Biotechnologie 08.06.2007, 19:28 Uhr

Die heile Welt der Biotechnologie  

Im Jahr 2030 wird Biotechnologie für die europäische Wirtschaft unentbehrlich sein. Das prognostiziert eine Gruppe von Fachleuten in ihrer „Kölner Erklärung“. Für dieses Ziel aber braucht es öffentliche Unterstützung.

Hunger stillen, energetische und stoffliche Rohstoffe liefern, Mobilität sichern – all das sei mit Hilfe der Biotechnologie möglich! So lautet das Credo von 51 Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Sie entwarfen Anfang 2007 eine Zukunftsvision und präsentierten sie in der Kölner Erklärung auf der Konferenz „En route to the Knowledge-Based Bio-Economy“ („Der Weg zu einer auf Wissen basierten Bio-Wirtschaft“) am Rande der Messe European BioPerspectives (30. Mai bis 1. Juni) in Köln.

Die Biotech-Vordenker aus zwölf EU-Staaten und der Schweiz bekamen dazu den Auftrag von der EU-Kommission sowie den deutschen Bundesministerien für Forschung und für Wirtschaft. Sie arbeiten unter anderem für das Chemieunternehmen Degussa, den Freiberger Biokraftstoffhersteller Choren, das Einbecker Saatgutunternehmen KWS, das Max-Planck-Institut für Psychiatrie und die Technischen Universitäten Berlin und München.

„Es ist das modernste Strategiepapier zur Biotechnologie weltweit“, glaubt Christian Patermann von der Generaldirektion Forschung der EU-Kommission. Die Prognosen der Vordenker klingen radikal. 2030 wird ein Drittel aller industrieller Grundstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen stammen. Genmodifizierte veränderte Hightechpflanzen werden auf Äckern wachsen, um Menschen zu ernähren und die Gesellschaft vom Erdöl unabhängiger zu machen. Unternehmen werden Stammzellen und sogar Organe züchten, neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung werden das Internet revolutionieren.

Mit anderen Worten: Die Bedeutung der Biotechnologie in der Medizin, dem Pflanzenanbau und in der Industrie wird stetig steigen. Auf der Basis heutiger Zahlen prognostizieren die Experten deshalb, dass das weltweite Umsatzvolumen der industriellen Biotechnologie im Jahr 2030 bei etwa 300 Mrd. € liegen wird, was einem Drittel der gesamten industriellen Produktion entspricht.

Der technische Fortschritt in der Biotechnologie werde auch Kosten senken, glaubt Alfred Pühler, Vorsitzender Biotechnologie in der Deutschen Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema).

„Wir werden es erleben, dass das Sequenzieren eines persönlichen Genoms 1000 $ kosten wird.“ Das werde den Weg zu einer Medizin mit maßgeschneiderten Wirkstoffen für jeden Patienten ebnen.

Dies alles ist Zukunftsmusik. Doch schon heute sei eine Industrie ohne Biotechnologie kaum mehr vorstellbar, betont Ulrich Behrendt, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU).

Auch die klassische Chemie bewege sich in Richtung Biotech, ergänzte Bernward Garthoff, Bayer AG und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB). Mikroorganismen produzieren schmutzabbauende Enzyme für Waschmittel und Wirkstoffe wie Insulin für Diabetiker. Und immer mehr biologisch abbaubare Polymere werden zur Kunststoffsubstitution hergestellt.

„Bereits heute sind daher 258 000 von 443 000 Arbeitsplätzen in der Chemieindustrie direkt oder indirekt von der Biotechnologie beeinflusst“, so Garthoff. Und er glaubt, es werden schrittweise mehr werden.

Die Gruppe der Vordenker hält die Biotechnologie auch für den vielversprechendsten Ansatz, die produzierende Industrie in Europa zu halten. Und das zu Recht, glaubt Ulrich Behrendt. Er blickt bewundernd und gleichzeitig besorgt etwa in den Fernen Osten. „Schon heute betreibt eine wachsende Zahl chinesischer Institute Spitzenforschung.“

Auch strategisch setzt China etwa in seinem Hightechentwicklungsplan 2006 bis 2020 auf die biotechnologische Entwicklungen. Und selbst in einem Land wie Vietnam wird intensiv an gentechnisch veränderten Pflanzen geforscht. Dort soll jetzt der Wasserlinse (Lemna gibba), besser bekannt als Entengrütze, ein Gen eingepflanzt werden, das einen Wirkstoff gegen Vogelgrippe produziert. So impfen sich die Wildvögel an der Wasserstelle quasi selbst.

Dennoch: Die europäische Vision der Biotech-Vordenker läuft nicht von selbst. Sie braucht Unterstützung. Deutschland und die EU helfen etwa mit öffentlichen Geldern.

Zwei Beispiele: Die EU fördert in ihrem 7. Forschungsrahmenprogramm die „wissensbasierte Biowirtschaft“. Bis 2013 hält die EU-Kommission bis zu 2 Mrd. € für industrielle Entwicklungen bereit. Und das deutsche Forschungsministerium schrieb im Herbst 2006 den Wettbewerb „BioIndustrie 2021“ aus. Ende Mai in Köln gab Staatssekretär Thomas Rachel die Gewinner bekannt: Fünf Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erhalten in den kommenden fünf Jahren insgesamt 60 Mio. €.

Um die Akzeptanz der Biotech-Vision sorgt sich Alfred Pühler, Dechema, nicht. Die Öffentlichkeit würde die rote und die weiße Sparte der Biotechnologie bereits annehmen. Nur beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen gebe es Schwierigkeiten, da die meisten Europäer kein Genfood essen wollen.

Doch Pühler mahnt zur Ruhe. „Das Problem wird sich von selber lösen“ – dann, wenn sich die ersten Erfolge einstellten und genveränderte Pflanzen einen unübersehbaren Beitrag etwa als Rohstoff für die Chemieindustrie leisten werden. RALPH AHRENS

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