Gentechnik 23.03.2007, 19:27 Uhr

„Der Zeitraum der Tests ist zu kurz“  

Er prangert das Zulassungsverfahren in der EU als lückenhaft an. Denn der Mais, den er sich vorknöpfte, ist in der EU seit Januar 2006 als Futter- und Lebensmittel zugelassen – will heißen, laut Gesetz müsste er eigentlich sicher sein.

Gilles-Eric Séralini ist Mitglied einer unabhängigen Forschergruppe für Gentechnologie namens Criigen (Comittee for Independent Research and Information on Genetic Engineering) und zugleich Biochemiker an der Uni Caen. Im Auftrag von Greenpeace wertete er eine Studie erneut aus, die Monsanto für die Zulassung von MON 863 bei den Behörden eingereicht hatte. Diese vertrauliche Studie bekam er jedoch erst nach einer Klage vor Gericht zu Gesicht.

Bei der Überprüfung der Unterlagen fielen Séralini signifikante Veränderungen bei den Ratten auf, die drei Monate lang gentechnisch veränderten Mais gefressen hatten. Die Messwerte von 80 Tieren deuteten teilweise auf Schädigungen der Leber und Niere hin.

„Das Gewicht der Leber stieg insbesondere bei den weiblichen Tieren. Die Blutfettwerte verschlechterten sich um 24 % bis 40 %. Einige der männlichen Tiere entwickelten Nierenerkrankungen“, listete Séralini auf. Ratten, die herkömmlichen Mais gegessen hatten, zeigten dagegen keinerlei Auffälligkeiten.

Da Leber und Niere den Körper entgiften, interpretiert Séralini die Symptome an diesen Organen als leichte Vergiftungserscheinungen. Dass diese je nach Geschlecht variieren, sei für Lebergifte geradezu charakteristisch.

„Die statistische Auswertung von Monsanto ist mangelhaft“, moniert Séralini und verweist auf seine Analyse, die gerade in der Fachzeitschrift „Archives of Environmental Contamination and Toxicology“ veröffentlicht wurde.

Die Auffälligkeiten bei den Tieren waren auch Monsanto nicht entgangen, wurden jedoch als unbedeutend eingestuft. Nach langwierigen Debatten folgten die Behörden dieser Einschätzung. Die Veränderungen an den Organen bewegten sich im Rahmen der biologischen Abweichungen, die bei Ratten auftreten können, heißt es.

In dem transgenen Mais MON 863 wird ein künstliches Insektengift mit dem Kürzel Cry3Bb1 gebildet, das die Pflanze gegen den Maiswurzelbohrer resistent macht. Diese Substanz wurde laut Séralini jedoch nie auf ihre Wirkung im Körper untersucht.

„Der Giftstoff Cry3Bb1 entsteht in Mengen von 1 kg/ha in den Pflanzen. Das ist ein sehr hoher Gehalt“, so Séralini, „viel mehr, als man sprühen kann.“ Als Pflanzenschutzmittel jedoch würde Cry3Bb1 viel intensiver geprüft, als es beim transgenen Mais geschehen ist.

Spritzmittel müssen generell in zweijährigen Fütterungsversuchen bei Tieren getestet werden. Dadurch sollen Langzeiteffekte wie etwa die Schädigung der Jungtiere oder das Entstehen von Krebs ausgeschlossen werden. Bei der Zulassung von gentechnisch verändertem Saatgut sind solche Tests nicht vorgesehen.

Für Séralini ist diese Diskrepanz in den Zulassungsverfahren der eigentliche Stein des Anstoßes. „Es ist doch seltsam, dass die Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen nie länger als drei Monate gehen. Dem liegen ganz klar wirtschaftliche Interessen zugrunde“, kritisiert er. Sein Mahnruf an die Europäische Kommission: „Der Zeitraum der Tests ist zu kurz.“

Bislang wird das Gros der Zulassungstests von den Herstellern bei zertifizierten Prüfinstituten in Auftrag gegeben. Diese sind freilich strengen Kontrollen unterworfen. Allerdings hingen sie am Tropf der Unternehmen, von deren Aufträgen sie leben müssen.

Sofern das Ergebnis einer Studie Spielraum für Interpretationen lässt, könnte dieses schon mal zugunsten der Firmen ausfallen. Für Séralini ist das in der Studie mit MON 863 geschehen, da Veränderungen der Nieren als nicht relevant eingestuft worden waren – Veränderungen, die er keineswegs vernachlässigbar findet.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die Séralini vergangene Woche zur Pressekonferenz nach Deutschland geladen hatte, zieht aus seinen Erkenntnissen ihr eigenes Fazit: „Wir wollen keine weiteren Studien an Tieren. Darin unterscheiden wir uns von Séralini“, sagt Christoph Then. Indessen sieht man seine Analyse als weiteren Beleg dafür, dass die transgene Saat von den Äckern verschwinden muss: „Gentechnisch veränderte Pflanzen können generell nicht als sicher angesehen werden. Wir fordern einen Stopp des Anbaus.“

Bei Monsanto wird Séralinis Studie derzeit von eigenen Toxikologen geprüft. Seinem Vorschlag, die Tests auszuweiten, erteilt man dagegen eine klare Absage: „Die 90-Tages-Studie reicht aus, um die Sicherheit zu gewährleisten. Pflanzenschutzmittel sind toxisch aktive Substanzen. Aber in dem Mais ist nur ein neues Eiweiß Cry3Bb1 enthalten, das kann man nicht mit Pflanzenschutzmitteln vergleichen“, heißt es. Längere Studie lehnt Monsanto daher ab. SUSANNE DONNER/ber

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