Chemie 12.03.2004, 18:29 Uhr

Dieser Job läuft wie geschmiert

„Ich habe schon ziemlich viel erreicht“, resümiert sie. Und Michael Schumacher fährt die Formel 1 mit „ihrem“ Getriebeöl.

Martina Finke-Höppner ist froh, dass sie ihren Laptop heute schon um 7 Uhr morgens eingeschaltet hat. Das Update vom Intranet der Shell Deutschland Oil GmbH verlief problemlos. Als sich die meisten Hamburger Kollegen ein bis zwei Stunden später einloggen und das System blockiert, hat die Projektingenieurin für Getriebeöle bereits ihre E-Mails erledigt und sich einen Überblick über das weltweite Geschäft mit Schmierstoffen geschaffen. Normalerweise beginnt der Arbeitstag der 36-Jährigen zwischen 8 und 9 Uhr in der Früh. Was aber ist schon normal in einem internationalen Unternehmen?
„Ich habe Kunden und Kollegen in den USA oder Japan“, erklärt die Chemie-Ingenieurin, die fließend Englisch spricht. „Da kommt es manchmal zu abenteuerlichen Zeiten für eine Telefon- oder Videokonferenz.“ Mit Japan unterhält sie sich am Morgen im Büro, mit Amerika nach der Tagesschau zu Hause. Die notwendige Technik stellt der Arbeitgeber allen Führungskräften zur Verfügung. Flexibilität gehört ebenso zum Job wie eigenverantwortliches Handeln und Disziplin. „Es ist ein Riesenvorteil, dass ich von zu Hause aus arbeiten kann“, findet die zweifache Mutter. So kommen die Kinder trotz hoher Arbeitsbelastung der Eltern nicht zu kurz. Neben den Freiheiten sieht Finke-Höppner allerdings auch die Gefahr, niemals Feierabend zu haben und nicht abschalten zu können. „Mein Amerika-Projekt fängt erst gegen 20 Uhr richtig an zu leben“, sagt sie lachend. Selbst wenn sie bis spät abends arbeitet, ist der Mail-Briefkasten am nächsten Morgen voll.
Martina Finke-Höppner gehört zum vierköpfigen Team Getriebeöl des PAE-Labors in Hamburg Harburg. Der Betrieb für Produkte, Anwendung und Entwicklung (PAE) ist eines von sieben Laboratorien des weltweiten Forschungsverbundes Shell Global Solutions. An der Elbe beschäftigen sich rund 160 Mitarbeiter mit der Forschung und Entwicklung von Erdölprodukten. Hier lässt auch die Konkurrenz ihre Kraft- und Schmierstoffe testen, denn nur noch wenige Unternehmen leisten sich die kostspieligen F&E-Abteilungen.
Geheimhaltungserklärungen ermöglichen diesen Geschäftsbereich. Martina Finke-Höppner ist zuständig für die Entwicklung zukünftiger CVT-Getriebeöle und die Optimierung des Schmierstoffes für Schumachers Ferrari – beides zu je 50 % bei einer 30-Stunden-Stelle. „Die Formel 1 ist im Grunde ganz normale Projektarbeit“, sagt die erfahrene Ingenieurin, die seit 1995 bei Shell verschiedene Produkte entwickelt hat. Das bedeutet auf der technischen Seite: Ergebnisse sichten, bewerten, interpretieren, mit Kollegen diskutieren, neue chemische Formulationen erarbeiten und zum Test ins Labor geben. Auf der betriebswirtschaftlichen Seite stehen Budgetverwaltung, Marktanalyse und Kundenpflege. Dazu gehört im Schnitt auch alle 14 Tage eine Dienstreise. Es geht eben doch nicht alles virtuell. Vor allem für die exklusiven Entwicklungskooperationen mit Automobilherstellern wie Audi, Porsche oder DaimlerChrysler ist der persönliche Kontakt von entscheidender Bedeutung.
Die Arbeit in Sachen Ferrari ist jedoch schon etwas Besonderes. Im vergangenen Jahr verbrachte sie drei Tage beim Weltmeisterschaftsrennen in Monaco. „Das war toll, mitten drin im Geschehen zu sein“, meint die Frau, die sich bis vor zwei Jahren kaum für Motorsport interessierte. Dann bekam sie die Projektleitung angeboten, brach den Erziehungsurlaub ihrer zweiten Tochter vorzeitig ab und entwickelte das neue Getriebeöl, mit dem Schumacher 2003 den Großen Preis von Montreal gewann. Inzwischen sieht sie die Rennen mit anderen Augen, weil sie weiß, welchen Aufwand rund 40 Kollegen weltweit für die Optimierung von Kraft- und Schmierstoffen für den Rennsport betreiben. Und weil ihre eigene Arbeit drin steckt.
Egal ob Formel 1 oder neue Getriebetechnik: Es geht immer darum, die optimale Lösung für die gegebenen Anforderungen zu finden. „Ich habe unendlich viele Stellschrauben, an denen ich ansetzen kann“, erklärt Martina Finke-Höppner, während sie im Labor die verschiedenen Bestandteile eines Öls zeigt: mehrere Grundöle und eine Reihe von Additiven wie Antischaumbildner, Viskositätsverbesserer, Reibminderer oder Antioxydant. Die Geräte in dem gekachelten Raum brummen und knacken, in den Apparaturen hinter dem Sicherheitsglas brodeln bunte Flüssigkeiten vor sich hin.
Auch nach neun Jahren als Projektingenieurin, einem Studium an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg und der zweieinhalbjährigen Ausbildung zur Chemielaborantin ist die 36-jährige Martina Finke-Höppner von den Prozessen im Labor immer noch begeistert: „Schon als Kind fand ich es klasse, wenn es in den Reagenzgläsern blubberte“, sagt Martina Finke-Höppner. Ihre Augen blitzen hinter der großen Schutzbrille, die im Labor Pflicht ist. Entscheidend für ihre Karriereplanung war offensichtlich der Chemiebaukasten, den ihre Töchter auf jeden Fall bekommen werden. Die Mutter findet sich in der Männerwelt des Ölgeschäfts gut zurecht. Auch wenn sie im PAE-Labor als Frau zu einer 12 %igen Minderheit gehört, ist sie mit ihrer Berufswahl rundum zufrieden. „Ich habe schon ziemlich viel erreicht“, resümiert sie und möchte zunächst ihre Projekte fortführen. In einigen Jahren könnte sie sich dann vorstellen, ins Produktmanagement zu gehen. „Dafür muss ich aber noch flexibler sein“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Noch sieht sie keine Chance, ihr Arbeitspensum zu erhöhen, mehr und längere Dienstreisen anzutreten oder womöglich ins Ausland zu gehen. Vielleicht klappt das, wenn die Kinder etwas größer sind. CONSTANZE BANDOWSKI

Von Constanze Bandowski Tags:

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