Biotechnologie 09.11.2007, 19:31 Uhr

„Wir wollen kein Zockerpapier sein“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 11. 07, elb – Zu den wenigen deutschen Biotech-Firmen, die Gewinne machen, zählt Mologen. Vorstandschef Prof. Burghardt Wittig erklärt im folgenden Gespräch, wie sich mit Impfstoffen und genmodifizierten Krebszellen Geld verdienen lässt, wie das Unternehmen Hunden und Katzen hilft und was Investor Florian Homm mit dem Aktienkurs zu tun hat.

Wittig: Bei den klinischen Studien beginnt für viele Biotech-Unternehmen nun die Stunde der Wahrheit. Die Phasen 1 und 2 sind überstanden. Nun geht es um die Frage, ob ihr Mittel die entscheidende Phase 3, also die klinische Phase, besteht. Da gab es in jüngster Zeit einige Sündenfälle. Es fing an mit der Firma Paion, deren Schlaganfallmittel in Phase 3 enttäuschte. Dann kamen Epigenomics, Pfizer und schließlich GPC mit schlechten Nachrichten.

Die Biotech-Industrie kann erst dann schwarze Zahlen schreiben, wenn ihre eigenen Produkte zugelassen sind.

VDI nachrichten: Mologen beschäftigt sich mit der Entwicklung und Herstellung von DNA-Impfstoffen. Wo werden sie eingesetzt?

Wittig: Sie werden für zwei Bereiche eingesetzt: gegen Tumore als therapeutischer Impfstoff sowie gegen Infektionen vorwiegend als vorbeugender Impfstoff. Bei letzteren beschäftigen wir uns vorwiegend mit Zoonosen. Das sind Infektionskrankheiten, die von Mensch zu Tier und umgekehrt übertragen werden. Dazu zählen zum Beispiel Malaria, Leishmaniose, die Schlafkrankheit und Virusgrippen.

VDI nachrichten: Beim Kampf gegen Tumore haben Sie die zellbasierte Gentherapie gegen Krebs entwickelt. Was versteht man darunter?

Wittig: Bei der zellbasierten Gentherapie setzen wir von uns etablierte Zelllinien ein, die wir dann mit Hilfe unserer Midge-Vektoren zur Bildung von bestimmten Botenstoffen und Signalbindungsmolekülen bringen. Auf diese Weise erzeugen wir genmodifizierte, allogene (ursprünglich von anderen Patienten stammende) Zellen. Diese werden dann mit unserem DNA-basierten Immunmodulator dSLIM gemischt und den Patienten an den typischen Impfstellen in die Haut injiziert. Mit Hilfe dieser mehrfach genmodifizierten und immunmodulierten allogenen Tumorzellen gelingt es, das Immunsystem der Krebspatienten so zu erziehen, dass es die Krebszellen in den Patienten wiedererkennt und angreift.

VDI nachrichten: Wo kommt diese Therapie bislang zum Einsatz?

Wittig: Wir haben vor kurzem in Indien die Erlaubnis für unsere individualisierte, zellbasierte Gentherapie erhalten. Dort ist bereits jetzt die Nachfrage groß. In Kuwait, Dubai und insbesondere in China bemühen wir uns um diese Erlaubnis. In Europa bringen wir die Anwendung der zellbasierten Gentherapie beim Nierenkarzinom in die klinische Entwicklung.

VDI nachrichten: Sie hatten in Saudi-Arabien versucht, mit arabischen Partnern Zell- und Gentherapiezentren aufzubauen. Das scheiterte. Warum?

Wittig: Dass wir schon vor längerer Zeit die Verträge in Saudi-Arabien kündigen konnten, war für uns ein Glücksfall. Wir brauchen nämlich solche aufwändigen Zentren nicht mehr. Es ist gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, die genmodifizierten Zellen mit flüssigem Stickstoff einzufrieren. Damit können wir diese Vorstufe des eigentlichen Therapeutikums als Luftfracht international transportieren.

Die vollständige zellbasierte Gentherapie gegen Krebs wird erst vom behandelnden Arzt im jeweiligen Land zusammengesetzt.

VDI nachrichten: Sie haben auch einen Midge-basierten Impfstoff gegen Leishmaniose für Hunde entwickelt. Wie verbreitet ist diese Krankheit?

