Ernährung 03.12.1999, 17:23 Uhr

Nicht immer geht die Gen-Saat auf

In Europa herrscht breites Misstrauen gegenüber gentechnisch veränderten Organismen. Während Verbraucher, Umweltschützer und ein Großteil der Politiker vor Risiken durch transgene Pflanzen oder Mikroorganismen warnen, beharrt die Industrie darauf, dass ihre Gen-Produkte sicher seien.

Gen-Mais, Gen-Soja und andere transgene Pflanzensorten sind in den USA, so teilte die US-Regierung jetzt mit, bereits derart verbreitet, dass sie Schätzungen zufolge schon in rund 60 % der verarbeiteten Lebensmittel vorkommen.
Transgene Pflanzensorten, so beteuern die Hersteller, seien in ihren Eigenschaften und Wechselwirkungen mit der Umwelt weitaus besser untersucht als herkömmliche Pflanzen. Dieses Argument gerät ins Wanken: US-Forscher haben beobachtet, dass es beim Anbau gentechnisch veränderter Sojapflanzen des US-Konzerns Monsanto in heißen Regionen Probleme gibt. Bei hohen Temperaturen brechen bei den meisten Pflanzen die Stiele auf, wodurch bis zu 40 % der Ernte verloren gehen. Das Aufplatzen macht die Pflanzen zudem anfällig für Krankheiten. Die Forscher der Universität Georgia wurden durch unerwartet hohe Ernteeinbußen bei Farmern aufmerksam, deren Gen-Soja nach der Aussaat Temperaturen über 40 0C ausgesetzt waren. Bei herkömmlichen Soja-Pflanzen ist ein Aufbrechen der Stiele nur bei rund 50 % zu beobachten.
Auch das Berliner Umweltbundesamt (UBA) betont, dass transgene Kulturpflanzen in ihren Wechselwirkungen mit der Umwelt nicht ausreichend erforscht sind. Anlass: Ab kommenden Jahr sollen in Deutschland der uneingeschränkte Anbau und Vertrieb von Mais erlaubt sein, der durch Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) gegen Insekten, vor allem den Maiszünsler, resistent gemacht wurde. „Die Wirkung von Bt-Mais auf Insekten kann aber von der Wissenschaft noch nicht bewertet werden“, so eine Mitteilung des UBA. Der Mais sollte daher nicht in der Nähe von Naturschutzgebieten und nicht in Biosphärenreservaten angebaut werden. Der Abstand zu Naturschutzgebieten sollte mehr als 200 m betragen, um zu verhindern, dass insektenresistente Maispollen in geschützte Gebiete getragen werden. Außerdem empfiehlt das UBA den Anbau nur auf solchen Flächen, auf denen mit Ertragseinbußen durch den Maiszünsler zu rechnen ist.
Der Lieferant von Gen-Mais, der Schweizer Pharma- und Nahrungsmittelkonzern Novartis, weist freilich auf die Vorteile der transgenen Sorte hin. So hätten deutsche Landwirte in der vergangenen Anbauperiode gute Erfahrungen gemacht. Während der Maiszünsler 1999 beispielsweise im Bodenseegebiet, am Kaiserstuhl und in Franken bei herkömmlichem Mais 30 % der Pflanzen befallen habe, seien nur 2 % der Bt-Maispflanzen geschädigt worden. Novartis will die Begleitforschung zum Bt-Mais-Anbau fortführen. So sollen der Pollenflug, eventuelle Resistenzen des Maizünslers und die Gründe für den höheren Schimmelbefall des Ernteguts im Vergleich zu konventionellem Mais untersucht werden. Ungeklärt ist laut UBA auch, ob Bt-Mais eine Gefahr für andere Insekten darstellt. Untersuchungen an der Schweizer Forschungsanstalt für Agrarökologie in Rechenholz hätten ergeben, dass Florfliegen, die mit Bt-Mais gefütterte Maiszünslerraupen fraßen, schneller starben.
Ungeachtet der noch offenen wissenschaftlichen Fragen gibt es viel Streit um den Handel mit transgenen Sorten. Ein zentraler Punkt ist die Frage der Kennzeichnung. Die EU plant die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die einen Anteil von über 1 % je gentechnisch erzeugten Inhaltsstoff enthalten. Die exportstarke US-Agrarindustrie kämpft gegen jegliche Etikettierung ihrer Produkte. Die unterschiedlichen Meinungen, davon gehen Experten aus, dürften auch bei den WTO-Verhandlungen aufeinander prallen, die seit Dienstag in Seattle stattfinden. cf
In den USA hat transgener Mais bereits auf weiten Flächen Fuß gefasst: In Nebraska beispielsweise wächst er auf über 1,8 Mio. ha.

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