Gentechnik 01.02.2008, 19:32 Uhr

USA lassen Vermarktung von Klonfleisch zu  

VDI Nachrichten, Berlin, 1. 2. 08, ber – Schon 2010 könnten erste Produkte von geklonten Rindern auf den Markt kommen, so die europäische Lebensmittelbehörde EFSA. Die Unternehmen ViaGen und Cyagra erhielten in den USA jetzt die Zulassung zur Vermarktung. Weltweit soll es bereits rund 4000 geklonte Kühe geben. Auch Schweine, Ziegen, Schafe und Pferde werden bereits geklont. Die Entwicklungen sind bei diesen Spezies allerdings noch nicht so weit fortgeschritten.

Dass man das Zeugen des Nachwuchses nicht mehr Mutter Natur überlassen will, hat hauptsächlich kommerzielle Gründe: Gibt eine Kuh sehr viel Milch oder wirft ein Rind besonders saftige Steaks ab, liegt es im Interesse des Züchters, das Tier möglichst oft zu vervielfältigen. Gefragt sind auch Tiere, die widerstandsfähig gegen bestimmte Krankheiten sind, etwa gegen Mastitis, eine Euterentzündung bei Kühen. „Letztlich dient die gesamte Biotechnologie der Fortpflanzung dazu, mehr von den besonders herausragenden Tieren zu produzieren“, sagte Prof. Eckhard Wolf vom Genzentrum der Universität München.

Bleibt die Frage, ob man Steaks und Joghurt von geklonten Kühen getrost essen kann. Die amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel und Arzneien (FDA) kam im Dezember zu dem Schluss, dass allenfalls beim Verzehr von neugeborenen Kälbern ein sehr geringes Risiko bestehe, sonst aber seien die Lebensmittel unbedenklich.

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA zog jetzt mit ihrer vorläufigen Bewertung Mitte Januar 2008 nach: Sofern die geklonten Tiere und ihr Nachwuchs gesund seien, drohe keine Gefahr.

„Es gibt definitiv gesunde Klone, die bei der Fleischbeschau nicht auffallen, und bislang keine Hinweise, dass das Verfahren gefährlich sein könnte“, bekräftigte Wolf, der an dem EFSA-Bericht mitgearbeitet hat – und selbst Schweine für die medizinische Forschung klont.

„Bislang sind keine giftigen Effekte der Milch oder des Fleisches beobachtet worden“, heißt es im Bericht. Allerdings wurde auf die knappe Datenlage hingewiesen: Es gäbe zwar keinen Hinweis auf eine größere Anfälligkeit geklonter Tiere gegenüber Parasiten, doch „weitere Daten wären nützlich“. Oder: Es sei wahrscheinlich, dass geklonte Jungtiere mehr Tierarzneimittel benötigen, aber es lägen keine zuverlässigen Erkenntnisse vor.

Das Europäische Ethikgremium meldet indes Zweifel an, ob das Klonen von Tieren für die Nahrungsmittelversorgung ethisch gerechtfertigt ist. Die Effizienz des Verfahrens sei immer noch relativ gering und führe zu hohen Krankheits- und Sterblichkeitsraten vor und nach der Geburt. Die Erfolgsrate schwankt je nach Tierart zwischen 0,5 % und 5 %. Bei Rindern sterben bislang „am wenigsten“ Klone: 9 % der Kälber leben bei der Geburt. 150 Tage später sind es noch 7 %.

Häufig aber kommt es zu Fehlbildungen, Fehlgeburten oder erhöhtem Geburtsgewicht. „Es gibt subtile epigenetische Effekte, die zu einer höheren Sterblichkeitsrate bei geklonten Tieren führen“, räumte Henry Miller von der Stanford University ein, ein vehementer Fürsprecher der Technik. Die Aktivität einzelner Gene, die Epigenetik, kann bei Klonen variieren, obwohl die schiere Zusammensetzung des Genoms 1:1 übereinstimmt. Ein schlankes Schwein kann deshalb durchaus einen dicken Klon hervorbringen.

Die Gesundheitsrisiken bei der Aufzucht und während der Trächtigkeit der Tiere werfen jedoch die Frage auf, ob das Klonen mit dem Tierschutz vereinbar ist. Das Wohlbefinden der Klone kann infolge der Gesundheitsrisiken vermindert sein, notiert die EFSA. Auch das Wohl der Leihmütter, die aufgrund der geringen Effizienz des Verfahrens bislang in großer Zahl benötigt werden, werde „wahrscheinlich beeinträchtigt“ sein. Langzeitstudien zum Tierschutz gibt es allerdings nicht.

Eckhard Wolf glaubt jedoch, dass der Tierschutz beim Klonen gewahrt werden kann. Nur die Klone der ersten Generation wiesen gesundheitliche Auffälligkeiten auf. Deren Nachwuchs hingegen sei gesund, da sich die epigenetischen Fehler bei der neuerlichen Verschmelzung von Ei- und Samenzelle wieder automatisch korrigierten. Dieser Effekt wird in der Literatur tatsächlich mehrfach beschrieben.

Dennoch würde Wolf kein Fleisch von geklonten Tieren verzehren. „Weil ich es nicht sinnvoll finde. Gesundheitliche Bedenken habe ich nicht“, kommentierte er. Das Klonen wäre so ineffizient, dass die Tiere zu teuer wären, um sie aufzuessen. Er glaubt, dass man allenfalls die Nachkommen der geklonten Zuchttiere verzehren würde.

Der Zuchtbetrieb von morgen verschickt also Sperma seiner Klonbullen, mit dem die Kühe künstlich besamt werden. „Klonen ist auch eine Möglichkeit, den internationalen Transport von Top-Zuchttieren zu gewährleisten. Spermien oder eine Zelllinie zum Klonen kann man leicht verschicken. Ganze Tiere nur schwer“, so Wolf.

Wenn Unternehmen wie ViaGen and Cyagra tatsächlich eines Tages die Landwirte mit dem Samen ihrer Klonbullen beliefern, „könnten ähnliche Strukturen entstehen wie bei der Saatgutindustrie, wo die Verwertungsrechte für das Saatgut in den Händen ganz weniger Konzerne liegt“, befürchtet Matthias Wolfschmidt von der Organisation Foodwatch in Berlin. Darum würde er persönlich keine Produkte von Klontieren verspeisen, wenngleich seine Organisation ausdrücklich keine gesundheitlichen Bedenken hat.

SUSANNE DONNER

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