Biotechnologie 11.06.2004, 18:31 Uhr

Erfolge mit adulten Zellen geben Hoffnung

VDI nachrichten, Radevormwald, 11. 6. 04 -Zu viel Bürokratie und wenig Geld lassen Stammzellenforscher hierzulande um die Forschungsqualität fürchten. Nun meldet ein Lübecker Team einen Durchbruch. Zu voreilig, wie Experten kritisieren.

Als die Bundesregierung kürzlich 120 führende deutsche Stammzellenforscher nach ihren Erwartungen befragte, klang der Ausblick noch verhalten. Zwar gelten Stammzellen wegen ihres einzigartigen Potenzials, jedes beliebige menschliche Gewebe hervorbringen zu können, als Hoffnungsträger für die Heilung schwerer Krankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes, Schlaganfall, Alzheimer und Parkinson. Die überwiegende Mehrheit der knapp 50 Wissenschaftler, die auf die so genannte Delphi-Befragung antworteten, sieht aber einen praktischen Einsatz in der Medizin noch in weiter Ferne.
Bis zu zwei Jahrzehnte könne es dauern, bevor grundlegende Fragen der Technologie wie die genetische Programmierung der Zellen und die Gefahr der Tumorbildung gelöst seien, gaben die Experten zu bedenken.
Verantwortlich für den Forschungsstau machen sie einen zu engen rechtlichen Rahmen beim deutschen Gentechnikgesetz, das die Arbeit mit embryonalen Stammzellen einschränkt und eine dem internationalen Wettbewerb nicht angemessene Forschungsförderung.
Die Hälfte der Wissenschaftler fürchtet, dass die Stammzellenforschung aus Deutschland in nächster Zeit in Länder abwandert, die weniger Beschränkungen unterworfen sind.
Die wenig schmeichelhaften Nachrichten von der Forschungsfront in der Gentechnik waren kaum verdaut, da landeten deutsche Stammzellenforscher einen Überraschungscoup. Aus den Bauchspeicheldrüsen erwachsener Ratten und Menschen gelang es einem Team an der Uni Lübeck, so genannte adulte Stammzellen zu gewinnen, die, wie die Forscher behaupten, dasselbe können wie embryonale Stammzellen: die rund 300 verschiedenen Zell- und Gewebearten des Organismus hervorbringen.
Wie die Wissenschaftler in dem Journal „Applied Physics A“ berichten, sei es ihnen gelungen aus den adulten Stammzellen Nerven-, Muskel-, Knorpel- und Drüsengewebe zu entwickeln.
Das wäre eine wissenschaftliche Sensation, würde doch die Stammzellenforschung endlich unabhängig von menschlichen Embryonen. Doch sind andere Experten skeptisch, ob die erstaunlichen Ergebnisse aus Lübeck weiteren Versuchen standhalten werden. Die erfahrene US-Stammzellenforscherin Catherine Verfaille von der Universität Minnesota versucht seit Jahren, adulte Stammzellen aus Knochenmark zu isolieren. Sie bewertet die Daten vorsichtig als „provokativ“.
Deutlicher geht der am Whitehead Institut in Cambridge/USA arbeitende deutsche Stammzellenpionier Rudolf Jaenisch mit den Ergebnissen seiner Kollegen ins Gericht. Er spricht gar von „null Evidenz“, dass es sich bei der neuen Stammzellenlinie tatsächlich um die versprochenen Alleskönner handele. Auch wundern sich viele, was die Lübecker Wissenschaftler dazu bewogen hat, ihre für die Gentechnik vermeintlich wegweisenden Ergebnisse in einem Physikjournal zu veröffentlichen. Für Misstrauen sorgen zudem Unstimmigkeiten bei einer angeblichen Patenterteilung für die neue Stammzellentechnik. Von den Lübeckern selbst ist bisher kaum eine konkrete Stellungnahme zu erhalten.
Doch trotz dieses fraglichen Durchbruchs: Gerade die deutsche Stammzellenforschung kann auf wichtige Fortschritte verweisen. Vor drei Jahren behandelte der Kardiologe Bodo Eckehard Strauer, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Düsseldorf, erstmals Patienten kurz nach einem Herzinfarkt mit adulten Stammzellen aus dem eigenen Knochenmark. Über einen Katheter wurden die Stammzellen in die zerstörte Herzregion verabreicht, wo sie nach kurzer Zeit das lädierte Muskelgewebe wieder aufzubauen begannen. So verbesserte sich die Durchblutung des Infarktgebietes deutlich, die Kontraktion des Herzmuskels wurde kräftiger und das krankhaft vergrößerte Herz wurde wieder auf Normalmaß reduziert.
Auch Strauers Kollege Gustav Steinhoff, Direktor der Klinik für Herzchirurgie an der Uni Rostock, hatte mit der Methode Erfolg. Beide Forscher erproben das Verfahren im Rahmen klinischer Studien. Vor einem routinemäßigen Einsatz sehen sie aber noch einen erheblichen Forschungsbedarf.
Einen ersten Hoffnungsschimmer für die Wiederherstellung bei einem Schlaganfall sehen auch Forscher der Uni Leipzig. Wie Experimente mit Ratten zeigen, ließen sich die typischen Hirnschädigungen durch die Gabe von adulten Stammzellen in das betroffene Hirngebiet lindern. Doch warnen andere Wissenschaftler vor unabsehbaren Nebenwirkungen. So hatten in einem ähnlichen Experiment von Bonner Forschern alle Versuchstiere Hirntumoren entwickelt.
SILVIA VON DER WEIDEN

Stellenangebote im Bereich Medizintechnik, Biotechnik

ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Senior Ingenieur (m/w/d) QM / Regulatory Affairs Pforzheim
sepp.med gmbh-Firmenlogo
sepp.med gmbh Validierungsingenieur (m/w/d) Forchheim
Merck KGaA-Firmenlogo
Merck KGaA EMR-Fachingenieur (m/w/divers) Darmstadt
INVACARE Deutschland GmbH-Firmenlogo
INVACARE Deutschland GmbH Leiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Porta Westfalica
EUROIMMUN AG-Firmenlogo
EUROIMMUN AG Ingenieur / Biotechnologe Qualitätsmanagement (m/w/d) Lübeck
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
MED-EL Medical Electronics Process Validation Engineer (m/w) Innsbruck (Österreich)
Hitachi Automotive Systems Europe GmbH-Firmenlogo
Hitachi Automotive Systems Europe GmbH Senior R&D Engineer (m/f/d) Schwaig-Oberding
Takeda GmbH-Firmenlogo
Takeda GmbH Qualifizierungsingenieur – Qualification Engineer (all genders) Oranienburg
IKA-Werke GmbH & Co. KG-Firmenlogo
IKA-Werke GmbH & Co. KG Ingenieur / Techniker (m/w/d) Industrial Engineering Staufen
Freie und Hansestadt Hamburg-Firmenlogo
Freie und Hansestadt Hamburg Sachbearbeiterin bzw. Sachbearbeiter (m/w/d) im Strahlenschutz Hamburg

Alle Medizintechnik, Biotechnik Jobs

Top 5 Biotechnologi…