Gentechnik 26.04.2002, 17:33 Uhr

„Keine Mauer gegen Gentechnik“

In Europa ist der Widerstand gegen genmanipulierte Pflanzen nach wie vor groß. In Wahrheit ist das Geschäft mit den neuen Pflanzen aber nicht mehr zu stoppen. Jetzt will auch die Politik ihre Zurückhaltung aufgeben.

Die Wüste liegt mitten in Berlin-Charlottenburg. Allerdings ist sie ganze 30 m2 groß und kein Sandkorn ist hier zu finden, nur endlose Regale. In dem hermetisch abgedichteten Labor der Berliner BASF-Tochter Metagenomics wird Trockenheit simuliert. Im blassen Licht überdauert eine unscheinbare Pflanze: Arabidopsis thaliana. Als Unkraut verhasst, ist sie ein Grauen für jeden Kleingärtner, Gentechniker hingegen feiern sie als Gewächs der Erkenntnis. Vielleicht, so hoffen die Metagenomics-Forscher, können aus dem Kraut Gene isoliert werden, die auch Nutzpflanzen auf dürrem Boden gedeihen lassen.
Chemie- und Saatgutkonzerne wie BASF, Novartis und Syngenta haben die Gentechnik zu ihrem wichtigsten Forschungsfeld erklärt. Mehr als 70 % der Deutschen sprechen sich allerdings gegen genmanipulierte Nahrungsmittel (GVO) aus. Wegen der feindlichen Stimmung hat Kanzler Gerhard Schröder im vorletzten Jahr seine „Initiative Grüne Gentechnik“ auf Eis gelegt.
In Europa sank die Zahl der Freisetzungsversuche von über 240 im Jahr 1997 auf rund 40 vergangenen Jahr, wie der Biotech-Verbandes ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications) ermittelt hat. Weltweit aber bauen 5,5 Millionen Bauern Genpflanzen auf insgesamt 52,6 Mio. ha an. Insgesamt setzt die Saatgut-Branche 15 Mrd. Dollar um. In den USA sind 60 % der Soja-Ernte und ein Viertel des Maises gentechnisch verändert. Während die USA mehr als zwei Drittel der gentechnisch veränderten Produkte produzieren, hält die EU am GVO-Weltmarkt nur 0,03 %.
Die EU-Kommission will den verfahrenen Karren nun wieder flott machen: Seit Jahren hänge die Zulassung von 13 Gentech-Pflanzen in der Luft, warf Umweltkommissarin Margot Wallström Anfang des Jahres dem Ministerrat vor und warb mit ihrem für Verbraucherschutz zuständigen Kollegen David Byrne dafür, das zu ändern.
Die EU-Staaten sollten nicht bis Oktober 2002 damit warten, eine neue Freisetzungs-Richtlinie mit schärferen Sicherheitsstandards und schnelleren Genehmigungen umzusetzen, betont Wallström. Ohnehin gingen die Risiken der Gentechnik nicht über die „normalen Unsicherheitsfaktoren der traditionellen Pflanzenzucht“ hinaus, heißt es in einem Ende letzten Jahres veröffentlichten Bericht der EU-Kommission, der 15 Jahre Risikoforschung zusammenfasst: „Die genaueren Techniken und die strengere amtliche Überwachung machen diese Produkte vermutlich sogar sicherer als konventionelle Pflanzen und Lebensmittel.“
Auch deutsche Politiker denken um. Mit einer Fachtagung begann am vergangenen Wochenende in Bad Neuenahr der „Diskurs Grüne Gentechnik“, mit dem die Diskussion neu aufgenommen werden soll. Bis zum Herbst sollen Experten aus aller Welt bei mehreren Treffen Handlungsempfehlungen unterbreiten. „Ein Leben ohne Gentechnik wird es nicht geben“, sagte Verbraucherschutzministerin Renate Künast auf der Tagung. Bis zu 70 % mancher Lebensmittel, etwa der Sojaprodukte, enthielten schon längst genmanipulierte Zutaten. „Wir können um Deutschland keine Mauer bauen, um uns vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu schützen“.
Warum es in Deutschland keine absolute Gentechnik-Reinheit bei Lebensmitteln geben kann, rechnet Klaus-Dieter Schumacher, Volkswirt der Hamburger Toepfer International GmbH, vor. Das Unternehmen handelt und transportiert Getreide und Futtermittel. „In einem einzigen Schiffscontainer vermischen sich 50 000 t Getreide“, erklärt Schumacher, „das sind die Ernten von hunderten Landwirten, die völlig unterschiedlich produzieren.“ Wollte man genmanipulierte und herkömmliche Sorten trennen, müsste man kleinere Mengen verschiffen, wodurch zum Beispiel der Transport von Sojaschrot bis zu 15 % teurer würde. „Doch selbst dann kann man Spuren von genmanipulierten Sorten nicht heraushalten.“
Die europaweit umstrittene Frage, bis zu welchen Schwellenwerten Lebens- und Futtermittel als gentechnisch unverändert gelten, wird die EU im Herbst entscheiden. Künast plädiert dafür, jene Produkte kennzeichnen zu lassen, die mehr als 1 % gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten. Verbraucherschützer dagegen forderten, die technische Nachweisgrenze als Schwellenwert festzusetzen. Die liegt bei etwa 0,1 %.
Umweltschützer warnen nach wie vor, manipuliertes Saatgut in Europa zuzulassen. Eine unkontrollierte Ausbreitung der Pflanzen sei kaum zu verhindern, heißt es von Greenpeace. „Ein wenig mehr Sachlichkeit statt überzogener Risikodiskussion würde der Debatte gut tun“, glaubt Prof. Klaus Ammann, Direktor des Botanischen Gartens von Bern.
Gegnern der Gentechnik wirft er „Ignoranz der Satten“ vor, schließlich könnten Sorten, die auch auf dürren und nährstoffarmen Böden in der Dritten Welt wachsen, Hunger lindern. Auch in Europa sei es bis zur kommerziellen Nutzung transgener Sorten noch ein langer Weg. „Bei der Pflanzenzucht lernt man schrittweise, mit der Gentechnik ist das nicht anders.“
E. BODDERAS

