Gentechnik 26.03.1999, 18:21 Uhr

Gen-Pflanzen wachsen auf unsicherem Boden

Viele Verbraucher, Umweltschützer und Politiker lehnen Gen-Food nach wie vor ab. Das bringt einzelne EU-Staaten dazu, im Alleingang Anbau und Import bestimmter Sorten zu verbieten. Die EU-Kommission droht mit Klage.

Ob dieser Widerspruch gelöst werden kann, diskutierten Vertreter der Industrie, der EU-Staaten und der EU-Kommission auf einer Konferenz mit dem Titel „Die Suche nach der richtigen Balance“ vergangene Woche in Brüssel.
Diese Suche ist schwieriger als erwartet. „Nahrungs- und Lebensmittel sind Teil unser Kultur, wissenschaftliche Unbedenklichkeit reicht nicht aus, Bürger vom Nutzen dieser Pflanzen zu überzeugen“, stellte Horst Reichenbach, Generalsekretär der Abteilung Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission, klar. Darzustellen, warum Gen-Food dem Verbraucher Vorteile bringt, ist tatsächlich nicht einfach. Theo Verrips, Forschungsleiter beim niederländischen Lebensmittelhersteller Unilever, bekannte: „Ich kann dem Verbraucher nicht ein Beispiel eines für ihn vorteilhaften Produkts aus gentechnisch veränderten Organismen nennen.“
In dem Dilemma reagieren die EU-Mitgliedsstaaten ganz unterschiedlich. So haben Luxemburg und Österreich den Anbau gentechnisch veränderter Maispflanzen der Schweizer Firma Novartis sowie die Einfuhr von Produkten dieser Pflanzen untersagt. Diesem Mais wurde unter anderem ein Gen des Bakteriums Bacillus thurigiensis (B.t.) übertragen. Damit bilden diese transgenen Pflanzen Gifte, die Schadinsekten wie den Maiszünsler töten sollen. Ihr Verbot begründen Österreich und Luxemburg mit vom Hersteller „ungeklärten Fragen zur Ausbildung von Resistenzen gegen B.t.-Toxine“.
Noch weiter geht Frankreich. Ein Moratorium der französische Regierung aus dem Sommer 1998 untersagt für zwei Jahre den Anbau aller transgenen Pflanzen, die mit heimischen Arten kreuzbar sind. Damit können die von der EU-Kommission bereits zugelassenen herbizidresistenten Rapspflanzen der belgischen Firma Plant Genetic Systems (PGS), die inzwischen von der deutschen Firma AgrEvo übernommen wurde, nicht angebaut werden. Die französische Regierung hat ihre Entscheidung mit Wissenslücken bezüglich der Auskreuzung der Herbizidresistenz auf Ackerkräuter begründet.
Frankreichs Nein zu transgenem Raps blockiert auch andere Entscheidungen auf EU-Ebene. Als Opfer sehen sich deutsche Pflanzenzüchter, die eigene herbizidresistente Rapssorten entwickeln. Das Moratorium blockiert den EU-weiten Anbau dieser Rapssorten, klagt Vera Große Kleimann vom Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) mit Sitz in Bonn.
Die Kommission fährt gegen solche Alleingänge schwere Geschütze auf – nicht zuletzt, weil die Industrie drängt. „Die Ausnahmeregelungen in sechs EU-Staaten schaden dem Image der Gentechnik“, klagt Kenneth Baker, Direktor bei Monsanto Services International, Brüssel. Sollten Luxemburg und Österreich auf ihrem Nein zum Gen-Mais beharren, „wird die EU-Kommission klagen und der Europäische Gerichtshof entscheiden müssen“, erklärt Karl Döhler von der Umweltabteilung der EU-Kommission. Doch wann das geschehen wird, ist nach dem Rücktritt der EU-Kommission völlig offen. Auch gegen Frankreich will die Kommission vorgehen. Sie hat im Herbst 1998 ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Doch Europas Mühlen mahlen langsam: Mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof ist wohl noch 1999 zu rechnen, mit dem Urteil nicht vor Ende des Moratoriums.
Deutsche Pflanzenzüchter beobachten die Entwicklung mit Sorge. Sie haben bereits eigene Rapssorten entwickelt. Doch bevor Landwirte diese Sorten nutzen können, sind zwei Genehmigungen nötig: für das Inverkehrbringen des transgenen Rapses sowie für die Zulassung als Sorte nach dem Saatgutverkehrsgesetz. „Verzögert sich der erste Schritt, also die Genehmigung der gentechnisch veränderten Pflanze, kann der zweite Schritt nicht vollzogen werden“, erläutert Große Kleimann. Beispielsweise hat die Deutsche Saatveredelung Lippstadt-Bremen (DSV), Lippstadt, transgenen Raps bereits seit mehreren Jahren in der Sortenprüfung beim Bundessortenamt. Doch die Behörde kann diese Sorten erst registrieren, wenn der transgene Raps genehmigt wurde.
Weniger Konsequenzen haben die Übereinkommen, die die Regierungen Dänemarks und Großbritanniens mit der Agroindustrie getroffen haben. Das einjährige dänische Moratorium vom November 1998 untersagt zwar den kommerziellen Anbau aller transgenen Pflanzen, allerdings dürfen transgene Futterrüben zu Versuchszwecken gepflanzt werden. Ähnlich in Großbritannien: Im Oktober 1998 beschloß die britische Regierung, daß drei Jahre lang keine insektenresistenten Pflanzen wie die Maissorten von Novartis angebaut werden. Das hat jedoch wirtschaftlich kaum Konsequenzen, denn der Maiszünsler bedroht auf den britischen Inseln kaum die Maisernte. Und das griechische Verbot, eine herbizidresistente Rapssorte von Agr-Evo einzuführen, ist recht unbedeutend: Raps spielt in dem Mittelmeerland nur eine unbedeutende Rolle.

