Ernährung 24.09.2004, 18:33 Uhr

Mit GVO-Monitoring zum europäischen Vorreiter

VDI nachrichten, Berlin, 24. 9. 04 -Das Gentechnikgesetz, das in dieser Woche im Vermittlungsausschuss verhandelt wurde, ist heftig umstritten. Jetzt hat der VDI standardisierte Prüfverfahren für ein Monitoring gentechnisch veränderter Organismen vorgeschlagen.

Nur wenige gesellschaftspolitische Themen sind derzeit emotional so aufgeladen wie die Einführung von Genfood in Deutschland. Die Mehrheit der Bundesbürger – längst nicht nur alternative Müsli-Esser – spricht sich gegen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Supermarktregal aus. Nachdem die Europäische Kommission bereits im Mai den Importstopp für Genfood aufgehoben hat, soll jetzt der kommerzielle Anbau folgen. Auf einer Fachkonferenz hat der VDI vergangene Woche in Berlin ein standardisiertes „Monitoring der Wirkungen von gentechnisch veränderten Organismen“ gefordert und entsprechende Prüfverfahren vorgelegt. Sicher ist: Die Gensaat wird bald auch in Deutschland aufgehen.
In Berlin trat am Mittwoch erstmals nach der parlamentarischen Sommerpause der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat zusammen, um einen Kompromiss zum Gentechnikgesetz zu suchen. Seit mehr als zwei Jahren ist die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie über die „absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt“ überfällig und genauso lange umstritten.
Den Grund für die Auseinandersetzung sieht Technikphilosoph Christoph Hubig in einer mangelhaften gesellschaftlichen Akzeptanzlage: Die Diskussion um die „grüne Gentechnik“ habe nicht hinreichend vermittelt zwischen den Vermächtniswerten, zu denen Hubig Gesundheit, Bodenqualität und Ökologie zählt, und den Optionswerten einer Gesellschaft, worunter Biodiversität und das größere Nutzenpotenzial von GVO zu verstehen sind.
„Schäden und Chancen können aber nicht einfach abgeglichen werden“, erklärt Hubig und fordert eine klare Definition der Schutzziele und der Strategien, wie sie zu erreichen sind.
Neben gesetzlich festgelegten Einschränkungen beim Anbau von GVO sowie klaren Haftungsregelungen im Schadensfall kommt dem Monitoring, das heißt dem systematischen Beobachten der Auswirkungen von GVO, eine besondere Rolle zu. Hierzu hat der Gesetzgeber eine Gentechnik-Beobachtungsverordnung erlassen, die den Antragsteller in die Pflicht nimmt. Will ein Betreiber Äcker kommerziell mit gentechnisch veränderter Saat bestellen, hat er seinem Antrag auf Freisetzung einen detaillierten Beobachtungsplan sowie einen Vorschlag für den Zeitraum der Beobachtung beizufügen. „Vorerst sollen Genehmigungen für die Dauer von zehn Jahren erteilt werden“, erläutert Dan Leskien vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.
Allerdings sieht die Verordnung kein unabhängiges Monitoring durch die Behörden vor. Zwar haben einige Bundesländer bereits angekündigt, verfügbare Mittel zur Erhaltung der Biodiversität für ein Gen-Monitoring zu verwenden. Dies jedoch auf freiwilliger Basis, in den Richtlinien ist es nicht vorgeschrieben. Seitens des Verbraucherschutzministeriums wird, wie Dan Leskien erklärt, ein behördliches Monitoring „für sinnvoll gehalten“, das Gentechnikgesetz „regelt jedoch die Pflichten des Betreibers“.
Insbesondere der biologische Anbau, der auf besonderer Reinhaltung seiner Produkte gründet, sieht seine Bemühungen durch die Gesetzeslage unterminiert. Windverbreitung, Pollen- und Bienenflug kennen keine Ackergrenzen. Auch schreibt das Gentechnikgesetz ein Monitoring nur für die Dauer der Genehmigung vor, jedoch keine Langzeitbeobachtung von beispielsweise gentechnisch veränderten Bäumen, die ja mehr als zehn Jahre leben. „Eine Basis für die systematische Langzeit-Beobachtung“, fordert Ludwig Peichl vom Landesamt für Umweltschutz (LfU) in Augsburg, „muss aber gewährleistet werden koste es, was es wolle.“ Hier freilich wäre der Staat gefragt, zu dessen Sorgfaltspflichten eben auch die Abwendung von langfristigen möglichen Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung gehört.
Darüber hinaus mangelt es – auch dies ein Ergebnis der VDI-Tagung – innerhalb Europas an einer Koordinierung der Untersuchungsmethoden. Gerade in einigen neuen EU-Beitrittsländern treffen Gentech-Konzerne auch gesetzlich auf paradiesische Zustände, wie das Öko-Institut in Freiburg kürzlich veröffentlicht hat.
Die für das hiesige GVO-Monitoring vom VDI vorgeschlagenen standardisierten Beobachtungsmethoden wurden in verschiedenen Ausschüssen des Kompetenzfelds Biotechnologie erarbeitet. „Der VDI will dazu beitragen, die direkten und indirekten, sofortigen und späteren sowie die langfristigen und unerwünschten Wirkungen durch gentechnisch veränderte Organismen auf die Umwelt und auf die menschliche Gesundheit zu ermitteln“, hob Ludwig Peichl hervor.
Anhand von zuvor erhobenen Basisdaten sollen bestimmte Prüfpunkte, z. B. pflanzliche Auskreuzungen, Herbizid-Rückstände, rekombinante DNA im Boden und die chemische Zusammensetzung der Luft, nach der Freisetzung von GVO laufend überwacht werden. Um eine größtmögliche Präzision des Datenmaterials zu gewährleisten, wird eine verbindliche Standardisierung der Prüfverfahren angestrebt. Der Vorsitzende des VDI-Fachbereichs Umweltqualität, Thomas Eikmann, wies auf die Notwendigkeit hin, mit dem Vorschlag zum GVO-Monitoring, eine „Vorreiterrolle für Europa“ zu übernehmen. „Wichtige Politikfelder werden heute dadurch gesteuert“, so Eickmann, „dass man frühzeitig einschreitet.“ HELMUT MERSCHMANN

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