Biotechnologie 01.09.2000, 17:26 Uhr

Deutsche Biotechnik holt auf

Nach einem schlechten Start hat die deutsche Biotechnikbranche den Anschluss gefunden und kämpft sich jetzt zur Spitze vor, so die optimistische Prognose der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) vergangene Woche in Frankfurt.

Deutsche Biotechnologie: Auf dem Weg zur Spitze.

Deutsche Biotechnologie: Auf dem Weg zur Spitze.

Foto: BASF

Als Indikator für die erfolgreiche Forschung deutscher Unternehmen verweist Dr. Dieter Wißler, Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), auf Patentanmeldungen für Arzneimittel, bei denen biotechnologische Verfahren eine wesentliche Rolle spielen. Die Zahl der deutschen Patentanmeldungen wuchs 1999 um 36 % und lag mit 176 Anmeldungen an der Spitze in Europa. Im globalen Vergleich dominieren weiterhin die USA mit 660 Patentanmeldungen. Aber immerhin konnte Deutschland in den letzten fünf Jahren seinen Anteil weltweit von 10 % auf 14 % erhöhen.
Als Zeichen für das günstige Klima des Standortes Deutschland bewertet die DIB die geradezu stürmische Entwicklung kleiner Biotech-Unternehmen. Ihre Zahl hat sich im vergangenen Jahr um 25 % auf jetzt 279 Firmen erhöht, und sie beschäftigen inzwischen 8000 Mitarbeiter, doppelt so viele als noch vor zwei Jahren. Die Umsätze stiegen in den letzten zwei Jahren um jeweils mehr als 30 % und überschritten 1999 erstmals die Milliardengrenze.
Der Arbeitsschwerpunkt kleiner Biotech-Firmen lag bislang vor allem auf der Entwicklung von Verfahren und auf der Auftragsforschung für große Pharmakonzerne. Doch zunehmend konzentrieren sie sich laut Wißler darauf, eigene Produkte zu entwickeln. An erster Stelle stehen dabei Diagnostika, neue Medikamente zur Krebstherapie und Arzneimittel zur Stabilisierung des Immunsystems, vor allem im Zusammenhang mit Transplantationen.
Positiv habe sich die Finanzierung deutscher Biotech-Unternehmen entwickelt. Nach Angaben eines Reports der Unternehmungsberatung Ernst & Young flossen 1999 mit mehr als 500 Mio. DM etwa 30 % des Venture-Capitals deutscher Investoren in diese Branche. Immer mehr der jungen Firmen wagen inzwischen den Gang an die Börse – im vergangenen Jahr gelang 10 Biotech-Firmen dieser Sprung.
„Diese positiven Trends sollten jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass Deutschland in der Biotechnologie gegenüber den USA noch immer einen erheblichen Nachholbedarf hat“, betonte Wißler. Wie Ernst & Young berichtet, haben deutsche Unternehmen derzeit knapp 30 Pharmaprodukte in der entscheidenden Phase der klinischen Prüfung, weniger als ein Zehntel im Vergleich zu rund 350 Präparaten der Biotech-Firmen in den USA.
Die Situation der „grünen Gentechnik“ in Deutschland und Europa bezeichnet die DIB als unverändert schwierig. Mit Pflanzenbiotechnologie beschäftigen sich nur etwa 15 % der deutschen Biotech-Firmen. In einer Reihe von EU-Staaten findet seit mehr als zwei Jahren eine äußerst kritische Diskussion zur Anwendung gentechnischer Methoden in Landwirtschaft und Ernährung statt. Besonders heftig verlief die Debatte in den letzten Monaten in Großbritannien. Aber auch in Frankreich, Italien, Österreich und in den skandinavischen Ländern ist die Haltung der Öffentlichkeit genauso wie in Deutschland ausgesprochen kritisch. URSULA SCHIELE-TRAUTH

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