Chemieproduktion 07.08.2009, 19:42 Uhr

Chemie steigert ihre Produktion in Asien  

Die Chemie-Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau, doch die Früchte des Aufschwungs der letzten Jahre sind dahin. Flexibilität ist deshalb nach Ansicht von Marktanalysten jetzt Trumpf, damit die wirtschaftliche Perspektive in der Branche künftig wieder stimmt. VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 8. 09, Si

Seit einigen Wochen weisen einige Konjunkturindikatoren für die deutsche Chemieindustrie wieder nach oben. Doch aus Sicht des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (Bavc), Wiesbaden, besteht damit noch kein Grund zur Entwarnung. Denn die vom Verband der Chemischen Industrie (VCI), Frankfurt/Main, jüngst vorgestellten ökonomischen Fakten des ersten Halbjahres sprächen für sich.

„In den ersten sechs Monaten ging die Chemieproduktion gegenüber dem noch guten ersten Halbjahr 2008 um 15,5 % zurück. Die Kapazitätsauslastung der Anlagen markierte mit nur 72 % einen neuen Tiefststand. Wir bewegen uns damit heute in etwa auf dem Produktionsniveau von 2003“, das erklärte VCI-Präsident Ulrich Lehner am 8. Juli bei der Vorlage der Branchenkennzahlen für das erste Halbjahr.

Das Jahr 2009 hat damit nach Ansicht der Chemiearbeitgeber alle Chancen, als „schreckliches Jahr“ in die Wirtschaftsgeschichte der deutschen Chemie einzugehen. Man müsse schon bis zur ersten Ölkrise und ihren Folgen zurückgehen, als die Branche mit 12,3 % (1975) einen ähnlichen Produktionseinbruch verdauen musste wie den jetzt vom VCI prognostizierten 10-%-Rückgang.

Dennoch sieht Lehner einen Lichtschimmer beim Blick nach vorne: „Unsere Unternehmen rechnen jetzt mit einer leichten Belebung des Chemiegeschäfts in der zweiten Jahreshälfte“, erklärte der VCI-Präsident in Frankfurt und zeigte sich zugleich davon überzeugt, dass die chemische Industrie in Deutschland „hervorragende Chancen hat, aus dieser Krise gestärkt und noch leistungsfähiger hervorzugehen“.

„Jetzt ist es Zeit, die eigene Unternehmensstrategie grundlegend zu überdenken“, kommentierte Enrik Schiller, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche, München, den Produktionsrückgang um 10 %. Denn die Flexibelsten stehen nach der Krise am besten da, wie das Consultingunternehmen in seinem Ausblick „Adapting to a changing landscape“ für die chemische Industrie konstatiert hat.

Entscheidend wird laut den Branchenexperten sein, ob sich die Chemieunternehmen den raschen und kaum vorhersehbaren Veränderungen des Markts stellen können – von der flexiblen Synchronisierung der Nachfrage und Produktion bis hin zu einer intensivierten Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Sicher scheint nach dem Deloitte-Ausblick: Es wird insgesamt weniger Produktionsstätten geben und die Kapazitäten westlicher Anbieter werden sich beschleunigt vor allem nach Asien verlagern. Denn nach dem Verlassen der konjunkturellen Talsohle werde weiterhin China der Wachstumsmotor bleiben. Wobei von den Experten eine leichte Erholung bereits für dieses Jahr antizipiert wird. In Deutschland dagegen sei eine entsprechende Entwicklung derzeit nicht sichtbar.

Auch für den Bundesarbeitgeberverband Chemie sind bereits erste Anzeichen dafür erkennbar, dass sich die Konjunktur im asiatischen Raum beleben wird. Die hohe Exportabhängigkeit der deutschen Chemie, die laut den Bavc-Informationen in der Rezessionsphase als „Fluch“ gewirkt hat, könnte sich damit künftig als „Segen“ erweisen.

Allerdings hatte die weltweite Wirtschaftskrise im ersten Halbjahr noch auf allen Exportmärkten die Nachfrage nach Chemikalien aus deutscher Produktion gedämpft, wie Lehner bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen feststellte. Laut den VCI-Informationen sanken die Exporte, die neben den Auslandsumsätzen der Unternehmen auch Reexporte sowie Chemieexporte anderer Wirtschaftszweige ins Ausland enthalten, in den ersten sechs Monaten um 12 % auf 62,3 Mrd. €.

Doch BASF-Finanzchef Kurt Bock betrachtete am 30. Juli bei der Bekanntgabe der Daten für das erste Halbjahr (Umsatzminus 23,3 % auf 24,7 Mrd. €) den Abschwung in der Chemie inzwischen als gestoppt. Getrieben durch ein wieder erstarktes Wachstum in China zog nach seinen Worten die Nachfrage im 2. Quartal in Asien wieder deutlich gegenüber dem 1. Quartal an. Da passte just in time die von der chinesischen Regierung am 1. Juli genehmigte Erweiterung des von der BASF und Sinopec gemeinsam betriebenen Verbundstandorts Nanjing bis zum Jahr 2011. JÜRGEN SIEBENLIST

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

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