Biotechnologie 02.10.2009, 19:43 Uhr

Maden und Motten für die Forschung  

Die Erkenntnis, dass Insekten auch nutzen, ist so alt wie die Geschichte. Seit 5000 Jahren ist die Seidenspinnerraupe für eine ganze Industrie im Einsatz. Dass spezielle Maden die Wundheilung fördern, wussten schon die Römer. Neue Insektenwirkstoffe für Medizin, Pflanzenschutz und Lebensmitteltechnologie soll nun das Forschungszentrum „Bioressourcen“ in Gießen finden. VDI nachrichten, Gießen, 2. 10. 09, ber

Forschung könnte Fungizide überflüssig machen.

Forschung könnte Fungizide überflüssig machen.

Foto: Werkfoto

Mehr als eine Million Arten von Insekten existiert heute. Vilcinskas und sein Team aus Mikrobiologen, Biochemikern und Bioinformatikern wollen diejenigen erforschen, die als Modell für besonders schlagkräftige biologische Mechanismen dienen können. Die Maden von Schmeißfliegen etwa werden seit Jahrhunderten bei schlecht heilenden Wunden eingesetzt, da ihr Speichel antibakteriell wirkt und Enzyme enthält, die dafür sorgen, dass nur bereits abgestorbenes Gewebe zerstört wird.

Die Kunst sei nun, so Vilcinskas, gezielt jene Moleküle zu definieren, die man für den medizinischen Einsatz braucht, und dann Technologien zu entwickeln, um sie später einmal künstlich herzustellen.

Nützlich in gleich zwei Bereichen ist die Große Wachsmotte. Eigentlich gilt der Falter, der gerne Bienenstöcke zerstört, als Ungeziefer und Schrecken aller Imker. Aber er gilt als möglicher Lieferant für neue Antibiotika. Denn er bildet Eiweiße, die giftige Enzyme etwa von Wundbrand- oder Choleraerregern ausschalten.

„Es geht nicht nur darum, die entsprechenden Moleküle zu isolieren“, betonte Vilcinskas, „sondern auch darum, die Wirkungsmechanismen zu verstehen.“ Die Experten in Gießen haben bereits einen Stoff entdeckt, den die Wachsmotte nur dann bildet, wenn sie sich gegen eine bestimmte Pilzart wehren muss, die auch in der Pflanzenwelt vorkommt. Für die Bildung dieses Peptids ist ein Gen namens Gallerimycin verantwortlich, das Fungizide auf den Feldern bald überflüssig machen könnte. Gelungen ist bereits, dieses Gen auf Tabakpflanzen und Gerste zu übertragen. „Die Züchtung pilzresistenter Pflanzen ist damit keine Zukunftsmusik mehr“, so Vilcinscas.

„Wir wollen eine langfristige Technologie aufbauen“, betont der Gießener Zoologe. In Europa ist seine Forschungsstelle, die sich zu einem eigenständigen Fraunhofer-Institut weiterentwickeln soll, bislang die einzige, die die Potenziale der Insektenbiotechnologie systematisch erschließen will. JUTTA WITTE

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