Chemie 03.02.2006, 18:42 Uhr

Erste Schritte in eine giftfreie Welt  

SAICM, Strategic Approach to International Chemical Management, wurde schon seit Jahren vorbereitet. Das Aktionsprogramm soll helfen weltweit sicherzustellen, dass im Jahr 2020 von der Handhabung von Chemikalien keine Gefahren mehr ausgehen.

Eine Welt ohne Chemieprodukte ist undenkbar. „Wir wissen aber auch, dass damit Gefahren für Gesundheit und Umwelt verbunden sein können“, betont Klaus Töpfer, Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).

Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern setzen immer wieder Pestizide ein, die in der EU aufgrund ihrer Gefährlichkeit verboten sind, und tragen dabei nicht einmal Schutzkleidung. In Gewerbe und Industrie wird ebenso häufig sorglos mit Chemikalien umgegangen. So arbeiten Menschen in Gerbereien oft ohne Schutz mit giftigen Chromlösungen.

Ist Wirtschaftswachstum in diesen Ländern also giftig? Man könnte es meinen, aber es sollte nicht so sein. Auf dem Nachhaltigkeits- und Entwicklungsgipfel in Johannesburg im Sommer 2002 erhielten die Vereinten Nationen (UNO) den Auftrag, „alles daran zu setzen, dass 2020 Chemikalien nur so genutzt werden, dass von ihnen keine negativen Auswirkungen ausgehen“, erinnert sich Töpfer.

Um das zu erreichen, ringen Fachleute aus interessierten Staaten, Industrie- und Umweltschutzverbänden seit Oktober 2003 um die beste Strategie, um Mensch und Umwelt vor gefährlichen Chemikalien zu schützen. Dieser globale Chemie-Aktionsplan heißt SAICM (Strategic Approach to International Chemical Management). SAICM sei ehrgeizig, so Töpfer. Es gehe nicht darum, wie bisher einige gefährliche Chemikalien zu regeln (siehe Kasten): „Wir wollen, dass alle Chemikalien überall sicher eingesetzt werden.“

Eine Herkulesaufgabe, weiß Töpfer. Die Länder Afrika, Asien und Lateinamerika stellen immer mehr Chemikalien her und setzen sie ein. Viele dieser Staaten sind aber nicht in der Lage, ihre Bevölkerung vor gefährlichen Stoffen zu schützen, trotz erlassener Gesetze und verantwortlicher Behörden. Denn diese Gesetze werden oft nur rudimentär umgesetzt und kontrolliert.

Vor Ort mangelt es an Fachleuten und technischen Möglichkeiten, also Messgeräten und Laboratorien, um an den Landesgrenzen oder im Inland Fässer und andere Behälter, die Chemikalien enthalten, auf ihren Inhalt zu überprüfen. Was nützen Grenzwerte, etwa für Dioxin-Emissionen aus Schornsteinen von Müllverbrennungsanlagen, deren Einhaltung keine Behörde kontrollieren kann? Die Chemieelite wird in Dubai mehr als 260 Maßnahmen vorschlagen, besonders um Entwicklungs- und Schwellenländern zu helfen, selber sicherer mit Stoffen umgehen zu können.

Das Maßnahmenbündel teilt sich in fünf Bereiche auf: Die Risiken durch den Einsatz möglichst ungefährlicher Chemikalien sollen geringer werden mehr über Eigenschaften der Stoffe und die Folgen ihres Einsatzes soll bekannt werden und weitervermittelt werden. Künftig sollen vernünftige Gesetze erlassen, die Verwaltungen ausgebildet sowie der illegale Handel mit Chemikalien bekämpft werden.

Konkret: Kinder sollen nicht mehr mit gefährlichen Stoffen arbeiten müssen, Blei soll weltweit aus Kraftstoffen verschwinden. Die Branche möge umweltfreundliche Technologien entwickeln und sie auch den Ländern des Südens und Ostens zur Verfügung stellen. Weitere Vorschläge sind strittig. So fordert das Internationale Netzwerk von Umweltverbänden zur Eliminierung der schlimmsten Umweltgifte IPEN (International Pops Elimination Network), einen Fonds für das umweltfreundliche Aufräumen von Altlasten einzurichten.

