Chemie 18.02.2000, 17:24 Uhr

Chemie: Ehemalige Recyclinganlage der Veba wird im Internet versteigert

Bücher, Lebensmittel, Aktien – warum also nicht auch Teile einer Chemieanlage? Die Kohleöl-Anlage in Bottrop macht den Anfang.

Bitte lächeln“, sagt der Fotograf und fixiert den Mann in Parka und Schutzhelm durch die Linse. Lächeln fällt Eberhard Pott derzeit aber gar nicht so leicht. Der Geschäftsführer der Kohleöl-Anlage (KAB) im Bottroper Norden erlebt in diesen Wochen eine unangenehme Zeit: Die Anlage wird geschlossen, rund 90 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Ende des Jahres soll hier, wo seit 1994 gebrauchte Kunststoffverpackungen des DSD chemisch in eine Art Rohöl verwandelt wurden, nichts mehr stehen. „Zu teuer“, urteilte das DSD im vergangenen Jahr über diese Art der Verwertung und bot dem Betreiber, der Veba Öl in Gelsenkirchen, einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Entsorgungsvertrag an. „Damit war das Ende besiegelt“, so Pott.
Der Diplomökonom machte aus der Not eine Tugend. Denn eine ganze Reihe von Anlagenteilen sind neuwertig und waren in der Anschaffung ausgesprochen kostspielig – zu schade also, um sie alle einfach zu verschrotten. Pott will aus der Schließung noch möglichst viel rausholen. Die Lösung: Aggregate, Geräte und Maschinen, die noch für andere Verfahren und Anlagen zu gebrauchen sind, werden verkauft und zwar übers Internet. Dazu gehören Pumpen, Kompresssoren, Schieber, Reaktoren, Wärmetauscher, Laborausrüstung, Mess- und Regeltechnik – schätzungsweise rund 15 % der Gesamtanlage könnten auf diese Weise einen neuen Nutzer finden.
Hammerschläge hallen über das Gelände. Wo man geht und steht, ist das Aus der Anlage offensichtlich: Abmontierte Teile liegen in Reih und Glied, manche sind bereits verkauft und warten auf den Abtransport. Nur noch wenige KAB-Mitarbeiter sind an diesem Morgen auf dem Gelände unterwegs, die meisten Blaumänner gehören zu Fremdfirmen, die Teile demontieren, Reaktoren und Rohrleitungen reinigen.
Die Verkauf der KAB im Internet ist ein Versuchsballon – doch nicht nur Pott ist optimistisch, dass das Projekt Erfolg haben wird. „Wie könnte man besser an spezifische Käuferschichten herankommen als übers Internet?“, fragt Martin Niewerth, Geschäftsführer der gleichnamigen Webagentur in Gladbeck, die den Verkauf koordiniert. Niewerth hatte die Idee, die Anlagenteile online nicht einfach zum Verkauf anzubieten, sondern zu versteigern. Dadurch, so Niewerth, „haben wir die Möglichkeit, die hochwertigen Teile der KAB einer größtmöglichen Käuferschicht sogar in den USA zugänglich zu machen und eine transparente Preisbildung zu gewährleisten.“
Die Online-Plattform für den Verkauf liefert das Unternehmen eBay, das in den USA seit 1995, in Deutschland seit 1999 Artikel aller Art im Internet versteigert. Auf der „Verkaufsplattform für gebrauchte Chemie-Anlagen“ erfährt jeder Interessierte, was es gibt, zu welchen Preisen und wie das aktuelle Höchstgebot für die jeweiligen Teile ist. Auch Internes über die Anlage selbst und sogar deren Mitarbeiter ist zu erfahren.
Die Festsetzung der Mindestgebote erfolgte durch einen Gutachter. Schnäppchen sind durchaus drin: Zwei erst kürzlich überholte Wasserringkompressoren beispielsweise mit einem Neuwert von 80 000 DM stehen mit je 6000 DM Mindestgebot im Internet. Alles in allem, hat Pott errechnet, umfasst das Angebot rund 120 Teile mit einem Gesamtmindestpreis von 800 000 DM. Der größte Teil der Anlage gelangt auf jeden Fall in die Schrottverwertung, denn Reaktoren und Rohrleitungen sind zum einen verunreinigt, zum anderen größtenteils Spezialanfertigungen. Laut Niewerth war das Echo bislang ganz gut, Firmen aus dem Erdölbereich und der Chemie, aber auch Logistikunternehmen, Verwerter und Universitäten haben sich gemeldet. Er glaubt fest daran, dass die Kohleöl-Anlage nur den Anfang macht – für den Verkauf kompletter Anlagen oder großer Anlagenteile hat die Agentur neuerdings extra eine Domain (www.werk-zu-verkaufen.de) eingerichtet.
Der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau sieht die Sache eher skeptisch. „Online-Versteigerungen im Maschinen- und Anlagebau stecken noch in den Kinderschuhen“, so Verbandssprecherin Sylke Becker. Und stoßen in ihren Augen auch schnell an Grenzen: Viele Chemie-Anlagen seien zu komplex und zu individuell für den Einbau von Second-Hand-Ware.
Die Hoffnung, dass etwa ein ausländischer Verwerter die gesamte Anlage kaufen könnte, hatte Pott nie. „Ein Verfahren, das bei uns schon zu teuer war, wird sich auch woanders nicht rechnen.“ Für jeden aber, der sich für das spezielle KAB-Hydrierverfahren interessiert, mit dem sich nicht nur Kunststoff verwerten, sondern auch Sondermüll entsorgen und Kohle hydrieren lässt, hat er offene Ohren. „Auch wenn es die Anlage bald nicht mehr gibt, das Know-how geht nicht verloren.“ C. FRIEDL
Versteigerung und Infos unter: http://www.kohleoel-Anlage.de oder http://www.eBayPro.de
Wer braucht eine Egger-Wälzpumpe, die heiße Medien auf hohe Drücke bringt? Beim Online-Verkauf zahlreicher Aggregate und Anlagenteile der Kohle-Öl-Anlage läßt sich so manches Schnäppchen machen.

Von C. Friedl

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