Biotechnologie 08.02.2002, 17:32 Uhr

Glänzende Perspektive

Als Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik startete das Biotech-Unternehmen Scienion im Frühjahr 2001. Mit Biochips wollen der Ingenieur Martin Horn und seine fünf Mitgründer den Markt erobern – die Chancen stehen gut.

Der Weg für den Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland ist seit vergangener Woche frei. Niemand freut sich darüber mehr als die Biotechnologie-Branche. Möglicherweise hilft die Entscheidung des Bundestags, das Image der Branche aufzuwerten. Bislang nämlich ist es mit dem Ansehen nicht zum Besten bestellt. Trotz glänzender Zukunftsaussichten der Branche, so jedenfalls das Institut für Demoskopie Allensbach zum Jahrtausendwechsel, betrachten 44 % der Deutschen die Möglichkeiten der Gen- und Biotechnologie mit Sorge. Andreas Erber, PR-Berater bei der Düsseldorfer Kommunikationsagentur F&H, kennt den Grund: Viele Biotech-Unternehmen täten sich schwer, Medien und Investoren ihre komplexen Forschungsfelder zu vermitteln. Erber meint: „Begriffe wie ´molekulare Antikörper´ oder ´Proteomen-Forschung´ in verständliche Worte zu fassen, ist für jeden Vorstand oder Pressesprecher eine echte Herausforderung“.

Martin Horn kann damit nicht gemeint gewesen sein. Der 34-jährige Ingenieur für Technische Informatik gehört zu den sechs Gründern der jungen Scienion AG, die seit knapp einem Jahr am Berliner Wissenschaftsstandort Adlershof DNA- und Protein-Biochips produziert. Wenn der dunkelhaarige Hüne mit ungemein sympathischer Ausstrahlung Firmenbesucher durch die derzeit acht auf 700 m2 verteilten Forschungslabors führt, bleibt keine Frage unbeantwortet. Horn erklärt die komplexesten naturwissenschaftlichen Zusammenhänge so, wie es sich jeder zu Schülerzeiten von seinem Lehrer gewünscht hätte.

Auf der Visitenkarte des 34-Jährigen steht „Vice President Technology“. Das ist für ihn jedoch eher eine Funktionsbezeichnung als ein Titel, der etwas über seinen Status in der Unternehmenshierarchie aussagen soll: „Ich bin Technikchef und werde Vice President Technology genannt, weil sich das internationaler anhört.“ Firmengründer Horn hat einen ganz normalen Angestelltenvertrag.

Wirklich reich werden kann er nur über seine Mitarbeiteraktien, wenn Scienion tatsächlich in drei Jahren die ersten schwarzen Zahlen schreibt und möglicherweise an die Börse geht. Die Chancen, dass die Scienion AG Erfolgsgeschichte schreibt, stehen allerdings gut. „Biotechnologie“, sagt Martin Horns Gründungs-Partner Holger Eickhoff, „wird in spätestens zehn Jahren das tägliche Leben von uns mehr beeinflussen als alle anderen Technologien – inklusive der Informationstechnologie.“

Scienion will sich am Boom der Biotechnologie beteiligen. Nach Berechnungen der Deutschen Bank soll bis zum Jahr 2010 in der Bundesrepublik der Biotech-Umsatz von derzeit 500 Mio. € auf 3 Mrd. € hochschnellen. Von solchen Zahlen beflügelt, hat sich das Berliner Start-up vorgenommen, innerhalb der kommenden fünf Jahre 10 % des Weltmarktanteils bei biochipbasierten Produkten und Dienstleistungen zu erobern. Der eigene Vertrieb und eine Supportabteilung mit Hotline für die Kunden sollen dies vorantreiben. Als größten Trumpf aber sieht Unternehmensgründer Horn seine berufliche Herkunft, die auch die von Vorstandschef Holger Eickhoff ist. Scienion ist bereits die dritte Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin. Die Abteilung von Professor Hans Lehrach, der das „Deutsche Human Genom Projekt“ ins Leben gerufen hat, gilt als „Center for Excellence“ in der Genomanalyse. Horn verschlug es 1995 als Entwicklungsingenieur für biologische Roboter ans MPI. Sein ursprünglicher Plan, mit seinem Wissen in technischer Informatik „was zu programmieren, was man sehen kann, z. B. Waschmaschinen“, hatte sich durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt erledigt. Statt vier Stellen auf einen Bewerber war das Verhältnis auf einmal umgekehrt. Doch für Horn bedeutete es Glück. Die Arbeit am MPI wurde für ihn sehr schnell mehr als ein Job zum Geld verdienen. Die Biologietechnologie begeisterte ihn.

1999 kam Horns Kollege Eickhoff, ein promovierter Chemiker, mit der Idee einer Ausgründung zu ihm. Professor Lehrach sagte seine Unterstützung zu – und Horn setzte alles auf die nicht gerade ingenieurtypische Branche. Um die Gründung voranzutreiben, arbeitete er sich in die betriebswirtschaftlichen Finessen des Businessplan-Schreibens und der Finanzakquise ein. Horn rückblickend: „Das Vorsprechen bei den Venture Capital-Gesellschaften war eine richtige Lauferei, fast Fließbandarbeit. Es war für uns nicht leicht davon zu überzeugen, dass unsere Idee Geld einbringt.“ Kein Wunder, die goldenen Zeiten für Start-ups waren bereits vorbei – das Geld der Investoren saß nicht mehr so locker wie noch ein Jahr zuvor. Das Gründer-Sextett brauchte ein drei viertel Jahr, bis die Finanzierung von 16 Mio. DM stand. Im März 2001 nahm die Scienion AG endlich das operative Geschäft auf. Seit dieser Zeit kann sich Horn wieder um seine wahre Leidenschaft kümmern, das Engineering. Sein Job: Aufbau und Weiterentwicklung der Hardware, die für die Biochip-Produktion notwendig ist – Roboter für berührungsloses Liquid-Handling. Der Biochip von Scienion hat nämlich keine Ähnlichkeit mit einem neuronalen Computerchip, sondern ist ein eigenproduzierter, oberflächenbehandelter Glas-Objektträger, der Moleküle in biologisch aktivem Zustand an sich bindet. Als winzige Tröpfchen können Tausende DNA, Proteine und Wirkstoffkandidaten gleichzeitig untersucht werden. Wie viel Ingenieur-Know-how für die Entwicklung der dazu erforderlichen Hightech-Roboter notwendig ist, lässt sich durch die „Größe“ der wässrigen Tröpfchen erahnen, in denen die DNA-Moleküle gelöst sind: Ihr Durchmesser beträgt 200 µm, ihr Abstand voneinander 400 µm.

Die Sprache der Biotechnologie beherrscht Martin Horn inzwischen perfekt. Und er weiß, dass von der Präzision, mit der die von ihm entwickelten Roboter „wandminimierte Reaktionsgefäße“ auf Objektträger mit „hydrophober Oberfläche und hydrophilen Ankerpunkten“ aufbringen, nicht nur die weitere Entwicklung des jungen Start-up-Unternehmens und der derzeit 35 Mitarbeiter abhängt, sondern auch die Hoffnung von vielen Menschen. Scienion will mit seiner Arbeit dazu beitragen, dass Volkskrankheiten wie Rheuma, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schneller diagnostiziert und therapiert werden können.

REGINA-C. HENKEL

www.scienion.de

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