Biotechnologie 27.06.2008, 19:35 Uhr

„Mehr Spielraum für Kernprodukte“  

VDI nachrichten, Martinsried, 27. 6. 08, ps – Vor wenigen Wochen hat MediGene einen weit reichenden Strategiewechsel verkündet. Das börsennotierte Biotech-Unternehmen aus Martinsried bei München will sich künftig auf die Bereiche Krebs und Autoimmunerkrankungen konzentrieren. Fragen an den Vorstandsvorsitzenden Peter Heinrich.

Heinrich: Die schlechten Nachrichten von Paion und GPC haben zu einer riesigen Kollektivstrafe geführt. Ich habe das auch monatelang von Investoren gehört, sei es in Deutschland, Europa oder den USA. Und ich höre das auch jetzt noch. Für unser Unternehmen, das 2007 und 2008 fast ausschließlich positive Nachrichten gemeldet hat, ist das natürlich ärgerlich.

VDI nachrichten: Hinzu kommen die Folgen der Finanzkrise. Investoren halten sich sehr zurück.

Heinrich: Man kann sich das Börsenumfeld halt nicht aussuchen. Anfang April haben wir zum Beispiel neue Studienergebnisse zu EndoTAG vorgelegt. Das ist eine neue Technologie zur Behandlung von Krebs, bei der die Tumorzellen quasi ausgehungert werden. Unsere Ergebnisse für die Anwendung von EndoTAG bei Bauchspeicheldrüsenkrebs waren hervorragend. Aber die erste Pressemitteilung haben wir ausgerechnet an dem Tag rausgegeben an dem die US-Investmentbank Bear Stearns die Fast-Pleite bekannt gab. Dadurch war die Aufmerksamkeit für unsere Nachricht gleich null.

Zwei Wochen später haben wir dann noch einmal detailliertere Ergebnisse bekannt gegeben, sie Investoren und Analysten erklärt. Und siehe da: Der Kurs hat sich trotz eines recht bescheidenen Umfeldes um fast 40 % nach oben entwickelt. Das zeigt: Gute Nachrichten kommen schon noch durch, aber man muss sich anstrengen.

VDI nachrichten: Künftig wollen Sie MediGene auf die Bereiche Krebs und Autoimmunerkrankungen konzentrieren. In der Dermatologie stellen Sie alle eigenen Forschungs- und Vertriebsaktivitäten ein. Warum dieser Kurswechsel?

Heinrich: Die hervorragenden Ergebnisse in der EndoTAG Entwicklung waren der Auslöser. Wir waren vorher sehr breit aufgestellt, um einen möglichen Fehlschlag in einem Entwicklungsprojekt mit anderen ausgleichen zu können. Da wir in einem Kernprojekt jetzt so viel weiter sind, können wir die Diversifizierung etwas reduzieren und uns auf die vielversprechenden Projekte konzentrieren. Sowohl im Bereich Krebs als auch bei Autoimmunerkrankungen verfolgen wir Projekte mit einem Umsatzpotenzial von über 1 Mrd. $. Unsere dermatologischen Produkte haben ein deutlich geringeres Umsatzpotenzial.

VDI nachrichten: Durch den Strategiewechsel sparen Sie ja auch Geld.

Heinrich: Natürlich. Wir sparen mehrere Millionen Euro und verschaffen uns so zusätzlichen Spielraum für die Entwicklung unserer Kernprodukte.

VDI nachrichten: Das Programm mTCR, bei dem es um die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Krebs und Autoimmunerkrankungen geht, wollen Sie abspalten. Dabei passt es hervorragend in die neue Strategie. Warum wollen Sie sich trotzdem trennen?

Heinrich: Das Programm stammt aus einer Firmenakquisition in Großbritannien und befindet sich noch in einem sehr frühen Forschungsstadium. Wir haben lange überlegt, ob wir das Projekt selbst weiterverfolgen wollen. Die Analysten finden das Projekt zwar wissenschaftlich sehr interessant, schreiben ihm aber keinen Wert zu. Um das zu ändern, müssten wir noch mehrere Jahre lang mehrere Millionen Euro investieren. Aber wir haben eh schon mehr Forschungsprojekte als wir finanzieren können.

VDI nachrichten: Die deutsche Biotechnologie-Branche befindet sich im Umbruch. Auch über MediGene gibt es immer wieder Gerüchte. Mal heißt es, Pfizer wolle die Firma kaufen, mal soll ein arabischer Investor Interesse haben. Was ist dran?

