Biotechnologie 21.04.2006, 19:21 Uhr

Neue Wirkstoffe sollen die Wende einleiten  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 4. 06, sta – Nach Jahren der Konsolidierung ist die Biotechnologie wieder auf dem Weg, die innovative Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts zu werden. Dieser Ansicht jedenfalls ist Alfred Müller, Vorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Er stellte jetzt den aktuellen Biotechnologie Report 2006 vor. Darin sind allerdings höchstens Vorboten eines Aufschwungs zu finden.

Die Lage der Biotech-Branche in Deutschland blieb auch 2005 angespannt. Unter dem Strich stand erneut ein Minus an Unternehmen und Beschäftigten. Der Umsatz kompensierte gerade einmal die Kosten von Forschung und Entwicklung. Und mit 568 Mio. € lagen die Verluste um 33 Mio. € höher als im Vorjahr.

Die Talfahrt der Branche verlangsamte sich jedoch deutlich. Seit 2002 hatten Sparzwang und Pleiten ein Viertel aller Biotech-Jobs gekostet – in 2005 fiel nur noch jede hundertste Stelle weg. Auch die Zahl der Insolvenzen sank. Nachdem 2004 fast 30 Betriebe das Handtuch warfen, gaben im letzten Jahr nur noch elf Unternehmen auf – vornehmlich kleine Unternehmen am Anfang der Wirkstoff-Forschung.

Kaum Grund zum Aufatmen gibt es im Bereich der Frühphasenfinanzierung. Seit 2002 haben VC-Gesellschaften in über 80 Insolvenzen mehr als 500 Mio. € verbrannt. Deren Risikofreude wurde dadurch nachhaltig gebremst. Für ganz junge Unternehmen gibt es derzeit kaum Kapital. „Das stimmt bedenklich“, warnt der Report. Zumal sich in naher Zukunft nichts daran ändern wird. Die Mehrheit der befragten Biotech-Investoren will sich auf die Weiterfinanzierung von bestehenden Investments und die Teilnahme an größeren Runden konzentrieren.

Die Zurückhaltung im Seed-Bereich geht mit extremen Anforderungen an Gründer einher. „Heute erwarten VC-Investoren schon im frühen Firmenstadium erfahrene Management Teams und fortgeschrittene Projekte“, bemängelt Dr. Gerhard Ries, Managing Partner des Schweizer Frühphasen-Fonds BioMedinvest AG. In diesem Umfeld seien universitäre Ausgründungen ohne sichtbare Produktkandidaten kaum mehr finanzierbar. Um diese Fehlentwicklung abzustellen, müssten Investoren dringend wieder mutiger werden. „Nur wer sät, kann reichlich ernten“, mahnt Ries.

Während die Aussaat stockt, kamen 2005 mehr und größere Finanzierungsrunden in späteren Phasen zustande als in den Vorjahren. Gerade deutsche Investoren erwachten aus der Schockstarre. Auf sie entfiel über die Hälfte (61%) aller Investitionen. Vor allem bei Runden über 5 Mio. € zeigten sie Engagement. Die Summe aller VC-Deals stieg kräftig von 236 Mio. € auf 326 Mio. €. Damit lag Deutschlands Biotech-Branche beim VC-Zufluss erstmals auf Platz 1 in Europa.

Insgesamt flossen den Biotech-Unternehmen 490 Mio. € zu, im Schnitt 8,6 Mio. € pro Finanzierungsrunde. Zwar reicht das Niveau nicht an die Boomjahre 2000 und 2001 heran, doch dafür sind die einzelnen Runden nun größer. „Ein Zeichen der zunehmenden Reife von Firmen“, resümiert der Report. Die großen Finanzierungsrunden seien nötig, um Firmen über längere Zeiträume „durchzufinanzieren“ und teure klinische Studien abzusichern. Gerade die Fortschritte der Wirkstoffentwicklung und Zulassung wertet der Report als weiteres Indiz von Reife aktuell haben 91 Firmen über 280 Wirkstoffe in der klinischen oder präklinischen Phase. Neun Unternehmen testen bereits drei und mehr Wirkstoffe.

Damit werden deutschen Biotech-Firmen auch für Fusionen und Akquisitionen (M&A) interessanter. Konkret gab es 20 solche Transaktionen, wobei zehn Firmen unter die Fittiche der europäischen oder amerikanischen Konkurrenz gerieten. Umgekehrt kauften deutsche Firmen drei Mal im Ausland ein. Die restlichen Transaktionen verliefen innerdeutsch. Der Report bewertet diese Entwicklung positiv: „Die lang erhoffte Konsolidierung über M&As an Stelle von Insolvenzen hat eingesetzt.“ Endlich beginne die Branche, Kräfte zu bündeln und schlagkräftigere Strukturen zu schaffen. Dafür spreche auch, dass 2006 über 80 % der befragten Biotech-Firmen Partnerschaften eingehen wollen.

Angesichts der vielen Zahlen gerät leicht in Vergessenheit, dass sich in der Branche beileibe nicht alles ums Geld dreht. Gerade in der roten Biotechnologie stehen Wirkstoffe gegen Krebs, Schmerzen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Störungen des zentralen Nervensystems im Fokus. Welche Dimensionen die Forschungen erreichen, wird an der Neuraxo Biopharmaceuticals GmbH aus Erkrath deutlich. Die junge Firma erforscht Wirkstoffe gegen die fatale Wirkung von Rückenmarksverletzungen. Laut CEO Dr. Rainer Lichtenberger kommt es danach vor allem zu Lähmungen, weil die entstehenden Narben die Regeneration der Nervenzellen behindern. Der Wirkstoff von Neuraxo schiebt die Narbenbildung auf. Tierversuche zeigen, dass die Nervenzellen in der Zwischenzeit über die Verletzungsstelle hinaus wachsen und sich zu einem funktionsfähigen Nervenstrang verknüpfen. P. TRECHOW

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