CAD/CAM 26.03.1999, 18:21 Uhr

Das Internet bringt mehr Kommunikation für Konstruktion, Design und Enwicklung

Kommunikation per Internet erhöht Spontaneität und Kreativität am digitalen Reißbrett.

Ingenieuren und Konstrukteuren „genügt es heute längst nicht mehr, über geometrische Daten oder Bauteilmodelle zu verfügen“, betont Hubert-H. Lange. Denn der Markt zwinge zu einer nachvollziehbaren, elektronisch gesteuerten und durchgängigen Prozeßkette. „Der Begriff Digital Mockup steht für die Integration sämtlicher Entwicklungsschritte in die 3D-Konstruktion. Ein Thema, das nicht mehr nur für die Automobilindustrie interessant ist“, so das Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG auf der weltgrößten Computershow.
Entsprechend haben sich viele Softwareanbieter nach Erkenntnissen der Hannoveraner Messegesellschaft darauf konzentriert, Systeme zur Verfügung zu stellen, die genau diesen Anforderungen entsprechen. Hierzu gehören auch Firmen, die bislang ihren Schwerpunkt in der Unterstützung der 2D-Zeichnungserstellung sahen. Folgerichtig standen im Mittelpunkt vieler Präsentationen auf der CeBIT 99 besonders solche Systeme, die den Umgang mit virtuellen Prototypen erleichtern – etwa den Zusammenbau großer Baugruppen am Bildschirm, Kollisionsbetrachtungen oder das Visualisieren in fotorealistischer Qualität.
Welche neuen Dimensionen für die Konstruktion im Team sich speziell durch das Internet eröffnen, demonstrierte die CoCreate Software GmbH aus Sindelfingen mit ihrer OneSpace-Technologie in Hannover: „Mit One Space bieten wir die Möglichkeit, anhand eines einzigen Produktmodells, das alle Beteiligten sehen können, zu diskutieren und zu entscheiden“, betont Marketingleiter Rainer Pörtner. Änderungen könnten sofort eingebracht und zeitgleich von allen Teilnehmern begutachtet werden. Mißverständnisse, die durch eine rein verbale Kommunikation entstehen können, treten auf diese Weise gar nicht erst auf, hebt man bei CoCreate hervor. Zudem mache es die plastische Darstellung der Modelle möglich, Personen in Entscheidungsabläufe einzubinden, die bislang erst in einer sehr späten Phase integriert wurden. „Damit gibt das System der Konstruktionswelt etwas zurück, was mit der Verbreitung von CAD immer mehr verschwunden ist – die Konstruktion am Reißbrett oder in der Pause anhand einer Zeichnung oder Skizze“, ergänzt Rainer Pörtner. Zusätzliche Dateien lassen sich von jedem Teilnehmer einladen. Dadurch werde es beispielsweise möglich, die Achse eines Zulieferers direkt ins virtuelle Auto einzubauen.
Netzorientierung dominiert aber nicht nur in der computergestützten Konstruktion, sondern auch in den Bereichen Produktionsplanung und Produktdatenmanagement (PDM). Hier präsentierte Parametric Technology, Unterschleißheim, mit der Windchill Version 2.0 einen web-basierten, weitreichenden Ansatz. „Anders als herkömmliche PDM-Systeme, welche vor allem die Produktdefinitionen der Entwicklungsabteilung verwalten, steht bei Windchill unternehmensweites Produkt- und Prozeßdaten-Management im Mittelpunkt“, erläutert Geschäftsführer Kai Krickel. Dabei nutze das System die Funktionspalette des Internet. Firmen können nach Parametric-Angaben so alle Phasen im Produktlebenszyklus kontrollieren – von der Entwicklung über die Produktion, Kundendienst und Wartung bis hin zur Entsorgung. „Die Kommunikation zwischen Hersteller, Zulieferer und Kunde wird wesentlich verbessert“, bringt Kai Krickel die Netzvorteile auf den Punkt. Zudem biete das System die Möglichkeit, firmenspezifische Abläufe bei der Entstehung eines Produkts abzubilden. Entsprechend könnten sich die Mitarbeiter auf ihre Aufgaben im jeweiligen Abschnitt des Produktlebenszyklus konzentrieren, so daß das Unternehmen zeit- und kosteneffizient arbeite. „Gleichzeitig können aber auch neue Erkenntnisse gewonnen werden, die sich zur Stärkung der Marktposition nutzen lassen“, ergänzt der Firmenchef.
Die Komplexität von Firmenprozessen beherrschbar machen soll auch das Modellierungswerkzeug „Spearmint“, entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern. „Spear-mint steht für Software Process Elicitation, Analysis, Review and Measurement in an Integrated Modeling Environment“, definiert IESE-Mitarbeiter Dr. Peter Rösch. „Mit Hilfe diese Werkzeugs werden Prozesse in einer grafischen Umgebung beschrieben“, ergänzt der Informatiker. Dies erleichtere das Verständnis und die Kommunikation. Seien die Prozesse erst einmal per Spearmint erfasst, könnten sie auch dazu verwendet werden, ein elektronisches Prozeßhandbuch zu generieren.
Der technische Fortschritt in Konstruktion, Entwicklung und Prozeßmanagement spiegelte sich auf der CeBIT 99 jedoch nicht nur in großen, firmenübergreifenden Netzwerklösungen – er glänzte auch im Detail. Ein solches Highlight, so jedenfalls sieht es die ISD Software und Systeme GmbH aus Dortmund, ist der neue Modellierer für Freiformflächen in der HiCAD-Software. Mit nen Funktionen können Freiformflächen „deformiert“, zum Beispiel gewölbt oder eingedrückt werden. Diese Deformation erfolgt durch Auswahl eines Flächenpunktes und dessen Verschiebung. Dies kann dynamisch mit dem Cursor erfolgen oder durch explizite Angabe eines Verschiebevektors.
DIETMAR KIPPELS
EDV-Integration macht vor Handwerkzeugen nicht halt: Die Werte der Schieblehre werden direkt in die „QDE-Station“ von Böhme & Weihs aus Sprockhövel geladen. Dort erfolgt die statistische Prozeßkontrolle.
CeBIT 99 zeigte CAD-Perspektiven: Digital Mockup, Simulation von Belastungen und Bewegungsabläufen, fotorealistische Darstellungen und der rasante Einsatz von Netzwerktechnologien prägen die Zukunft der computergestützten Konstruktion.

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

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