Biotechnologie 13.09.2002, 18:21 Uhr

Investoren lassen sich nicht klonen

In der Biotech-Branche hat das große Sieben begonnen. Die meisten Unternehmen stehen nach jahrelanger Forschung immer noch am Anfang, haben kein Geld und keine Kapitalgeber in Aussicht. Das Hauptproblem sind fehlende marktreife Produkte. Zusätzlich fühlt sich die Branche durch die politischen Rahmenbedingungen geknebelt.

Optimisten sind in der Biotech-Branche derzeit so rar wie neue Medikamente, die zugelassen werden. Da macht auch die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) keine Ausnahme. Für die 365 deutschen Unternehmen fällt die Analyse von
Prof. Peter Stadler ernüchternd aus. Der Sprecher des DIB-Fachausschusses „Neue Biotechnologie-Unternehmen“ bemängelt, dass die meisten deutschen Firmen immer noch am Anfang stehen – und das, obwohl in den letzten Jahren 1,23 Mrd. DM in die Forschung geflossen sind. „Es gibt nur wenige Firmen mit dreistelligen Beschäftigungszahlen, 80 % haben zwischen fünf und achtzig Mitarbeiter.“
Nur wenige Unternehmen arbeiten profitabel, und von den 88 Gentherapeutika weltweit stammen gerade mal 13 aus deutscher Produktion. Nachdem das menschliche Genom entschlüsselt war, schienen maßgeschneiderte Medikamente und Therapien zum Greifen nah. Doch die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass der Weg dahin kompliziert und teuer ist. Ein neues Medikament zur Marktreife zu führen, kostet heute einschließlich der klinischen Prüfung 300 Mio. # und mehr. Hinzu kommt, erklärt Stadler, „dass der dramatische Werteverfall an der Börse auch die Biotech-Szene erfasst hat“. Und so halten sich die Kapitalgeber zurück oder widerrufen Versprechen.
Die Krise hat bereits erste Opfer gefordert, wie etwa das Berliner Start up GenProfile, eine Ausgründung aus dem deutschen Human-Genom-Projekt. Die Geschäftsidee, nämlich das menschliche Erbgut auf medizinisch nutzbare Gen-Unterschiede zu durchforsten, brachte dem Unternehmen 1998 den ersten Platz beim BioChance-Wettbewerb des Bundes ein und überzeugte auch die Risikokapitalgeber, so dass insgesamt 12 Mio. DM aufgebracht wurden. Als es jedoch 2001 um die zweite Finanzierungsrunde ging, drehte der größte Investor den Geldhahn zu. Ähnlich wie die Berliner rutschten 20 weitere Unternehmen aus Geldnot in die Pleite.
Die Taschen der Kapitalgeber sind zugeknöpft. Wer sie öffnen will, muss mehr bieten als eine gute Geschäftsidee. „Das Gründungsfieber der 90er Jahre ist vorbei“, erklärt Karsten Henco, als Mitbegründer von Quiagen und Evotec ein Pionier der deutschen Szene. Nur Firmen mit klinischen Produkten und anerkannten Forschungserfolgen, so die paradoxe Botschaft der Risikokapitalgeber, erhalten eine dauerhafte Finanzierung. Will heißen: Wer die größten und teuersten Hürden genommen hat, kommt eher ans Geld.
Branchenbeobachter haken die Krise als „Konsolidierungsprozess“ ab, in der Hoffnung, dass die verbleibenden Firmen stärker und überlebensfähiger sind. Doch täuschen die Erklärungen nicht über das größte Manko der deutschen Biotech-Branche hinweg: „Es gibt zu wenig Produkte in der Pipeline“, erklärt DIB-Experte Stadler. Darüber können auch die 800 Mio. n projektbezogener Forschungsförderung nicht hinwegtäuschen, die Forschungsministerin Edelgard Bulmahn bis zum Jahr 2004 beisteuern will.
Stadler plädiert für eine „Reduzierung der Gießkannenförderung zugunsten der Eliteförderung“. Wie das geht, macht gerade NRW-Ministerpräsident Clement vor. Das Land investiert in ein Hirnforschungszentrum, das nach dem Muster renommierter Forschungszentren wie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder der Harvard Medical School als Kompetenz-Cluster die Spitze der Hirnforscher nach NRW locken soll.
Einzelne positive Ansätze könnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Politik in Biotech-Fragen an Konsequenz mangele, kritisiert DIB-Vorsitzender Dr. Dieter Wißler. „Wir sind weit von einer nationalen Biotechnologie-Strategie entfernt.“ Er begrüßt die 1,6 Mrd. „, die Wirtschaftsminister Müller in Existenzgründungen gesteckt hat, moniert aber die Novellierung des neuen Gentechnik-Gesetzes: „Die Kontrollen werden schärfer und die verwaltungstechnischen Hürden höher. Die verbesserte Sicherheit der Gentechnik-Anlagen wird nicht honoriert.“
Und auch die EU-Biopatentrichtlinie sei noch nicht in deutsches Recht umgesetzt. Gerade kleinere und mittlere Biotech-Unternehmen hätten dadurch Wettbewerbsnachteile.
Sorgenkind des DIB ist nach wie vor die „grüne Biotechnologie“. Das gilt für die Gesetzeslage ebenso wie für die gesellschaftliche Akzeptanz. 62 % der Deutschen würden ein biopharmazeutisches Arzneimittel bedenkenlos einnehmen – bei den am Reißbrett der Genetiker entstehenden Designer-Pflanzen endet die Aufgeschlossenheit.
Doch langsam ändert sich die öffentliche Meinung über gentechnisch veränderte Pflanzen. Laut einer Allensbach-Umfrage sprechen sich 46 % der Deutschen dafür aus, Pflanzen mit Hilfe der Gentechnik gegen Schädlinge und Krankheiten zu immunisieren. Und 67 % der Befragten befürworten den Einsatz der Gentechnik, wenn Pflanzen und Getreidesorten entwickelt würden, die in den kargen Gebieten der Dritten Welt angepflanzt werden können. ANKE GEIPEL-KERN

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