Chemie 01.05.2009, 19:40 Uhr

Eine Welt ohne DDT ist möglich  

Auf einer internationalen Chemikalienkonferenz wird nächste Woche in Genf darüber beraten, wie Alternativen zu DDT zu entwickeln wären. Bis 2020 könnte auf das Insektengift verzichtet werden, glauben Fachleute des Sekretariats des Stockholmer Übereinkommens. VDI nachrichten, Genf, 30. 4. 09, ber

Nächste Woche beginnt der planmäßige Ausstieg aus der Anwendung des Insektizids DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan). Auf der vierten Vertragsstaatenkonferenz des Stockholmer Übereinkommens beraten Umwelt- und Gesundheitsexperten über eine globale Partnerschaft, um Alternativen für die Malariabekämpfung zu finden.

Paul Whylie vom Sekretariat des Übereinkommens hält einen weltweiten DDT-Verzicht bis 2020 für möglich. Fachleute der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden sich an der Diskussion beteiligen. Ein langer Streit um DDT scheint damit zu Ende zu gehen.

DDT polarisiert. Die einen sagen, es sei unverzichtbar, um Moskitos, die Malariaerreger übertragen, zu bekämpfen. Immerhin sterben mehr als 800 000 Menschen – überwiegend Kinder aus Afrika südlich der Sahara – an dem Sumpffieber. Andere betonen, dass DDT sich unnötigerweise im Blut von Eisbären und Inuit wiederfindet.

Dieser Streit spiegelt sich auf internationaler Ebene wider. Einerseits setzt die WHO im Kampf gegen Malaria auf DDT. Andererseits haben die Vereinten Nationen durch das Stockholmer Übereinkommen über langlebige organische Schadstoffe den Einsatz dieser Substanz geächtet. Das Übereinkommen erlaubt zwar, DDT zur Malariabekämpfung einzusetzen, diese Ausnahme aber wird regelmäßig überprüft.

Die starren Fronten sind dabei aufzubrechen. Die WHO ist besorgt: Untersuchungen aus Staaten, in denen DDT auf Innenwände von Häusern gesprüht wird, weisen auf gesundheitliche Folgen hin. Carina Weber, Geschäftsführerin von Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) in Hamburg, spricht von Verweiblichung männlicher Embryonen, Frühgeburten und einer Verkürzung von Stillzeiten. Die WHO checkt diese Studien und will ihre neue Risikobewertung Anfang 2010 abschließen.

Die geplante globale Partnerschaft soll einen Aktionsplan entwickeln, um alle Ansätze im Kampf gegen Malaria zu bündeln. Dazu zählt, neue Insektizide, Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Hier sind bald Fortschritte zu erwarten: Ein Impfstoff von GlaxoSmithKline speziell für Kinder hat die letzte Phase der klinischen Prüfungen erreicht. Er soll bis 2012 zugelassen werden und die Zahl schwerer Malariafälle halbieren.

Ein neuer Impfstoff allein löst das Problem aber nicht. Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA), beklagt das Fehlen funktionierender Gesundheitssysteme in vielen Ländern Afrikas: „Die katastrophale medizinische Infrastruktur sorgt allzu oft dafür, dass Hilfsmaßnahmen die meisten Betroffenen nicht erreichen.“

Weber hofft indes, dass durch den Aktionsplan auch Hygiene- und Umweltmaßnahmen konsequent gefördert werden. Vorbild ist Mexiko. Das Land hatte DDT bis 1999 eingesetzt, dann aber ein Malariakontrollprogramm ohne das Insektizid entwickelt und konsequent umgesetzt. Bettnetze wurden verteilt, Innenwände mit Pyrethroiden besprüht, infizierte Menschen behandelt und Brutstätten der Moskitos beseitigt. Dieser systematische Ansatz mit den Menschen vor Ort ist auch in Afrika erfolgreich. In Malindi, einem Ort in Kenia, konnte so die Häufigkeit, an Malaria zu erkranken, innerhalb kurzer Zeit ohne DDT um 30 % gesenkt werden.

„Jeder chemische Ansatz stößt an Grenzen“, betonte Weber. Mücken werden gegen Insektizide resistent, Parasiten gegen Medikamente. In 15 Staaten übertragen Mücken, die sich mit DDT nicht bekämpfen lassen, Malariaerreger. In Südostasien sind Parasiten zum Teil gegen das Medikament Artemisinin resistent. Dabei soll es sich nach VfA-Angaben zwar nicht um eine Totalresistenz handeln, die nötige Dauer einer Behandlung habe sich aber verlängert.

Für Carina Weber sprechen diese Beispiele dafür, stärker auf vorbeugende Maßnahmen zu setzen. Das sei kein Plädoyer gegen Insektengifte, ergänzte Weber: „Wir brauchen sie bei großen Überschwemmungen oder Bürgerkriegen – also dann, wenn die soziale Ordnung zusammenbricht.“ RALPH AHRENS

Von Ralph Ahrens
Von Ralph Ahrens

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