Gentechnik 04.05.2001, 17:29 Uhr

Grüne Fabriken wandern aus

Das Umweltbundesamt fordert umfangreiche Sicherheitskontrollen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen im Freiland. Doch immer mehr deutsche Biotech-Firmen haben längst ihre Feldversuche ins Ausland verlegt.

Feldversuche: Oft im Ausland.

Feldversuche: Oft im Ausland.

Foto: Monsanto Agrar

Mit seiner leuchtend gelben Farbenpracht zieht das Rapsfeld schon von weitem die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Schilder am Rand des Feldes weisen darauf hin, dass die angebauten Pflanzen gentechnisch verändert sind. Die reifen Früchte liefern dem kanadischen Biotec-Unternehmen SemBioSys aus Calgary einen Arzneimittelwirkstoff: Hirudin, ein gerinnungshemmendes Eiweiß, das ursprünglich aus dem Blutegel stammt und in der Medizin gegen Thrombosen eingesetzt wird.
„Gene farming“ heißt die neue Methode der Biotechnik, mit der sich Arzneimittelwirkstoffe in Pflanzen auf dem Acker produzieren lassen. Eine Methode, die lukrativ erscheint, wenn andere Verfahren ausgereizt sind. Dabei werden fremde Gene, etwa für einen menschlichen Eiweißstoff, in das Erbgut einer Pflanze eingeschleust. Ist der Eingriff geglückt, erzeugt die Pflanze den Wirkstoff und kann als Grundstock für die gezielte Vermehrung der neuen Sorte dienen. Dabei werden derzeit Wirkstoffkonzentrationen zwischen 1 % und 10 %, bezogen auf die in den Pflanzen erzeugten Proteine, erreicht.
Vor allem in den USA und Kanada, wo in großem Stil herbizid- und insektizidresistente transgene Nutzpflanzen angebaut werden, hat sich die grüne Gentechnik zu einem großen Geschäft entwickelt. Den Marktwert transgener Nutzpflanzen, die in den Jahren 1999 und 2000 weltweit auf rund 40 Mio. ha angebaut wurden, schätzt das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin auf über 2 Mrd. Euro.
Seit 1991 werden in Nordamerika auch Pharmazeutika und Diagnostika produzierende transgene Pflanzen im Freiland angebaut. Doch liegen kaum Informationen zu den eingebauten Genen und ihrer Wirkung auf die Umwelt vor, stellt ein aktuelles UBA-Gutachten zu den Auswirkungen von „Gene farming“ fest. Weil immer mehr solcher Pflanzen auch aus deutschen Biotechnologiefirmen ins Freiland drängen, plädiert das UBA, das für die Prüfung der Umweltverträglichkeit von transgenen Freisetzungen verantwortlich ist, für strikte Sicherheitsauflagen.
Das Gutachten macht dafür zahlreiche Vorschläge: kontrollierbarer Zugang zu den Feldflächen, ausreichende Sicherheitsabstände zu anderen Pflanzen, die Ausbringung pollensteriler Pflanzen, um eine Vermischung mit Wildformen zu verhindern. Auch Details zum gentechnischen Engineering und zur Prozessierung sollten offen gelegt werden. „Bislang liegt uns aber noch kein Antrag für Freilandversuche vor, die die Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe durch Gene farming betreffen“, sagt Claudia Golz, zuständige Fachreferentin im UBA.
Daran scheint sich sobald auch nichts zu ändern, denn bei deutschen Biotechnikunternehmen stoßen die Forderungen der Berliner Behörde auf wenig Resonanz. „Warum sollten wir unsere Freilandtests von Kanada nach Deutschland verlegen“, fragt Dr. Klaus Düring, Geschäftsführer von MPB Cologne. Die 1998 gegründete, in Köln ansässige Firma hat sich auf die Entwicklung transgener Pflanzen für die Produktion von therapeutischen und technisch verwertbaren Eiweißstoffen spezialisiert. In diesem Jahr sind erste Feldversuche mit einer transgenen Kartoffelsorte geplant, die Antikörper der Maus produzieren soll. Auf diese Weise sollen später auch Human-Antikörper hergestellt werden.
Stattfinden werden die Freilandversuche in der kanadischen Provinz Ontario. Auch die kanadischen Behörden fordern Sicherheitsbetrachtungen bei transgenen Freilandversuchen. Für das deutsche Unternehmen scheint jedoch der weite Weg nach Kanada praktikabler zu sein als Freilandtests vor der Haustür. Düring nennt vor allem Planungssicherheit und etablierte Zulassungsverfahren als wesentliche Gründe für den Schritt nach Kanada: „Dort werden Sicherheitserkenntnisse auf der Basis von Erfahrungswerten akzeptiert.“
„Wir planen keine Freilandversuche in Deutschland“, sagt auch Hans-Ulrich Koop, Professor am Botanischen Institut der Universität München und wissenschaftlicher Direktor der Icon Genetics AG. Das 1999 in München gegründete Unternehmen entwickelt Gentransfertechniken für die Produktion chemischer und pharmazeutischer Wirkstoffe in transgenen Pflanzen. Es unterhält eine Filiale in Princeton, USA. Ob an Freilandversuche in Nordamerika gedacht ist, will Koop nicht sagen.
Ein gerade angelaufenes Projekt der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow sieht die Produktion stärkeähnlicher Zuckerstoffe, so genannter Inuline, mit Hilfe von Zuckerrüben vor, in die Pilzgene eingeschleust wurden. Diese Gene benötigen die Forscher, um chemisch unverzweigte Inuline herstellen zu können, wie sie in der Natur sonst kaum vorkommen. „Das veränderte Inulin kann die Basis für einen umweltfreundlichen Weichmacher in der Kunststoff verarbeitenden Industrie und für ein biologisches Flockungsmittel in der Papierverarbeitung liefern“, erklärt Dr. Hinrich Harling, Projektmanager bei der KWS Saat AG in Einbeck, dem Industriepartner für das Projekt. Ob die neue Technik hierzulande auch zum Einsatz kommen wird, ist noch offen. S. VON DER WEIDEN

Medikamente vom Acker

Zahlreiche pharmazeutische Substanzen, darunter menschliche Wachstumsfaktoren, Bestandteile von Hormonen, Hämoglobin und Kollagen, werden heute schon von transgenen Pflanzen im Freiland hergestellt. Eiweißstoffe wie „Humanes Alpha-1-Antritrypsin“, das in transgenen Reispflanzen erzeugt wird und für die Therapie der Zystischen Fibrose sowie zur Behandlung von Lebererkrankungen und Blutungen benötigt wird, gehört zu den wichtigen Anwendungen. Glucocerebrosidase, ein menschliches Enzym, das in Tabakpflanzen produziert wird, ist derzeit der einzige Wirkstoff zur Behandlung der Gaucher-Krankheit, eines seltenen Erbleidens. Fast alle Planzen werden in den USA und in Kanada hergestellt. SvdW

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