Wittig: Im Mittelmeer-Raum ist die von der Sandmücke übertragene Leishmaniose sehr verbreitet. 70 % bis 80 % der Tiere sind dort infiziert. Wir gehen davon aus, dass unser DNA-Impfstoff gegen diese Krankheit Ende des kommenden Jahres zulassungsfähig ist.

Mit dem Impfstoff können wir im Jahr 4 Mio. € bis 5 Mio. € verdienen. Zur endgültigen Entwicklung, Zulassung und Vermarktung haben wir den Impfstoff an ein US-Unternehmen auslizensiert.

Derzeit versuchen wir, zusammen mit internationalen Förderorganisationen den DNA-Impfstoff auch für Menschen zu entwickeln. Wir hoffen, ihn im nächsten Jahr an ersten Patienten prüfen zu können.

VDI nachrichten: Womit verdienen Sie derzeit Ihr Geld?

Wittig: Wir entwickeln mit drei eigenen Schlüsseltechnologien (Midge, Midge-Th1 und dSLIM) eigene Produkte zur Infektionsbekämpfung und zur Tumortherapie bis zu klinischen Studien der Phase 2, um sie dann zu lizenzieren. Als quasi zulassungstechnische Nische haben wir die zellbasierte Gentherapie gegen Krebs.

VDI nachrichten: Arbeiten Sie auch an einem Aids-Impfstoff, oder ist Ihnen dieses Feld zu schwierig?

Wittig: Wir arbeiten seit langem an einem Impfstoff gegen Katzen-Aids. Wenn uns hier ein Durchbruch gelänge, wäre das ein ähnlicher Fortschritt wie bei einem Impfstoff gegen das Virus, das bei Menschen zu Aids führt. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Die Ideen und die Entwicklungen für die Bekämpfung von Aids und Krebs kamen in letzter Zeit vorwiegend von Biotech-Firmen. Für die klinische Phase 3 braucht man aber unbedingt einen großen Pharma-Partner. Derzeit sehe ich aber leider keinen Entwicklungsansatz, der für die Großen der Pharma-Industrie interessant sein könnte.

VDI nachrichten: Ihre Aktie erlebte in den letzten Monaten eine Berg- und Talfahrt. War das gerechtfertigt?

Wittig: Nein, wir wollen kein Zockerpapier sein. Die Kursschwankungen haben nichts mit der Entwicklungsleistung und dem Potenzial von Mologen zu tun. Zuletzt befanden wir uns in einer stabilen Basis für die Kursentwicklung, die dann jäh gestoppt wurde durch den Ausstieg von Florian Homm bei Absolute Capital. Diese einstige Homm-Firma hält wohl weiter über 20 % Anteile an Mologen. Wir wissen nicht, was aus dem Aktienpaket wird. Es scheinen sich aber viele Investoren um das Paket zu bemühen.

VDI nachrichten: Wird Ihr Unternehmen 2007 erneut Gewinne machen?

Wittig: Ja, wir können weiterhin davon ausgehen. 2006 hatten wir bereits einen Gewinn von 500 000 €. Wir wollen auch in Zukunft keine Verluste machen. 2008 wird sich das Geschäft mit der zellbasierten Gentherapie gegen Krebs in Indien positiv niederschlagen und hoffentlich auch in den anderen Ländern.

VDI nachrichten: Wie sehen Sie die Perspektiven des Biotech-Standorts Deutschland?

Wittig: Ein Drittel der Produkte von „Big Pharma“ kommen bereits aus den Forschungsbereichen von Biotechs. Ich gehe davon aus, dass künftig die Symbiose mit „Big Pharma“ noch zunehmen wird. Die deutsche Biotech-Industrie hinkte jahrelang der amerikanischen Biotech-Branche hinterher. Inzwischen haben wir aufgeholt, liefern erste Entwicklungen für „Big Pharma“ und sind konkurrenzfähig – nicht mit Amgen, Genzyme Biogen & Co., aber mit US-Entwicklungs-Biotechs unserer Größenordnung.

Die deutschen Politiker tun aber noch zu wenig für die Förderung von Biotechs in fortgeschrittenen klinischen Stadien. Ein erstes Projekt des Bundesforschungsministerium mit gerade mal 7 Mio. € Fördermittel ist da viel zu wenig.

Man muss den Biotechs mehr helfen, damit sie den Schritt in die fortgeschrittene klinische Entwicklung schaffen können. Denn dadurch vervielfacht sich ihr Wert bei der Auslizenzierung. N. BLECHNER

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