Ernährung 03.11.2000, 17:27 Uhr

Gene rund um die Rebe

Wenn die Winzer an Mosel und Rhein konkurrenzfähig bleiben wollen, kommen sie um eine auf Gentechnik gestützte Rebenzucht wohl nicht herum. Denn mit dem Anbau transgener Sorten müssten weniger Pestizide in die Weinberge gespritzt werden.

Die faszinierende Welt des Weins wurde bislang vom Anbaugebiet und von den Rebsorten bestimmt. Konventionelle Züchtung braucht einen langen Atem, um dem Genießer schlussendlich einen neuen Tropfen zu kredenzen. Jetzt sieht es ganz so aus, als würde der fest gefügte Reben-Kosmos um ein neues Element erweitert. Denn in der Rebenzüchtung kommen Zeit sparende gentechnische Tricks zum Zuge, um die traditionellen Rebsorten gezielt zu verbessern.
Rund 23 l Wein trinkt jeder Deutsche pro Jahr – 4,5 l davon als Sekt, den Rest je zur Hälfte als Weiß- und Rotwein. Roter befindet sich tendenziell auf dem aufsteigenden Ast. Dieser Rotwein-Boom aber beschert nur den ausländischen Anbietern einen wachsenden Marktanteil, denn in den 100 000 ha umfassenden deutschen Weinbergen ist er nur auf einem Fünftel der Fläche zu finden.
Damit die deutschen Winzer hier wieder einen Fuß in die Tür bekommen, bietet sich die Gentechnik geradezu an. Im Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen, Siebeldingen, werden in einem 127 Stöcke umfassenden Weinberg drei Rebsorten besonderen Prozeduren unterworfen. Beim roten Dornfelder ist ein Gen zum Nachweis einer Farbveränderung und einer Auskreuzung eingebracht worden. Dem Riesling wiederum wurden zwei Genkonstrukte implantiert, um ihn widerstandsfähiger gegen Mehltau zu machen, und beim Seyval blanc soll eine bereits vorhandene Teilresistenz noch verstärkt werden.
„Wenn der Schadpilz die Pflanze befällt, soll diese die Abwehrsubstanzen selbst herstellen“, umreißt Prof. Reinhard Töpfer, Leiter des Instituts für Rebenzüchtung, das Ziel. Er ist der Meinung, dass eine erfolgreiche Resistenzzüchtung heute ohne Gentechnik nicht mehr auskommt. Höchstens durch die Kreuzung amerikanischer Wildarten mit europäischen Qualitätssorten ließen sich Nachkommen mit den erwünschten Eigenschaften „Resistenz“ und „Qualität“ züchten. Die konventionelle Züchtung aber ist sehr langwierig und es kommt dabei immer eine neue Sorte heraus – mit allen Problemen der geschmacklichen Akzeptanz beim Verbraucher und der langwierigen und teuren Einführung in den Markt.
„Wenn transgene Zuchtlinien den Einsatz von einem Drittel weniger Pflanzenschutzmitteln zuließen, wäre das doch schon ein großer Erfolg“, resümiert Töpfer. Zwar ist auch die Zeit der Spritzorgien in den Weinbergen längst vorbei, doch ganz auf Chemie verzichten kann man nicht.
Weitere Gene, die bei anderen Kulturarten bereits zu verbesserten Resistenzen geführt haben, sind bei den Rebenzüchtern im Wartestand. Eingriffe in die geschmackliche Weinqualität sind nicht vorgesehen, aber denkbar. Töpfer: „Was wollen wir am deutschen Riesling noch verbessern?“
Neue Technik hat übrigens immer einen schweren Stand – in der Branche genauso wie in der Öffentlichkeit. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Heilbronn hatte Kristina Kramer 500 Winzer und Weintrinker befragt, was sie von Gentechnik in der Rebenzüchtung halten. Die Mehrzahl der Winzer in Franken und Württemberg hofft demnach auf finanzielle Vorteile durch die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln und würde den Anbau transgener Pflanzen akzeptieren.
Die befragten Weintrinker hingegen sind unsicher. Immerhin 38 % würden einen Wein trinken, der von gentechnisch resistent gemachten Reben stammt. Bemerkenswert ist auch, dass 78 % der Befragten Wein von Reben trinken wollen, die nicht gespritzt werden müssen. K. NIEHÖRSTER

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