Heinrich: Bei manchen Gerüchten wüsste ich gerne mal, wer die verbreitet. Wahr ist: Wir reden immer mit anderen Firmen, auch mit großen Pharmakonzernen. Zum Beispiel wenn es um die Zukunft unserer Dermatologie-Projekte geht. Ich bin optimistisch, dass wir noch in diesem Jahr einen Deal abschließen können.

VDI nachrichten: Außerdem wird derzeit viel über eine bevorstehende Konsolidierung der Branche spekuliert. Zwei oder mehr Firmen könnten zusammengehen. Dadurch könnte ein großer deutscher Biotech-Konzern entstehen. Was halten Sie davon?

Heinrich: Aus meiner Sicht ist es für MediGene nicht sinnvoll, mit einer schwachen Firma zusammenzugehen. Dadurch würde kein schlagkräftigeres Unternehmen entstehen. Aus meiner bisherigen Erfahrung mit Übernahmen weiß ich: Man muss sehr genau schauen, mit wem man sich zusammentut. Sowohl was die Produkte als auch was die Unternehmenskultur angeht. Trotzdem gilt: Wenn ein gleich starker Partner auf uns zukäme, würden wir die Sache prüfen. Aber dieser Partner müsste nicht zwangsläufig aus Deutschland stammen.

VDI nachrichten: Die Bundesregierung fördert die Biotech-Branche massiv. Auch MediGene hat kürzlich wieder Fördermittel für die Forschung erhalten. Wie wichtig ist diese Unterstützung?

Heinrich: Sehr wichtig. Wir haben viele Wissenschaftler mit Ideen, die kommerziell betrachtet ein zu hohes Risiko darstellen. Ohne staatliche Unterstützung könnten wir uns diese innovativen Projekte möglicherweise nicht leisten.

Hinzu kommt: Konkurrenz belebt das Geschäft, auch in der Forschung. Forschungsgelder motivieren unsere Wissenschaftler. Man muss sich das vorstellen wie in einer Hochschule: Wir geben den einzelnen Gruppen ein festes Budget pro Jahr. Aber wenn sie selber zusätzliche Forschung betreiben oder Personal einstellen wollen, müssen sie Anträge schreiben. Unsere Wissenschaftler sollen sich diesem Wettbewerb stellen.

VDI nachrichten: In Deutschland wird derzeit heftig über Rationierung und Kosteneinsparung im Gesundheitssystem diskutiert. Haben Sie Sorge, dass Ihre neuen Produkte nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden?

Heinrich: Man kommt nur in die Erstattung, wenn man einen innovativen Wirkmechanismus vorweisen kann. In jedem Fall muss der Vorteil für den Patienten sichtbar sein. Dann gibt es, glaube ich, keine Probleme mit der Erstattung. Natürlich zu einem vernünftigen Preisniveau.

VDI nachrichten: Wo fängt denn der Vorteil für den Patienten an?

Heinrich: Das kommt natürlich auf die Krankheit an. Beispiel Krebs: Hier zählt aus Sicht der Zulassungsbehörden nur das Überleben des Patienten. Nehmen wir zum Beispiel Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei der Standardtherapie mit dem Medikament Gemcetabin überlebt der Patient im Schnitt zwischen 6,5 und 7 Monate nach der Diagnose. Das einzige weitere derzeit verfügbare Medikament wurde zugelassen, weil man einen Überlebensvorteil von zwei Wochen zeigen konnte.

Mit unserem Medikament konnten wir in der klinischen Studie die Überlebenszeit fast verdoppeln. Das ist noch nie da gewesen. Wenn dieses Ergebnis in weiteren Studien bewiesen werden kann, wäre das ein Riesendurchbruch in der Behandlung dieser Erkrankung.

VDI nachrichten: Um Erfolg zu haben braucht MediGene auch gute Mitarbeiter. Ein großes Problem für Sie?

Heinrich: Gute Mitarbeiter zu finden ist in jeder Branche schwierig. Für Spezialfunktionen ist der Wettbewerb um die besten Köpfe immer hart. Wissenschaftler gibt es ausreichend. Da profitieren wir natürlich vom Standort München und seinen Forschungseinrichtungen. Aber bei Positionen, die zum Beispiel Zulassungsfragen oder die Durchführung klinischer Studien betreffen, gibt es einfach nur sehr wenige Experten. Da muss sich eine Firma wie wir auch bei großen Pharmakonzernen umsehen. SILKE LINNEWEBER

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