Project Marilyn 28.10.2014, 14:59 Uhr

Mit Crowdfunding zum patentfreien Krebsmedikament

Der Chemiker Isaac Yonemoto kämpft an zwei Fronten: Er will ein Krebsmedikament entwickeln und zugleich die astronomisch hohen Kosten in der Krebsbehandlung senken. Per Crowdfunding sammelt er jetzt Geld für ein Medikament, dessen Rezeptur frei verfügbar sein wird.

Chemiker Isaac Yonemoto arbeitet an einem Krebsmedikament. Per Crowdfunding sammelt er jetzt Geld dafür. Die Rezeptur wird nicht patentiert, sondern frei verfügbar sein. Dadurch wäre das Mittel deutlich preiswerter als andere Produkte. 

Chemiker Isaac Yonemoto arbeitet an einem Krebsmedikament. Per Crowdfunding sammelt er jetzt Geld dafür. Die Rezeptur wird nicht patentiert, sondern frei verfügbar sein. Dadurch wäre das Mittel deutlich preiswerter als andere Produkte. 

Foto: indysci.org

Isaac Yonemoto ist nicht nur promovierter Chemiker, sondern schreibt auch seit frühester Kindheit Softwareprogramme. Beide Welten will der Wissenschaftler nun im „Project Marilyn“ an der University of Maryland zusammenbringen. Yonemoto will die weitere Forschung an einem bestimmten Krebsmedikament durch die Open-Source-Idee attraktiv machen. Wenn die Rezeptur des Medikamentes nicht patentiert und frei verfügbar ist, wäre das Mittel deutlich preiswerter als andere Produkte mit Patent.

Das neue Medikament soll gegen Haut-, Nieren- und Brustkrebs wirksam sein

Die Idee für das Medikament, an dem Yonemoto arbeitet, ist bereits einige Jahrzehnte alt. In den 1970er Jahren entdeckten russische Forscher, dass die chemische Verbindung 9-Deoxysibiromycin, kurz 9DS, bei der Krebsbekämpfung helfen könnte. Frühe Tests zeigten, das 9DS gegen Haut-, Nieren- und Brustkrebs wirksam sein könnte. Nachdem sich allerdings herausstellte, dass die Nebenwirkungen in Form von schweren Herzfehlern erheblich waren, wurden die weiteren Forschungen zunächst gestoppt.

Viele Jahre später nahm Barbara Gerratana von der University of Maryland die Forschungen wieder auf und fand heraus, dass durch das Entfernen eines Oxygen-Moleküls die massiven Nebenwirkungen verhindert und die Wirksamkeit der Verbindung sogar erhöht wurden.

Inzwischen leitet Isaac Yonemoto die Forschung an 9DS und ist äußerst zuversichtlich, einen wirksamen Ansatz in der Krebsbekämpfung gefunden zu haben. „Die bisherige Arbeit weist darauf hin, dass 9DS es in der Wirksamkeit nicht nur mit führenden Präparaten wie Taxol aufnehmen kann“, sagt Yonemoto. 9DS habe auch wahrscheinlich weniger Nebenwirkungen als die meisten Chemotherapien.

Forschung an einem Medikament als Open-Source-Projekt

Um der weiteren Forschung an 9DS auf die Sprünge zu helfen, will Yonemoto nun versuchen per Crowdfunding weitere Unterstützer zu finden. Auf die Idee habe ihn eine vergleichbare Problematik gebracht, die er aus der Welt der Videospiele kenne, erzählt der Wissenschaftler. Dort spricht man von der sogenannten Abandonware, wenn es für Software, die der Hersteller nicht mehr vertreibt, auch keine technische Unterstützung mehr gibt. Schlimmstenfalls geht der Quellcode gänzlich verloren.

„Eine Möglichkeit, eine solche Abandonware wieder auferstehen zu lassen, ist das Open-Sourcing“, sagt Yonemoto. Und genau das habe er auch bei 9DS vor. Seine Vorgängerin Gerratana hatte ihre Ergebnisse zwar publiziert, aber ohne ein Patent auf 9DS anzumelden. Die Frist für eine Patentanmeldung sei nun abgelaufen. „Es war deshalb sehr unwahrscheinlich, dass die Pharmaindustrie die Forschung fördern würde“, sagt Yonemoto. Andererseits könne, eben weil es kein Patent gebe, jeder an 9DS weiterforschen, ähnlich wie an einem Open-Source-Projekt.

Tierversuche sind der nächste Schritt

Auf der Projektseite Indysci.org wirbt Yonemoto für sein Project Marilyn. Die ersten 50.000 US-Dollar hat er bereits zusammen und hat das Crowdfunding-Ziel nun auf 75.000 Dollar erhöht. Damit will er eine größere Menge an 9DS herstellen und dessen Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch an Mäusen erproben. „Das ist der nächste wichtige Schritt in der Medikamentenentwicklung, bevor klinische Studien am Menschen durchgeführt werden können“, sagt Yonemoto. Wer sich nicht an Tierversuchen beteiligen, aber trotzdem etwas geben wolle, könne das gerne tun und eine Nachricht an die Organisatoren schreiben.

In den USA liegen die durchschnittlichen monatlichen Kosten für eine Krebsbehandlung bei 10.000 Dollar. Sein Crowdfunding-Projekt, hofft Yonemoto, könne ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Liberalisierung des Pharma-Marktes sein.

 

Von Gudrun von Schoenebeck

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