in Forschung und Entwicklung. Derzeit investiert das Unternehmen allerdings nur einen extrem kleinen Anteil von knapp 3 % des Umsatzes für F&E.
Die Bilanz des Jahres 2003 weist für Lanxess ein Umsatzvolumen von mehr als 6 Mrd. € und einen Verlust von knapp 1 Mrd. € aus. Für das erste Dreivierteljahr 2004 vermeldet der Konzern 5 Mrd. € Umsatz – damit dürfte der Jahresumsatz knapp 7 Mrd. € betragen, und Lanxess möglicherweise auch die schwarzen Zahlen erreichen.
Der Abspaltungsbeschluss wurde im November 2003 getroffen und von der Hauptversammlung bestätigt. Der Börsengang sollte durch IPO oder Spin-Off zum Jahresbeginn 2005 erfolgen. Letzten Endes fiel aufgrund der wirtschaftlichen Situation die Entscheidung für ein Spin-Off: Am 28. Januar nach Börsenschluss erhielten die Aktionäre der Bayer AG per Zuteilung auf jeweils zehn Bayer-Aktien eine Aktie der Lanxess AG. Die Lanxess-Aktien wurden dann am 31. Januar erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt.
Damit habe der neu entstandene Konzern die unternehmerische Eigenständigkeit erlangt, erklärte Axel C. Heitmann, der Lanxess-Vorstandsvorsitzende. Es gelte jetzt, die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität des neuen Unternehmens rasch und nachhaltig zu verbessern. Schon für 2006 strebt Lanxess 9 % bis 10 % Gewinn vor Steuern, Abgaben und Sondereinflüssen an.
In profitablen Bereichen plant der Konzern Investitionen. So sollen die Kapazitäten für die Produktion von Butylkautschuk in Belgien und Kanada mit 40 Mio. € um 25 % erweitert werden. Ansonsten habe für Lanxess derzeit Kostenreduktion die absolute Priorität.
So wurden als erstes übertarifliche Leistungen für die Mitarbeiter gestrichen. Allein in diesem Jahr will der Konzern weltweit 20 Mio. € bei den Personalkosten einsparen. In einer Betriebsvereinbarung wurde allerdings der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2007 festgeschrieben.
Heitmann kündigte die Umstrukturierung des Unternehmens an. Dabei sei sowohl über den Verkauf von bestimmten Aktivitäten als auch über Akquisitionen nachzudenken.
Lanxess wird zudem Kapazitäten schließen. So wird derzeit ein Hydrazinhydratwerk aus den USA nach China verlagert. Zur sofortigen Verbesserung des Cashflow stünden derzeit alle Geschäftsprozesse auf dem Prüfstand. Heitmann: „Wir sind bereit, auf Marktanteile zu verzichten, wenn wir dadurch die Ertragslage verbessern können.“ ANKE MÜLLER

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