Biotechnologie 11.02.2000, 17:24 Uhr

In den Hightech-Branchen fehlen zunehmend die Innovatoren

Der Personalmangel an Fachkräften in Zukunftsbranchen wie der Biotechnologie bedeutet für Deutschland eine erhebliche Innovationsschwäche. Zu diesem Ergebnis kommt der Bochumer Arbeitsökonom und Innovationsforscher Prof. Dr. Erich Staudt.

Die Situation scheint paradox. Über 80 000 arbeitslosen Naturwissenschaftlern und Ingenieuren stehen nach Erkenntnissen von Staudt 100 000 offene Stellen in den boomenden Branchen gegenüber. Sie könnten nicht besetzt werden, weil praxisorientierte Fachkräfte fehlen. Der Arbeitsökonom und Innovationsforscher Prof. Erich Staudt hat sich in seiner neuen Studie „Window of Competence – Von der Gründungsdynamik von gestern zur Innovationsschwäche von morgen“ Phänomen und Konsequenzen am Beispiel der Biotechnologie untersucht. Er sagt der Wirtschaft eine mindestens zehnjährige Innovationsschwäche voraus.
Die drohende Misere zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab, doch in diesem Jahr werden sie die Unternehmen erstmals in voller Schärfe zu spüren bekommen, stellt Staudt vom Institut für angewandte Innovationsforschung in Bochum fest. Danach wird die Zahl der Hochschulabsolventen aus den technologisch relevanten Bereichen in den nächsten zwei Jahren um über 70 % „erdrutschartig“ einbrechen. Zu dem quantitativen Kollaps des deutschen Fachkräftemarkts kommt noch eine qualitative Schwäche hiesiger Akademiker: ihr Mangel an praktischer Erfahrung. Es fehle vor allem Fachpersonal für den Aufbau von Produktions-, Vermarktungs- und Servicekapazitäten in den dynamisch wachsenden Sektoren wie der Biotechnologie, Mikrosystemtechnologie und in den Informationsdienstleistungen, hier insbesondere beim elektronischen Handel, stellt der Bericht fest. Die Konsequenzen für die Wirtschaft sind verheerend. In den neuen Wachstumsbranchen drohten die Innovatoren auszugehen, mahnt Staudt.
Im Hochtechnologiezweig Biotechnologie ist die Zahl der Unternehmen von einer Hand voll zu Beginn der 90er Jahre auf heute rund 500 gestiegenen. Die einst so geschmähte Branche hat sich zu einem wirtschaftlich potenten Zukunftsträger mit inzwischen 12 000 Mitarbeitern entwickelt. Zwar können deutsche Biotechnologieunternehmen, die mit einem Jahrzehnt Verspätung in den globalen Wettbewerb gestartet sind, noch keine großen Gewinne ausweisen. Doch hat die enorme Wachstumsdynamik in dem Bereich Deutschland in nur knapp fünf Jahren international auf den dritten Rang katapultiert, nach den USA und Großbritannien.
Diese beachtliche Stärke sei durch den akuten Personalmangel auf das höchste gefährdet. Es sei die im Strukturwandel viel beschworene Gründungs- und Mittelstandsoffensive, die ab 2002 auf der Strecke bleibe, stellt Staudt im Bericht fest.
Die Studie räumt auch mit einer weiteren Illusion auf. Innovationskraft, Prosperität in zukunftsfähigen Wirtschaftsfeldern und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen lasse sich nicht durch den Einsatz von milliardenschweren Förderprogrammen für Gründungsoffensiven und den Technologietransfer politisch verordnen. Daraufhin haben sich zwar die Investitionen der Biotechnologie-Unternehmen im Beobachtungszeitraum 1996 bis 1998 von 75 Mio. DM auf 424 Mio. DM versechsfacht, was zugleich eine Aufstockung bei der Beschäftigtenzahl um rund 90 % auf 5200 Mitarbeiter nach sich zog. Der Schluss jedoch, dass dieser Erfolg vor allem auf eine mittelstandsorientierte Technologiepolitik zurückführbar ist, sei allzu vordergründig, heißt es in der Studie.

Großindustrie hat bereits auf „Vorrat“ eingestellt

Staudt sieht den Anstoß für den Gründungsboom in den Technologiebranchen in einer „einmaligen Konstellation“ der deutschen Ausbildungsszene. Just, als die traditionellen Arbeitgeber wie Großindustrie und der öffentliche Dienst ihren Personalbedarf Anfang der 90er Jahre stark zurückfuhren, schwappte eine Absolventenwelle von Akademikern über den Arbeitsmarkt. Dadurch seien hoch qualifizierte Naturwissenschaftler und Ingenieure erstmals in größerem Umfang für die Personalrekrutierung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMUs) etwa aus der Bio- und Informationstechnologie überhaupt zugänglich gewesen. Im Klartext heißt das: Der existenzielle Druck war wichtigster Auslöser der technologischen Gründungswelle in Deutschland. Staudt erwartet für die BRD, dass sich dieses sogenannte „Window of Competence“ aufgrund der deutlichen Absolventenrückgänge in Chemie, Physik und den Ingenieurwissenschaften nun wieder schließt.
Das wird vor allem die KMUs hart treffen. Viele haben die Start-up-Phase hinter sich und wollen ihre Kapazitäten erweitern, um sich den Anschluss an internationale Spitzenpositionen zu sichern. Anders als die Großindustrie, die bereits die wenigen verfügbaren Fachkräfte auf „Vorrat“ eingestellt hat, haben sie kaum Ressourcen, um sich den Einkauf von praxiserprobten Fach- und Führungskräften im Ausland leisten zu können. „In wichtigen Hochtechnologiebranchen bleibt für Gründungen und Expansion der KMUs nichts mehr übrig. Das bedeutet für Deutschland eine Innovationslücke von zehn bis 15 Jahre“, warnt Staudt. SILVIA VON DER WEIDEN
Mit kritischem Blick prüft ein Mitarbeiter der PlasmaSelect AG in Teterow ein Schlauchset für ein neues Blutwäscheverfahren.

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