Chemie 28.10.2005, 18:41 Uhr

In China baut die Chemie Verbundstandorte im großen Stil  

VDI nachrichten, Nanjing, 28. 10. 05 – Mit jährlichen Zuwachsraten von 7 % ist China auf dem Weg zum zweitgrößten Chemiemarkt der Welt nach den USA. Schon jetzt ist das Land der größte Importeur von Chemieprodukten bei kontinuierlich steigender Nachfrage. Sowohl internationale als auch heimische Konzerne bauen deshalb gewaltige Produktionskapazitäten auf. Allein für Ethylen entstehen so 2005/2006 in China zusätzliche Kapazitäten von insgesamt rund 6 Mio. Jahrestonnen.

Bis 2015 soll sich nach Worten von BASF-Asienvorstand Andreas Kreimeyer die Zahl der potenziellen Verbraucher von Chemieprodukten in China nahezu verzehnfachen. Dann wird das Land der zweitgrößte Chemiemarkt weltweit sein mit jährlichen Zuwachsraten von 7 %. Als potenzielle Verbraucher von Chemieprodukten gelten dabei Personen mit einer Kaufkraft von jährlich mindestens 10 000 $ – 2001 fielen bereits 76 Mio. Chinesen in diese Kategorie.

Durch den Konsumboom hat sich allein im vergangenen Jahrzehnt der Chemieverbrauch nach Angaben des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Frankfurt/Main, schon mehr als verdreifacht. Die Investitionslust ausländischer Anbieter steigert dazu noch die zweite Prognose: Bis 2015 bleibt das Land Netto-Importeur von Chemikalien. Entsprechend groß haben sich die internationalen Konzerne mit ihren Direktinvestitionen in China aufgestellt. Vier Jahre nach dem ersten Spatenstich ist z. B. jüngst der 2,9 Mrd. $ teure Verbundstandort von BASF AG, Ludwigshafen, und Sinopec in Nanjing (Provinz Jiangsu) angelaufen.

BASF-Chef Jürgen Hambrecht bezeichnete das Projekt als „außerordentlichen Erfolg“ und versprach, China sichere die Zukunft europäischer und deutscher Standorte. Dabei soll bis 2010 das Asiengeschäft der BASF bereits 20 % zum weltweiten Konzernumsatz und -ergebnis beitragen – die Hälfte davon soll allein aus China kommen. Zum Start der neuen Anlage Ende September kündigten die Ludwigshafener eine Aufstockung ihres Investitionsetats für Schlüsselregionen in Asien an. Bis 2009 soll nochmals 1 Mrd. € bereitgestellt werden.

Zum 220 ha großen Verbundstandort im Nanjing Chemical Industry Park gehören nach Ludwigshafener Vorbild ein GUD-Kraftwerk (Gas und Dampf), ein eigener Hafen am Jangtse und neun Anlagen für Chemieprodukte wie etwa den Kunststoff LDPE (Low Density Polyethylen), EO/EG (Ethylen Oxid/Ethylene Glykol), Acrylsäure und Acrylester. Herzstück ist der Steamcracker, der Naphtha mittels Dampf aufspaltet in Ethylen und Propylen, die unter anderem für die Herstellung von Kunststoffen benötigt werden. Der Standort ist auf eine Jahreskapazität von 1,7 Mio. t Chemieprodukte ausgelegt, weitere Ausbaustufen wie eine Optimierung der Produktionsleistung um 25 % sind bereits geplant.

Das Nanjinger 50:50-Jointventure ist für BASF die größte Auslandsinvestition in der Unternehmensgeschichte. Im Vergleich mit den internationalen Wettbewerbern, die in China tätig sind, rangiert das Verbundwerk damit in einer Größenordnung mit Projekten von BP/Sinopec und Shell Nanhai BV/China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Die Chinesen wollen mit dem Verbundstandort in Nanjing nach den Worten von Wang Tianpu, Präsident der China National Petrochemical Corporation (Sinopec), nun vor allem international wettbewerbsfähig werden, den technologischen Abstand zu den Weltmarktführern reduzieren und die nötige Managementkompetenz durch die Partner verbessern.

Sinopec unterhält deshalb gleich mehrere Partnerschaften. Zeitgleich mit dem Nanjinger Verbundstandort ist die Produktion des SECCO-Jointventure von Sinopec und BP East China gestartet. Das 2,7 Mrd. $ schwere Projekt soll jährlich 2,28 Mio. t Chemieprodukte in Chinas Markt drücken.

Ebenfalls in diesem Jahr soll die Produktion von Shell Nanhai BV und der chinesischen Firma CNOOC Petrochemicals Investment Ltd. in der Provinz Guangdong (östlich von Hongkong) mit einer Jahresproduktion von rund 2,3 Mio. t anlaufen. Das Shell-CNOOC-Joint Venture will damit eigenen Angaben zufolge einen Jahresumsatz von 1,7 Mrd. Dollar erreichen. Alle Projekte sollen ausschließlich den chinesischen Markt versorgen. Aber nicht nur die internationale Konkurrenz wird härter. „Es gibt sehr starke lokale Wettbewerber, darunter unsere Partner“, sagt BASF-Chef Hambrecht und ergänzt, dass Sinopec vor allem in Nanjing klar der Konkurrent Nummer 1 bei Basischemikalien sei.

Knapp 60 % des Chemieumsatzes in China ruhen auf den Säulen Basischemikalien und Polymere. Bei Spezialchemikalien wird das stärkste Zuwachspotenzial in den kommenden zehn Jahren gesehen.

Trotz bisher hoher Direktinvestitionen dürften Kooperationen mit wichtigen chinesischen Unternehmen in Zukunft kein Heimspiel sein, wie Colin McKendrick, Manager von Shell Chemicals in Nanhai, auf der Jahreskonferenz der Chemischen Industrie in China Mitte September erklärte. In Schlüsselindustrien müssten ausländische Partner Dinge in die Partnerschaft einbringen, die für die chinesische Regierung und die Unternehmen in China einen klaren Wert darstellten. Mit steigender Erfahrung der chinesischen Unternehmen werde es aber ständig schwieriger, als Partner „attraktiv zu sein“, hob McKendrick hervor.

Vom Chemiewachstum im Land profitieren nicht zuletzt Lizenzgeber. So erhielt beispielsweise der Technologiekonzern Linde, Wiesbaden, Mitte September von PetroChina International den Zuschlag, Lizenzgeber des Herstellverfahrens und Lieferant von Komponenten für Chinas größte Ethylenanlage zu sein. Der Auftragswert beläuft sich nach Unternehmensangaben auf 140 Mio. $. Die Produktion in Xinjiang im Nordwesten Chinas wird voraussichtlich 2008 aufgenommen werden. Jährlich soll der Mega-Cracker 1 Mio. t Ethylen und 500 000 t Propylen produzieren. ANJA FELDMANN/Si

Von Anja Feldmann/Jürgen Siebenlist

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