Stellenangebote im Bereich Medizintechnik, Biotechnik

Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Stellvertretung und Assistenz der Leitung Technik (m/w/d) Neufahrn bei Freising / Nähe München
UROMED Kurt Drews KG-Firmenlogo
UROMED Kurt Drews KG Abteilungsleiter (m/w/d) Regulatory Affairs für Medizinprodukte Oststeinbek
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Senior Ingenieur (m/w/d) QM / Regulatory Affairs Pforzheim
sepp.med gmbh-Firmenlogo
sepp.med gmbh Validierungsingenieur (m/w/d) Forchheim
Merck KGaA-Firmenlogo
Merck KGaA EMR-Fachingenieur (m/w/divers) Darmstadt
INVACARE Deutschland GmbH-Firmenlogo
INVACARE Deutschland GmbH Leiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Porta Westfalica
EUROIMMUN AG-Firmenlogo
EUROIMMUN AG Ingenieur / Biotechnologe Qualitätsmanagement (m/w/d) Lübeck
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
MED-EL Medical Electronics Process Validation Engineer (m/w) Innsbruck (Österreich)
Hitachi Automotive Systems Europe GmbH-Firmenlogo
Hitachi Automotive Systems Europe GmbH Senior R&D Engineer (m/f/d) Schwaig-Oberding
Takeda GmbH-Firmenlogo
Takeda GmbH Qualifizierungsingenieur – Qualification Engineer (all genders) Oranienburg

Alle Medizintechnik, Biotechnik Jobs

Top 5 Biotechnologi…