Elastomere 02.07.2010, 19:47 Uhr

Elastischer Kautschuk stellt sich dem ökologischen und ökonomischen Härtetest

Die wirtschaftliche Krise am Kautschukmarkt ist vorbei. In der steigenden Nachfrage nach hochwertigen Gummiprodukten für die Automobil- und Pharmaindustrie vor allem in Asien sieht Lanxess seit Ende 2009 die treibende Kraft für das Wachstum in seinem Kerngeschäft Synthesekautschuk. Der Leverkusener Spezialchemiekonzern investiert deshalb in neue Produktionskapazitäten in dieser aufstrebenden Wirtschaftsregion. Zudem verleihe der Trend zum „grünen“ Reifen dem bereits spürbaren Kautschukaufschwung weitere Expansionskraft.

Der Wachstumsmarkt Asien trägt den Aufschwung im weltweiten Kautschukmarkt. „Wir gehen davon aus, dass sich der positive Trend fortsetzt“, erklärte Guenther Weymans, Leiter der Geschäftseinheit Technische Gummiprodukte der Lanxess AG, am 16. Juni auf der Vorpressekonferenz des Leverkusener Spezialchemiekonzerns zur internationalen Kunststoffmesse „K 2010“ vom 27. Oktober bis 3. November in Düsseldorf. Dabei werde vor allem die Bedeutung Chinas weiter wachsen.

„Der chinesische Markt wächst zweistellig – keiner wächst derzeit schneller“, betonte Weymans beim „K 2010-Preview“ der Messe Düsseldorf. Das wirke sich auch auf die Gummi-Nachfrage aus. „Schon heute kommen 30 % der weltweiten Reifennachfrage aus der Region Asien/Pazifik“, so Weymans. Darum habe Lanxess auch die weltweite Zentrale für Butyl-Rubber in Singapur angesiedelt. Wichtigstes Wachstumszeichen sei jedoch der Bau der neuen Butylkautschukanlage an diesem Wirtschaftsstandort.

Der erste Spatenstich war im Mai diesen Jahres. In Betrieb gehen soll die für eine Produktionskapazität von jährlich 100 000 t ausgelegte Anlage im ersten Quartal 2013. Mit 400 Mio. € Baukosten ist sie laut dem Lanxess-Vorstandsvorsitzenden Axel Heitmann „die bisher größte Investition“ in der inzwischen fünfjährigen Unternehmensgeschichte.

Da insbesondere in Asien die Mobilität der Menschen weiter zunehmen wird, rechnet der Chemiekonzern in den kommenden Jahren für den Butylkautschukmarkt mit Wachstumsraten von über 3 %. Die größte Einsatzmöglichkeit liege in der Herstellung von „Innerlinern“, der innersten Lage eines Reifens, die verhindere, dass Luft entweicht.

Wachsendes Umweltbewusstsein und die Ölpreisentwicklung sind zudem gerade dabei, das klassische Gummiprodukt Fahrzeugreifen – in dieses Einsatzfeld fließen etwa 60 % des weltweit verbrauchten Kautschuks – „rundzuerneuern“ und für neue Wachstumsimpulse zu sorgen, wie die Düsseldorfer Messe in ihrer K 2010-Vorschau hervorhob. Da nach den Angaben von Lanxess derzeit noch bis zu 30 % des Kraftstoffverbrauchs auf das Konto der Reifen geht, besteht in diesem klassischen Kernmarkt auch heute noch ein immenser Bedarf an Innovationen. Zum Beispiel gelang es den Kautschukspezialisten, neuartige Styrolbutadien-Kautschuke über Silane mit dem Füllstoff Silica zu kombinieren. „Aktuelle Reifen weisen um 20 % bessere Rollwiderstandswerte auf als die Vorgängergeneration“, erklärte Weymans und hinsichtlich der technischen Weiterentwicklung ergänzt der Kautschukexperte: „Wir glauben, dass sich dieser Wert noch einmal um 10 % verbessern lässt – mit Werkstoffen und Konzepten, die Lanxess bereits heute in petto hat.“

Gesetzliche Regelungen, die den Kunden helfen sollen, Energieverschwender zu meiden, werden künftig die wichtigsten weltweiten Reifenmärkte verändern, davon sind die Leverkusener Kautschukspezialisten überzeugt. So werde beispielsweise die EU im Jahr 2012 das „Tire Labelling“ einführen und so vergleichbar zum Elektrogerätemarkt dafür sorgen, dass sich auch das Reifengeschäft „grüner“ entwickeln kann. Reifen der Kategorie A sollen danach einen um rund 40 % geringeren Rollwiderstandswert haben als solche der Kategorie G. Weymans: „Damit lassen sich rund 10 % Kraftstoff einsparen.“ Derzeit fielen die meisten der aktuellen Hochleistungsreifen noch in die Kategorie C.

Noch schneller als die Nachfrage nach Reifen entwickelt sich die nach guter medizinischer Versorgung. So sind beispielsweise Pharmastopfen bei Lanxess heute die größte Nichtreifenanwendung für die Butylkautschuke des Herstellers. Im vergangen Jahr hat sich der Pharmaanteil am Butylgeschäft von rund 5 % auf etwa 10 % verdoppelt. Denn die Pharmaindustrie ist laut Weymans „eine der wenigen Branchen weltweit, die unter der Wirtschaftskrise nicht gelitten hat.“ Halobutylstopfen hätten zum Beispiel Schweinegrippe-Impfstoffe unbeschadet in die Arztpraxen gebracht. Die Stopfen mussten gasdicht, kälteflexibel und frei von migrierenden Substanzen wie Weichmachern sein – quasi so unempfindlich wie Glas, nur elastisch. Mittlerweile seien Halobutylkautschuke auch in China gesetzlich vorgeschrieben. Auch für Indien wird dies laut Weymans diskutiert. Asien sei für das Pharmageschäft besonders wichtig, denn hier sitzen einige der größten Pharmastopfenhersteller der Welt. Auch große westliche Produzenten ließen diese Produkte dort fertigen. J. SIEBENLIST

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

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