US-Exporteure klagen über Umsatzverluste durch EU

Diese EU-internen Handelshemmnisse kümmern die USA wenig, erklärte in Brüssel Richard Romminger, stellvertretender Minister des US-Landwirtschaftsministeriums. „Uns stört vor allem der unvorher-sagbare Verlauf der langen Genehmigungsverfahren.“ Die Amerikaner haben lernen müssen, so Romminger, daß in der EU eine zentrale Zulassungsbehörde fehlt und die politischen Interessen aller 15 EU-Staaten eine Genehmigung verzögern können. So klagt Romminger, daß der amerikanischen Wirtschaft allein letztes Jahr rund 200 Mio. Dollar an Maisexporten entgangen seien, weil eine transgene Maissorte, die in den USA bereits angebaut wird, noch nicht zugelassen wurde.
Offen ist, wie es mit transgenen Pflanzen in der EU weitergeht. Ein wichtiges Datum ist das Juni-Treffen der europäischen Umweltminister. Denn auf der Tagesordnung wird aller Voraussicht nach auch die Zulassung von vier weiteren transgenen Sorten stehen, die die Prüfung durch den Wissenschaftlichen Ausschuß der EU-Kommssion bereits bestanden haben: die Anti-MatschTomate der britischen Agro- und Pharmafirma Zeneca, zwei insektenresistenten Baumwollsorten des amerikanischen Chemie- und Agrokonzerns Monsanto und eine insektenresistenten Maissorte des amerikanischen Saatgutunternehmens Pioneer.
RALPH AHRENS
Mit Hochdruck arbeiten auch deutsche Saatgutfirmen wie AgrEvo an der Entwicklung krankheitsresistenter Mais- und Rapssorten.
Viel Wirbel um Gen-Mais: Luxemburg und Österreich verbieten Anbau und Einfuhr transgener Sorten.

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