Der Knackpunkt. Alle Maßnahmen, die der Verwaltungsrat der UNEP voraussichtlich am Dienstag offiziell annehmen will, sind unverbindlich. Klaus Töpfer glaubt dennoch, dass die Welt mit SAICM sicherer wird, denn am Prozess nehmen Vertreter von Wirtschaft und Umweltschutzorganisationen teil.

„Für SAICM gibt es eine breite Akzeptanz“, wirbt Töpfer. Chemiefirmen können sich im globalen Handel keine Skandale erlauben. „Wir brauchen die Wirtschaft, sie muss ja die Alternativen entwickeln und vermarkten“, ergänzt Töpfer. Und die Firmen sind innovativ: Es gibt immer noch Schaumstoffe, obwohl FCKW verboten wurden.

Die Chemieindustrie präsentiert sich in Dubai gleich zweimal als Vorreiter. So wird der Internationale Rat der Chemieverbände ICCA (International Council of Chemical Associations) seine Responsible Care-Global Charter vorstellen, eine weltweite Initiative, in der die Mitgliedsverbände zusagen, dass ihre Mitgliedsfirmen die Anlagensicherheit erhöhen und den Umwelt- und Arbeitsschutz verbessern.

Mit der Global Product Strategy verspricht das ICCA unter anderem, dass diese Firmen ihren Teil der Verantwortung für den sicheren Umgang ihrer Produkte entlang der Wertschöpfungskette weltweit übernehmen.

„Wir brauchen viele Milliarden Dollar“, erklärt Jack Weinberg von IPEN den Haken an SAICM. Es werde nicht ausreichen, wenn ein Industrieland wie Deutschland oder ein multilateraler Fonds hier und dort ein Entwicklungsland unterstützt. „Wir brauchen eine zuverlässige Geldquelle, etwa eine nationale Steuer auf Herstellung oder Gebrauch von Chemikalien.“

Doch Geld ist überall knapp. „Jeder Staat hält sich bislang vornehm zurück“, erklärt Ulrich Schlottmann vom Bundesumweltministerium, dort verantwortlich für internationale Chemikaliensicherheit. Es ist jedoch nicht so, dass SAICM nur Industrieländer in die Pflicht nehmen wird. Entwicklungs- und Schwellenländern müssten auch selber aktiv werden, betont Klaus Töpfer. SAICM werde nur dann erfolgreich, wenn die Regierungen die Korruption bekämpften und wenn Menschen aus unteren Schichten eine Chance bekämen. RALPH AHRENS

Von Ralph Ahrens

Stellenangebote im Bereich Chemieingenieurwesen

J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG-Firmenlogo
J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG Ingenieur (m/w/d) Verfahrenstechnik und Anlagenbau Vertriebsunterstützung im Bereich Filtration Rosenberg
J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG-Firmenlogo
J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG Senior Projekt- und Planungsingenieur (m/w/d) – Fachrichtung Verfahrenstechnik / Chemieingenieurwesen – Rosenberg
IHI Hauzer Techno Coating-Firmenlogo
IHI Hauzer Techno Coating Process Engineer (m/f) Cromatipic Plant Barcelona, Spain Barcelona (Spanien)
Hengst SE-Firmenlogo
Hengst SE Praktikant / Masterand zur Erstellung einer Abschlussarbeit im Bereich der Produktvorentwicklung (m/w/d) Münster
Dyneon GmbH-Firmenlogo
Dyneon GmbH Application Engineer – Fluoroplastic Solutions (m/w/d) Burgkirchen, Gendorf
HUGO PETERSEN GmbH-Firmenlogo
HUGO PETERSEN GmbH Ingenieur (m/w/d) Prozess- und Verfahrenstechnik Wiesbaden
Hochschule Darmstadt-Firmenlogo
Hochschule Darmstadt Professur (W2) Fachgebiet: Verfahrenstechnik Darmstadt
Water & Wastewater Technic WWT GmbH-Firmenlogo
Water & Wastewater Technic WWT GmbH Vertriebsingenieur (m/w/d) Großraum München, Gebiet Nordbayern, Würzburg, Schweinfurt (Home-Office)
AVISTA OIL Deutschland GmbH-Firmenlogo
AVISTA OIL Deutschland GmbH Betriebstechnologe / Betriebsingenieur (Mensch)* Uetze
THEVA Dünnschichttechnik GmbH-Firmenlogo
THEVA Dünnschichttechnik GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) Ismaning

Alle Chemieingenieurwesen Jobs

Top 5 Chemie