Klimaschutz 13.03.2009, 19:40 Uhr

Lara senkt die Emission von klimaschädlichem Lachgas im Chemiewerk erstmals auf null  

Dank „Lara“, der neuen Lachgas-Reduktionsanlage am Standort Krefeld-Uerdingen, kann der Chemiekonzern Lanxess als weltweit erstes Unternehmen die Emission des klimaschädlichen Treibhausgases N2O bei der Adipinsäureproduktion vollständig vermeiden und damit künftig CO2-Emissionsrechte verkaufen. VDI nachrichten, Krefeld-Uerdingen, 13. 3. 09, si

In wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeiten wie diesen am Umweltschutz zu sparen, hält Axel C. Heitmann, Vorstandsvorsitzender des Spezialchemiekonzerns Lanxess, Leverkusen, für das falsche Signal: „Wir bekennen uns zur Nachhaltigkeit und investieren weiter in innovative Technologien – trotz Krise.“ Denn langfristig könnten nur so Arbeitsplätze im Unternehmen gesichert werden, wie Heitmann am 5. März bei der Einweihung der neuen Lachgas-Reduktionsanlage „Lara“ am Standort Krefeld-Uerdingen hervorhob.

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Rund 10 Mio. € hat das Chemieunternehmen in die Anlage investiert, die in der Rekordzeit von weniger als einem Jahr gebaut wurde. Lara ist ein „Leuchtturmprojekt mit ökologischer und ökonomischer Vorbildfunktion“, so der Konzernchef. Denn mit diesem ersten industriellen Joint-Implementation-Projekt zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in Deutschland entwickelt sich Lanxess laut Heitmann zum Technologieführer bei der Reduktion von N2O und neutralisiert das bei der Herstellung des Kunststoff-Vorprodukts Adipinsäure entstehende klimaschädliche Lachgas künftig vollständig.

Unser Ziel ist es, so Heitmann, bis 2012 den Ausstoß klimaschädlicher Gase in Deutschland im Vergleich zu 2007 um rund 80 % zu senken. Kernprojekt hierfür sei die neue zweite Anlage zur Reduktion des Treibhausgases Distickstoffmonoxid.

Lara zersetzt das Lachgas direkt aus dem Abgasstrom bei Temperaturen von mehr als 1000 °C in seine Bestandteile Sauerstoff und Stickstoff. Die dabei entstehende Wärme wird dann zur Erzeugung von Dampf genutzt, der in das Dampfnetz des Uerdinger Chemieparks eingespeist wird.

Die neue zweite Anlage zersetzt nach Aussage von Heitmann jährlich rund 5000 t Lachgas. Das entspreche ungefähr 1,5 Mio. t CO2-Äquivalente pro Jahr. Insgesamt neutralisiere der Konzern mit seinen beiden Anlagen – je nach Auslastung – die Emission von jährlich 5 Mio. t bis 10 Mio. t CO2-Äquivalenten. „Nirgendwo sonst“, außer hier in Krefeld-Uerdingen, so erklärte der Konzernchef bei der Einweihung der neuen Anlage, „wird Adipinsäure nun ohne jegliche Emission von Lachgas produziert.“

„Lara ist ein Paradebeispiel dafür, dass industrielle Produktion und Klimapolitik keine Gegensätze sind“, stellte Alexander Schink, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Umwelt und Naturschutz im Hinblick auf das Finanzierungskonzept fest. Denn das Chemieunternehmen kann über den Verkauf von Emissionszertifikaten, die nun durch die Lachgasreduktion nicht mehr benötigt werden, sein Investitionsvolumen für den Bau der Anlage refinanzieren. Das ebenso einfache wie wirksame Prinzip: Betreiber von Kraftwerken und Industrieanlagen, die Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid, Methan oder Lachgas emittieren, erhalten Zertifikate, die sie zum Ausstoß einer genau festgelegten Menge an CO2 berechtigen. Verursacht eine Anlage mehr Emissionen, muss der Betreiber Zertifikate zukaufen. Wer dagegen seinen Treibhausgasausstoß durch verbesserte Produktionsverfahren reduziert, kann überzählige Berechtigungen verkaufen. Doch nicht nur am Standort Krefeld-Uerdingen investiert Lanxess in neue Technik zur Verringerung von klimaschädlichen Emissionen bei der Chemieproduktion, auch an seinem brasilianischen Standort Port Feliz ist der Konzern aktiv und errichtet dort eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage zur CO2-neutralen Produktion von elektrischer Energie und Dampf. Mit dem neuen standorteigenen Kraftwerk, das mit Bagasse (faserige Bestandteile der Zuckerrohrpflanze, die als Rückstände bei der Zuckerherstellung anfallen) betrieben werden soll, will das Unternehmen ab 2010 die gesamte Energie selbst erzeugen, die für die dortige Produktion von Eisenoxid-Pigmenten notwendig ist. Durch die Verwendung des nachwachsenden Brennstoffs werden die Klimagasemissionen im Vergleich zu 2002 um rund 44 000 t CO2 sinken. Auch hier soll der Verkauf von Emissionszertifikaten zur Refinanzierung der Investition beitragen. JÜRGEN SIEBENLIST

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Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

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