Umwelt 04.01.2013, 11:33 Uhr

Industrie akzeptiert die Chemikalienverordnung Reach der EU

Seit fünf Jahren setzen Unternehmen und Behörden die Vorgaben der EU-Chemikalienverordnung Reach um. Nun soll die EU-Kommission in einer ersten Bilanz bewerten, wo es klemmt und wo nachgebessert werden sollte. Doch dieses Fazit verzögert sich. Innerhalb der Brüsseler Behörde gibt es Abstimmungsschwierigkeiten.

Abstimmungsschwierigkeiten bei Reach.

Abstimmungsschwierigkeiten bei Reach.

Foto: Bayer

Mensch und Umwelt besser vor schädlichen Chemikalien zu schützen, aus diesem Grund war die EU-Chemikalienverordnung 2006 ins Leben gerufen worden. Die Industrie trägt dabei die Verantwortung für den sicheren Umgang mit chemischen Stoffen. Ob diese Rechnung aufgegangen ist und wo in der Zukunft Probleme zu erwarten sind, darüber diskutierten Industriemanager und Politiker auf Einladung des Bundesumweltministeriums (BMU) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Dezember in Berlin.

„Unsere Firmen setzen alles daran, die Vorgaben von Reach so gut wie möglich umzusetzen“, erklärte Gerd Romanowski, der für Umweltfragen zuständige Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Und BMU-Mann Andreas Nies bestätigt: „Reach funktioniert entgegen aller Unkenrufe.“

Bis Ende Mai 2013 haben Firmen all jene Substanzen zu registrieren, von denen sie zwischen 100 t und 1000 t jährlich in die EU einführen oder hier herstellen. Bis Ende Mai 2018 müssen dann alle restlichen Stoffe angemeldet sein, von denen mehr als 1 t jährlich vermarktet werden. Bereits eingetroffen sind die Dossiers für alle Stoffe im Bereich von über 1000 t pro Jahr sowie für viele krebserregende und wassergefährdende Substanzen.

Bei der europäischen Chemikalienagentur Echa entsteht so ein einzigartiger Datenpool. „Es gibt jetzt bereits deutlich mehr Informationen über die bislang registrierten rund 4600 Chemikalien“, erklärte Romanowski. Er ist davon überzeugt, dass sich damit das Risikomanagement gefährlicher Stoffe schrittweise verbessern wird. Das kommt, wie erhofft, dem Schutz am Arbeitsplatz ebenso zugute wie auch dem Umwelt- und Verbraucherschutz.

Chemikalienverordnung Reach bleibt eine Daueraufgabe

Doch Reach ist und bleibt eine Daueraufgabe. So prüft Echa stichprobenartig, ob die Dossiers vollständig sind. Wenn nicht, müssen die Firmen nachbessern. Nationale Behörden wie die BAuA bewerten dann die Dossiers. Zudem müssen einige Firmen noch Mehrgenerationenversuche mit Ratten oder Mäusen durchführen.

Chemikalien auf Herz und Nieren zu testen, ist aber aufwendig und teuer. Mehr als 2 Mrd. € kostete Hersteller und Importeure allein die erste Registrierungsphase.

„Das ist doppelt so viel, wie die EU-Kommission im Jahr 2003 geschätzt hatte“, räumt Romanowski ein. Im Schnitt mussten Firmen 50 000 € bis 100 000 € für ein Dossier zahlen. Fehlten wichtige Daten, wurde es richtig teuer. Zwar sei kein Massenstoff aufgrund der Kosten vom EU-Markt verschwunden, doch seien bei dem ein oder anderen Stoff bereits einige Anbieter abgesprungen.

So manche Fein- und Spezialchemikalie vor allem aus dem Tonnageband von 100 t bis 1000 t könne der Kosten halber aus dem europäischen Markt fallen, vermutet VCI-Chef Romanowski. Denn nur bei Massenstoffen ließen sich die Ausgaben etwa für Tierversuche auf viele Tausende Tonnen an Substanz umverteilen.

2013 beginnen die ersten Zulassungsverfahren – für die vier häufig eingesetzten Weichmacher (Phthalate), für das krebserregende Diaminodiphenylmethan (MDA), das bei der Herstellung mancher Kunstharze, Kunststoffe und Klebstoffe verwendet wird, sowie für das in der Umwelt langlebige Moschusxylol, das in großen Mengen als Riechstoff genutzt wurde.

Bislang sind bei der Echa allerdings noch keine Zulassungsanträge eingegangen. Wenn dies so bliebe, dürften die betreffenden Substanzen von der Industrie nach Ablauf der Fristen nicht mehr verwendet werden. Zwei Beispiele: Für die genannten Weichmacher fällt im August 2013 der Vorhang, für MDA und Moschusxylol sogar schon im Februar. Alle nicht genehmigten Anwendungen würden demnach in 2015 verboten.

Zulassungsverfahren sind noch Neuland. Erst kürzlich hatte die Echa vorgeschlagen, zehn weitere Substanzen der Zulassungsliste hinzuzufügen. Auch die Kandidatenliste für eine solche Zulassung wächst. Sie enthält bereits 136 Stoffe. Unter ihnen befinden sich erstmals drei Substanzen, die allergische Reaktionen in Atemwegen verursachen können.

Trotz enormen Aufwands: Industrie will Reach-Vorgaben einhalten

Der Aufwand, den die Firmen zur Erfüllung von Reach betreiben müssen, ist also enorm. Dennoch wolle die Industrie die Vorgaben einhalten und Reach abschwächen. „Unternehmen brauchen ein stabiles Umfeld“, so Romanowski. Neue Debatten im EU-Parlament und in den EU-Staaten hält er für kontraproduktiv.

Doch das Ziel ist klar: Alle kritischen Stoffe sollen künftig nur noch so eingesetzt werden, dass sie weder Mensch noch Umwelt gefährden. Bis 2020 sollten dazu alle wichtigen besonders besorgniserregenden Stoffe auf der Kandidatenliste stehen, verlangt Adolf Eisenträger vom Umweltbundesamt.

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, dies unterstützen zu wollen. Und Eisenträger fügt eine weitere Forderung an: „Natürlich sollen diese Stoffe 2020 auch bereits so weit wie möglich ersetzt sein.“

  • Ralph H. Ahrens

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