Chemikalien 26.06.2009, 19:41 Uhr

EU will künftig besonders gefährliche Biozide verbieten  

Die EU regelt jetzt die Vermarktung und Anwendung von Bioziden neu. Krebserregende Wirkstoffe sollen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein. Gesundheitlich wenig bedenkliche Biozide hingegen sollen zentral zugelassen und damit behandelte Produkte gekennzeichnet werden. VDI nachrichten, Hamburg, 26. 6. 09, ber

Zum anderen soll das Zulassungssystem umgekrempelt werden. Neue Wirkstoffe sowie Biozide mit geringem Risiko für Mensch und Umwelt sollen zentral durch die Europäische Chemikalienbehörde in Helsinki geprüft und bewertet werden.

Die Kommission gibt damit jenen Firmen einen Wettbewerbsvorteil, die unbedenklichere Substanzen und Produkte einführen. Denn bislang ist die Zulassung Aufgabe nationaler Behörden. So muss heute ein Unternehmen in jedem einzelnen EU-Staat, in dem es etwa ein Schädlingsbekämpfungsmittel verkaufen will, eine Zulassung beantragen.

Diese Vereinfachung geht dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) nicht weit genug. Um den Unternehmen bürokratischen Aufwand zu ersparen, wäre eine zentrale Zulassung für alle Biozide sinnvoll.

Die Kommission stoppt zudem „Trittbrettfahrer“, also Firmen, die Wirkstoffe einsetzen, ohne am teuren und aufwendigen Prüfprogramm teilzunehmen. Ab 2014 sollen Hersteller von Bioziden belegen, dass sie sich finanziell an der Prüfung beteiligt haben. Ab 2015 dürfen ihre Produkte andernfalls nicht mehr vermarktet werden.

Die Kommission handelt hier aber nur halbherzig, da sie den Parallelhandel ermöglicht: Hersteller dürfen Biozide in ein EU-Land einführen, wenn ihr Biozid mit einem dort zugelassenen Biozid identisch ist. „Trittbrettfahrer können dann ohne irgendeinen eigenen Aufwand sofort eine Verkehrsfähigkeitsbescheinigung erhalten“, sagte Jürgen Gutknecht, unabhängiger Biozid-Experte aus Alzey, Rheinland-Pfalz. Aus seiner Sicht führt die Kommission hier ein Schlupfloch für Firmen ein, die sich weiterhin nicht an den Prüfkosten beteiligen.

Die Kommission will zudem ein Biozid-Label einführen. Ab 2013 sollen Produkte wie Lederwaren, Teppiche oder Textilien, die mit Bioziden behandelt sind, entsprechend gekennzeichnet werden. Das gilt auch für importierte Produkte.

Die Kommission will damit erreichen, dass nur Produkte vermarktet werden, die mit in der EU zugelassenen Wirkstoffen behandelt sind. Das Label stärkt damit auch den Einfluss von Verbrauchern.

Schließlich sollen Hersteller, Importeure und gewerbliche Anwender erstmals dokumentieren, wie viel Biozide sie vermarkten oder anwenden. Die Aufzeichnungen müssen sie drei Jahre lang aufbewahren.

Das ist PAN-Expertin Smolka zu wenig. Ihr Vorbild ist die neue EU-Rahmenrichtlinie für den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden. Diese verlangt ein integriertes Schädlingsmanagement, EU-harmonisierte Standards für die Sachkunde professioneller Anwender sowie die Verpflichtung aller Mitgliedsstaaten, Reduktionsziele und Zeitpläne zu entwickeln.

Bei vergleichbaren Regelungen im Biozidbereich könne die Anwendung deutlich reduziert werden, so Smolka. Zwei Beispiele: „Wir brauchen keine Desinfektionsmittel zu Hause.“ Und befallen Schaben eine Wohnung, sollte man den Profi fragen. RALPH AHRENS

Ein Beitrag von:

  • Ralph H. Ahrens

    Chefredakteur des UmweltMagazins der VDI Fachmediengruppe. Der promovierte Chemiker arbeitete u.a. beim Freiburger Regionalradio. Er absolvierte eine Weiterbildung zum „Fachjournalisten für Umweltfragen“ und arbeitete bis 2019 freiberuflich für dieverse Printmedien, u.a. VDI nachrichten. Seine Themenschwerpunkte sind Chemikalien-, Industrie- und Klimapolitik auf deutscher, EU- und internationaler Ebene.

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